Fussball: Tim Borowski kehrt zurück

Fussball: Tim Borowski kehrt zurück

In München war der Nationalspieler nur als Teilzeitkraft gefragt. Am Samstag spielt er wieder in der Allianz-Arena. Mit Bremen.

Düsseldorf/München. Es war September, Bayern spielte gegen Bremen, und Tim Borowski schoss zwei Tore. Doch er jubelte nicht. Drehte sich nur um und lief wieder Richtung Mittelkreis. Anstoß, Abpfiff, Aus. Werder feierte die 5:2-Party beim Erzrivalen. Borowski, der Bremer im Bayern-Trikot, war trotz seiner beiden Treffer nur Nebendarsteller.

Im Grunde war er das ein ganzes Jahr lang. Bei seinen 26 Einsätzen in der Bundesliga wurde er 20 Mal eingewechselt. "Ein komisches und kurioses Jahr", nennt Borowski diese Zeit mit dem Aufstieg und Fall des Jürgen Klinsmann, aber auch eine Erfahrung, die er nicht missen möchte. Auch wenn sie sportlich einen Rückschritt bedeutet hat. Stammspieler war er nie, nicht unter Klinsmann, nicht unter Jupp Heynckes.

Nach einem Jahr an der Säbener Straße ist der 29-Jährige kurz vor Saisonbeginn ins heimische Werder-Nest zurückgekehrt, wie schon Torsten Frings und Andreas Herzog, die das halbwegs beschauliche Bremen dem FCHollywood vorgezogen hatten. Er habe auf viel Geld dafür verzichtet, sagt er. "Aber ich wollte zurück zu Werder und wieder spielen." Und sich für die Nationalmannschaft ins Gespräch bringen.

Sein letzter Einsatz im DFB-Trikot liegt schon über ein Jahr zurück. Im EM-Viertelfinale gegen Portugal wurde er in der Schlussphase eingewechselt. Als Kurzarbeiter in München ist er aus dem Blickfeld der Kandidaten für die WM 2010 verschwunden. "Wenn wir mit Werder einen positiven Lauf bekommen und ich einen großen Anteil daran habe, ergeben sich viele Dinge von selbst", sagt Borowski.

Sein Problem: In seiner Spielweise ähnelt er zu sehr Michael Ballack. Auch er hat ein Defizit in Sachen Schnelligkeit, ist technisch beschlagen, spielintelligent, torgefährlich, gilt aber auch als phlegmatisch.

Beim ersten Saisonspiel gegen Frankfurt konnte der Mittelfeldspieler noch keine Werbung in eigener Sache machen. Beim 2:3 zeigte er sich von seiner langsamen und lethargischen Seite. Wieder mal. Auch ein Grund dafür, warum er bei den Bayern nie wirklich ankam.

Ob seine Bremer am Samstag den Vorjahres-Coup wiederholen können? "Alles ist möglich, obwohl es schon ein außergewöhnliches Spiel war", sagt Borowski. Das sieht Werder-Trainer Thomas Schaaf ähnlich: "Es kann nicht schaden zu sagen, Leute, ihr habt das schon mal sehr gut gemacht." Allerdings müsse sich seine Elf im Vergleich zur 2:3-Heimpleite gegen Frankfurt "erheblich steigern".

Schaaf muss erneut seine anfällige Abwehr umbauen. Zwar kehrt Außenverteidiger Sebastian Boenisch ins Team zurück, doch Sebastian Prödl ist gesperrt und die Rückkehr des verletzten Naldo sehr fraglich. "Die Tests haben nicht den erhofften Schritt nach vorn gebracht", sagt Schaaf. Für ihn ist der Finne Petri Pasanen erste Option für den Posten des zweiten Innenverteidigers neben Per Mertesacker.

Auch die Bayern starten nicht in Bestbesetzung: Mark van Bommel (Zehenbruch) und Martin Demichelis (Bänderriss) sind verletzt, Luca Toni befindet sich im Aufbautraining. Christian Lell sitzt eine Rot-Sperre ab.

Der Klassiker in München birgt trotz des frühen Zeitpunkts Brisanz. Schließlich benötigt auch der FC Bayern nach dem Remis in Hoffenheim ein schnelles Erfolgserlebnis. "Wir müssen unbedingt gewinnen, weil wir von Anfang an oben mitspielen wollen", sagt Manager Uli Hoeneß.

Die Erinnerung an das 2:5 im vorigen September spornt die Bayern-Kicker zusätzlich an. Fußballer sprechen dann gerne von einer offenen Rechnung, die es noch zu begleichen gelte.

Auch Tim Borowski kann nicht verhehlen, dass ihn die deutliche Pleite bis heute wurmt: "Oje, es war die bitterste Niederlage überhaupt. Wir sind vorgeführt worden."

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