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Dritte Liga: Kölns Stiefkind meldet sich zurück

Dritte Liga: Kölns Stiefkind meldet sich zurück

2001 war der Club pleite und stürzte bis in die sechste Liga ab. Nun ist Fortuna Köln wieder da — und startet Samstag in die Dritte Liga.

Köln. Es war am 1. Juni dieses Jahres gegen kurz vor 16 Uhr, als für Michael Schwetje und alle, die es mit der Kölner Fortuna halten, eine Welt zusammenbrach. 1:0 hatten die Kölner das Hinspiel im Duell der beiden Regionalliga-Meister um den Aufstieg in die Dritte Liga gewonnen. Doch nun, in der 88. Minute des Rückspiels, fiel das 2:0 für den Süd-Meister FC Bayern München II. Und die Fortuna war nur noch zu zehnt.

„Natürlich stirbt die Hoffnung zuletzt. Aber zwei Minuten vor Schluss mit 10:11 war der Aufstieg gedanklich schon weg“, erinnert sich Geschäftsführer Schwetje. Die Kölner starteten einen letzten Angriff. Oliver Laux erzielte das wichtigste Tor der jüngeren Vereinsgeschichte. Fortuna war zurück im Profifußball.

Samstag nun gehen die Kölner nach langen Jahren in den Niederungen des deutschen Vereinsfußballs das Kapitel Dritte Liga an. Ein Unterfangen, das ohne Laux’ Tor auch in den kommenden Jahren kaum denkbar gewesen wäre. „Hätten wir den Aufstieg nicht geschafft, wäre unter den Investoren die Frage aufgekommen, ob sich der hohe finanzielle Aufwand überhaupt lohnt“, sagt Michael Schwetje, der zu eben jenen Investoren gehört, die seit fünf Jahren dabei helfen, den Traditionsverein aus der Südstadt wieder nach oben zu führen. Wie viel sie genau in den Club gesteckt haben, verrät er nicht, aber es sei ein „hoher einstelliger Millionenbetrag“.

Der war auch nötig. Immerhin war der Club, den der Mäzen Jean Löring 26 Jahre lang in der 2. Bundesliga gehalten hatte, nach der Insolvenz 2001 bis in die sechste Liga abgestürzt. Ganze 400 Zuschauer tummelten sich noch auf den Tribünen des arg in die Jahre gekommenen Südstadions.

Doch dann nahm Klaus Ulonska das Heft in die Hand, ließ sich zum Präsidenten wählen und arbeitete am Neuaufbau. Zunächst gar nicht so sehr wegen der ersten Mannschaft, sondern um den rund 500 Jugendlichen, die häufig aus schwierigen Verhältnissen kommen, weiter eine sportliche Heimat im Nachwuchs der Fortuna zu geben.

Kurze Zeit später folgte das Projekt „deinfussballclub.de“, bei dem sich Fans einkaufen konnten und in der Organisation der Vereins mitreden durften — sogar bei sportlichen Entscheidungen. Zwar scheiterte das Projekt, aber immerhin war die mediale Aufmerksamkeit da. Investoren kamen, der Aufstieg begann. Vor allem dank Trainer Uwe Koschinat. 2008 stieg Köln in die NRW-Liga auf, 2011 in die Regionalliga, nun in die Dritte Liga.

„Was wir in den vergangenen Jahren entwickelt haben, ist enorm“, sagt Präsident Ulonska. Trotzdem soll auch die Dritte Liga nur eine Zwischenstation sein. „Wir wollen weitere Investoren gewinnen, und dann ist auch die Zweite Liga wieder möglich“, sagt Schwetje. Erst mal gehe es aber um den Klassenerhalt und darum, sich im Profibereich zu etablieren. „Wir geben uns ein bis zwei Jahre und gucken, wo die Reise hingeht.“

Gelingen soll das über eine klare Abgrenzung zur Glitzerwelt Bundesliga. Diesen Bereich besetzt in Köln ohnehin der FC. „Wir stehen für ehrlichen Fußball ohne Eventcharakter. Bei uns sitzen die Spieler nachher im Vereinsheim und reden mit den Fans. Das muss unser Weg sein“, sagt Schwetje, der weiß, dass die Fortuna derzeit kein Verein für ganz Köln ist. „Wir wollen zunächst die Menschen aus den südlichen Bezirken der Stadt erreichen.“ Sie haben gelernt, klein zu denken.