2. Bundesliga: Der VfL Bochum steht vor der Zerreißprobe

2. Bundesliga: Der VfL Bochum steht vor der Zerreißprobe

Sportlich taumelt der Revierclub dem Abstieg entgegen, hinter den Kulissen fliegen die Fetzen. Sportvorstand Christian Hochstätter aber schließt trotz vieler Fehler einen Rücktritt aus. "Ohne mich ist der Verein handlungsunfähig."

Bochum. Vor der Saison schien die Luft beim VfL Bochum gereinigt und der Blick auf die Sonne wieder frei. Mit der Entlassung des bei einem großen Teil der Spieler unbeliebten Trainers Gertjan Verbeek sollte die Mannschaft befreit auf- und um den Aufstieg in die Bundesliga mitspielen. Angesichts der individuellen Besetzung des Kaders kein unrealistisches Vorhaben, doch 13 Spiele vor Ende der Saison stellt sich die sportliche Situation gänzlich anders dar. Nach vier Niederlagen in Folge, den vergangenen drei davon ohne einen eigenen Treffer und nur noch einem Punkt Vorsprung auf den Abstiegs-Relegationsplatz droht der Absturz. Und ausgerechnet in dieser kritischen Situation brodelt es auch noch hinter den Kulissen.

Im Mittelpunkt der Kritik steht Christian Hochstätter. Dem Sportvorstand werden von Seiten der Fans eine verfehlte Personalpolitik sowie - viel gravierender - ein autokratischer Führungsstil vorgeworfen. Auch das Wirken des Aufsichtsratsvorsitzenden Hans-Peter Villis ist umstritten. "Der VfL war immer konkurrenzfähig, weil er innere Stärke besaß. Jetzt aber wird der Verein nicht mehr so gelebt wie früher. Ich habe schon vor einiger Zeit gesagt, so werden die handelnden Personen den VfL ruinieren und genau das tritt nun ein. Die fahren den Verein vor die Wand und keiner hält sie dabei auf", sagte Peter Neururer im Gespräch mit unserer Zeitung.

Der frühere Trainer des VfL Bochum leidet mit seiner "Liebe", bei der es an allen Ecken und Enden kracht und brodelt. Kurz vor Weihnachten traten die Aufsichtsräte Frank Goosen und Matthias Knälmann zurück, gleichzeitig verkündete Finanzvorstand Wilken Engelbracht seinen vorzeitigen Abschied bis spätestens zum Sommer. Engelbracht hatte immerhin seit Juli 2014 maßgeblichen Anteil daran, dass der VfL seine Schulden von fast acht Milionen Euro auf unter vier drücken konnte. Doch die Stimmung im Verein ist schlecht. So schlecht, dass in der Winterpause gleich drei Mitarbeiter aus Betreuerstab und Geschäftsstelle gekündigt haben.

Hochstätter und Villis aber sehen keine Veranlassung, sich zu hinterfragen oder gar Konsequenzen zu ziehen. "Mein Vertrag gilt bis 2020 und ich werde meinen Posten nicht freiwillig räumen. Ohne mich ist der VfL Bochum nicht handlungsfähig", sagte Hochstätter am Montag auf einer Veranstaltung mit ausgewählten Besuchern. Eine Veranstaltung, bei der die Medien ausgeschlossen waren. Hochstätters Zitate wurden nur öffentlich, weil im Internet bei "facebook" ein Video aufgetaucht war. Ein Video, das kurze Zeit später wieder verschwand.

Wenn der VfL aber ohne Hochstätter tatsächlich handlungsunfähig sein sollte, dann wirft dies natürlich bedenkliche Fragen nach der Struktur des Vereins auf. Wieviel Macht besitzt Hochstätter? Und was passiert, wenn er den Verein verlässt? Denn dass er an seinem Stuhl klebt, bedeutet mitnichten eine pflichtbewusste Arbeitsmoral. Im November 2016 drängte Hochstätter schließlich auf einen Wechsel zum Hamburger SV. Ein Wechsel, der nur deshalb nicht zustande kam, weil der HSV die vom VfL Bochum geforderte Ablöse von drei Millionen Euro nicht zahlen wollte oder konnte. "Spätestens da hätte das Vertrauen in Hochstätter in Frage gestellt werden müssen", sagte Neururer.

Schlimmer als das Kokettieren mit dem HSV aber sind Hochstätters Fehler. Da wurde die U23 abgemeldet, obwohl der Nachwuchs in Bochum ein hohes Gut ist. Da bekam Verbeeks Nachfolger Ismail Atalan zu wenig Zeit zum Aufbau. Da wurde in Felix Bastians einer der wenigen Spieler mit Führungsqualitäten wegen persönlicher Differenzen fort gejagt. Dass sich nun Spieler gegen einen Wechsel zum VfL entschieden, ist angesichts der Gemengelage nicht verwunderlich. Am Freitag kommt dafür mit Darmstadt 98 der Tabellen-16. an die Castroper Straße - für Hochstätter und den überfordert wirkenden Trainer Jens Rasiejewski vielleicht ein Endspiel. "Die meisten Zweitliga-Spiele sind eng und oft gewinnt sie der, der ein solides Umfeld besitzt", sagte Verteidiger Patrick Fabian. Wenn dem so ist, dann stehen die Aktien des VfL Bochum schlecht.