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Bundesliga: Drei Siege in Serie - Kölns kleines Weihnachtswunder

Bundesliga : Drei Siege in Serie - Kölns kleines Weihnachtswunder

Innerhalb von sieben Tagen hat der FC Köln mehr Punkte geholt als in den vier Monaten zuvor. Gegen Bremen reichte beim 1:0 unbändiger Wille und ein bisschen Spielglück.

Als die rot-weißen Lichter in den vier tragenden Stadionsäulen in Köln in der Dunkelheit flackernd aufleuchteten und die FC-Spieler auf dem Rasen bei seliger Musik ein Banner mit frohen Weihnachtwünschen an ihre Anhänger umhertrugen, wirkte die Kölner Welt fast unwirklich. Drei Siege in Serie innerhalb von sieben Tagen, der Sprung von einem Abstiegsplatz, die neue Perspektive mit drei gleichsam neu entdeckten Nachwuchsspielern, dazu ein scheinbar neues Mannschaftsgefühl – so viele gute Nachrichten für den chronisch geplagten FC hatte man in Köln tatsächlich nicht mehr erwartet. Aber die Ergebnisse regeln wieder einmal die Seele. Die älteste Fußball-Weisheit überstrahlt wieder alles und neutralisiert auch alle Bösartigkeiten der vergangenen Wochen, als der neue Trainer Markus Gisdol in der Domstadt noch als schlicht nicht akzeptable Verzweiflungslösung galt.

„Wenn uns das einer vor einer Woche gesagt hätte, das hätte hier niemand geglaubt“, sagte der FC-Torwart Timo Horn danach in den Katakomben. Und fügte an, was auch an ihn selbst gerichtet war, weil aus dem hoffnungsvollen Perspektivtorhüter von einst in den vergangenen Monaten mitsamt Zweitliga-Jahr ein zweifelndes Nervenbündel mit zahlreichen Aussetzern geworden war: „Du musst immer an dich glauben, auch wenn es kein anderer mehr tut.“

Wie genau Kölns Trainer Gisdol die kurzfristige Wende in Köln-Müngersdorf herbeigeführt hat, wollte Sport-Geschäftsführer Horst Heldt im Angesicht des 1:0-Sieges gegen Werder Bremen nicht sagen. „Er hat mit seinem Team viel geändert und hat das gut gemacht.“ Man habe einen Brustlöser gebraucht. „Es werden aber wieder Niederlagen dazu kommen, wir dürfen aber auch dann nicht aufgeben und müssen uns immer an die letzten Spiele erinnern“, sagte Heldt, der derzeit selbst ganz geschickt mit diesen etwas kuriosen speziellen Kölner Emotionen umgeht: Der Fußball-Manager befördert sie und bremst sie gleichzeitig ein. Ein Weg, der als Momentaufnahme nach einer Zeit unter Heldt-Vorgänger Armin Veh von gelebter Distanz richtig zu sein scheint. Die typischen Kölner Kölner Gassenhauer waren aus der FC-Kabine nach einem BundesligaSpiel wirklich selten zu hören. Jetzt dröhnten sie.

Besonders Noah Katterbach und Ismail Jakobs und auch der erst 18 Jahre alte Jan Thielemann beflügelten die Kölner Fantasien. Allesamt Spieler aus der eigenen Reserve, die vor allem physisch genau jene Elemente in den Kölner Kader brachten, die vorher gefehlt hatten: Laufstärke, Schnelligkeit, unbedingter Wille, Euphorie. Zuerst Katterbach offenbarte erneut Qualitäten, die ziemlich offensichtlich auf eine große Karriere zusteuern lassenen, zumal als einer der eher selten starken deutschen Linksverteidiger.

Köln offenbart neues Tempo und neue Zweikampfstärke

Es liegt auch an diesen jungen Spielern, dass der FC gegen Bremen 247 schnelle Sprints zurücklegte und diesen Wert zuvor nur beim 4:2-Sieg in Frankfurt vor einigen Tagen übertroffen hatte. Vorher fiel die Elf eher mit schwachen läuferischen Werten auf – Gift im Abstiegskampf. Zweifellos kam auch Glück dazu, weil der Sieg vor allem dank Zweikampfstärke von Spielern wie Shkiri, Czichos oder Cordoba zustande gekommen war und Bremen gut hätte auch einen Punkt mitnehmen können. Aber das hätte diese Kölner Geschichte einer Woche, in der man mehr Punkte geholt hat als in den vier Monaten zuvor, nicht rund gemacht. Der Treffer nach einem sehr langen Pass von Czichos auf Drexler, der für Torschütze Cordoba auflegte hätte so aus Bremer Sicht nie fallen dürfen. „Den müssen wir einfach wegverteidigen“, zürnte Werder-Trainer Kohfeldt.

Die Frustration lag an diesem Samstag tatsächlich allein beim Gegner. Bremen spielte engagiert, aber nicht gut. Zuerst zu defensiv, dann zu fehlerhaft im Passspiel, schließlich zu spät zielstrebig. Dass Kohfeldt mit den Seinen die „fast schlechteste Hinrunde unserer Liga-Geschichte“ gespielt hat, wie Aufsichtsratschef Marco Bode konstatierte, würde anderswo zwingend einen Trainerwechsel nach sich ziehen. Doch Bode legte hinterher, dass man in Bremen anderen Gesetzen zu folgen gedenkt: Kohfeldt muss auch nach der vierten Niederlage in Serie und nur 14 Punkten aus 17 Spielen nicht um seinen Job bangen. „Das wird bei uns nicht passieren“, sagte Bode, sichtlich angeschlagen, aber auch überzeugt. „Wir sind uns einig, gut aufgestellt zu sein und es gemeinsam zu schaffen. Wir sind in der Lage, genügend Punkte zu holen und den Abstieg zu verhindern.“

Neue Spieler sollen im Winter kommen. In einen Kader, der den Verlust des Führungsspielers Max Kruse nach Istanbul im vergangenen Sommer nie verkraftet hat und jetzt ein wenig zu brav wirkt, um den Wechsel von spielerischer Leichtigkeit auf zielgerichtete Aggressivität zu schaffen. Und das ist wohl nur die leichteste Erklärung. Bode will jetzt trotz schmalen Budgets neue Spieler in der Winterpause. „Wir werden nichts Unvernünftiges machen. Aber wir werden alles realisieren, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, erfolgreich zu sein“, sagte er. „Wir werden prüfen, was möglich ist.“

Kohfeldt macht eine mutige Ansage

Kohfeldt selbst hatte das Selbstbewusstsein, auch diese Pleite beim direkten Konkurrenten wegzustecken und nicht auf sich zu verbuchen. Man werde Werder nicht noch einmal so defensiv sehen, dass sei der Situation angepasst, sagte Kohfeldt und deutete damit an, in der kurzen Winterpause die spielerische Stärke des Kaders wieder fördern zu wollen. Und dann holte der Mann, der in der vergangenen Saison in die Notizbücher der großen Clubs Aufnahme gefunden hatte, zur Ansage aus. „Das war eine wirklich schlechte Hinrunde. Was ich aber sagen kann: Wir werden kämpfen und nicht absteigen“, versprach der 37-Jährige.