1. FC Köln: Wie Markus Gisdol Kölns Gesicht verändert hat

1. FC Köln siegt weiter : Wie Markus Gisdol Kölns Gesicht verändert hat

Beim 3:1 gegen Wolfsburg gewinnt der FC zum vierten Mal in Serie in der Bundesliga. Das hat es seit 19 Jahren nicht mehr gegeben. Und das hat Gründe.

Man konnte es ja kaum noch zählen, wie oft Timo Horn vor den Pressevertretern in den Kölner Stadionkatakomben stand und als FC-Eigengewächs und augenscheinlich erster Sprecher der FC-Mannschaft seine Enttäuschung preisgab. Meist hatte er dabei rote Bäckchen, oft war auch etwas Verzweiflung dabei, und hin und wieder hatte man den Eindruck, dass der 1.FC Köln so richtig dauerhaft und visionär nicht mehr auf die Beine kommen wird, weil der FC so oft chancen- und trostlos im eigenen Stadion agierte, dass es ein haltloser Zustand war.

Auch das hat sich geändert. Als Horn am Samstag nach dem 3:1-Sieg gegen den VfL Wolfsburg analysierte und im Hintergrund wieder laute Kabinenrhythmen durch die Katakomben dudelten, sprach der 26-Jährige über den vierten Sieg in Folge, allein das hat es seit 19 Jahren in Köln nicht mehr gegeben. Und er sprach über eine völlig veränderte Mannschaft, die mit dem verunsicherten Ensemble aus Zweitliga-Zeiten und jenem Team vom Start dieser Saison unter dem gegangenen Trainer Achim Beierlorzer nicht mehr viel gemein hat. „Das ist“, sagte Horn eine Botschaft, die er hörbar sagen wollte, „das Ergebnis von harter Arbeit.“ Das hat man in Köln noch nicht so oft gehört: Kürzlich sorgte es schon für stirnrunzelnde Verwunderung, dass Trainer Markus Gisdol die Seinen vor und nach dem Training zum gemeinsamen Miteinander verpflichtet hat. Meist waren sie zuvor nach der Übungseinheit schnell auseinander gelaufen.

Unter Gisdol hat das Kölner Spiel nicht nur eine Struktur erhalten – spürbar hat der Trainer auch die Intensität geändert, die eigentlich schon Beierlorzer hätte stärken sollen. Unnachgiebig stehen die Kölner dem Gegner seither auf den Füßen: in der Innenverteidigung machen Sebastiaan Bornauw und Rafael Czichos derzeit keine Fehler mehr, im defensiven Mittelfeld fangen die laufstarken und fußballcleveren Jonas Hector und Ellyes Skhiri Vieles schon frühzeitig ab. Pausen sind nicht mehr vorgesehen.

Und dann sind da noch die drei Nachwuchsspieler Jan Thielmann (17, Vertrag bis 2022), Ismail Jakobs (20, bis 2021) und Noah Katterbach (18, bis 2021), die die seelische Statik der FC-Profielf verändert haben. Allesamt sind sie enorm laufstark, fußballerisch ansprechend und geben damit einer zuvor oft ziemlich emotionslos wirkenden Mannschaft mit bescheidenen Möglichkeiten ein frischeres Gesicht, das die Fans in uferlose Erwartungshaltung versetzt.

Nicht ganz zu Unrecht: Denn vor allem der 18 Jahre alte Katterbach hat eine große Karriere vor sich. Er offenbart Fertigkeiten, die in ähnlichem Alter allenfalls ein Weltklasse-Spieler wie Philipp Lahm darbieten konnte: Stabil, ballfertig, mit Blick für die Spielsituation, dazu technisch beidfüßig und extrem beschlagen. Dazu noch mit ein, zwei kleinen Aussetzern, die das Entwicklungspotenzial eher noch verstärken, ohne aber die Leistung zu schmälern. „Ich staune, wie die Jungs das machen. Das ist schon sehr abgeklärt“, sagte Nebenmann Rafael Czichos.

Mit den jungen Spielern wachsen Werte heran

Und Gisdol mühte sich nach dem Spiel zwischen den Zeilen zu sagen, dass alle Drei nicht als Zwischenlösungen angedacht sind, sondern sich längst fest ins Team gespielt haben. Sport-Geschäftsführer Horst Heldt wird diese mutige Entwicklung freuen: Da wachsen für den FC neben dem Punktekonto im Abstiegskampf noch echte Werte heran – ein Gefühl, das man in Köln eher selten erleben durfte. So schnell wie möglich, so ist im Umfeld zu hören, sollen nun die Verträge mit Jakobs und Katterbach verlängert werden, bei Thielmann ist das gerade erst geschehen.

Bleibt noch die Geschichte zweier AKteure zu erzählen, die Kölns Tendenz der letzten Wochen noch verstärken: John Cordoba und Mark Uth. Beide in der Domstadt lange verkannt, beide mit unterschiedlichen Wegen, beide gegen Wolfsburg gefeiert. Uth bereitete zwei Tore vor, Cordoba traf zweimal (22., 45.) selbst. Cordoba galt einst als Fehleinkauf des ehemaligen Machers Jörg Schmadtke, Uth musste über Jahre viele Umwege gehen, um jetzt wieder – ausgeliehen aus Schalke – in Köln zu landen. „Es war etwas Besonderes für mich hier heute, ich war sofort drin, kenne ja noch einige Spieler“, sagte Uth und verteilte gleich ein Kompliment Cordoba: „Ich habe selten einen Spieler gesehen, der mit seiner Physis so viele Bälle festmacht vorn. Den kann man ja immer anspielen.“ Gisdol sprach von einem „berauschend“ spielenden Cordoba, dessen zwei Toren sich Hector (62.) mit dem dritten bei einem Gegentreffer des Wolfsburgers Renato Steffen (66.) anschloss. „Ich weiß auch nicht, was mit ihm passiert ist. Er war schon immer eine richtige Maschine, aber jetzt ist er noch robuster.“