Fußball-Regionalliga: Die Rückkehr eines Ruhrpott-Mythos’

Fußball-Regionalliga: Die Rückkehr eines Ruhrpott-Mythos’

Rot-Weiss Essen feiert den Regionalliga-Aufstieg. Vor einem Jahr lag der Klub noch am Boden.

Essen. Waldemar Wrobel hatte keine Wahl. Und griff zum Megaphon. Der Trainer von Rot-Weiss forderte am Freitag die berüchtigten RWE-Fans auf, nicht auf den Rasen zu stürmen. Jedenfalls nicht, bevor der Schlusspfiff im traditionsreichen Siegener Leimbach-Stadion bei den Sportfreunden ertönt war. Dann allerdings gab es kein Halten mehr. 4.000 Schlachtenbummler feierten nach dem 2:1 den Aufstieg des Traditionsklubs in die viertklassige Regionalliga West.

„Das ist ein sehr emotionaler Moment. Ich habe immer darauf vertraut, dass die Jungs etwas drauf haben“, sagt Wrobel. Der 41-Jährige hat in Essen für ein kleines Fussball-Wunder gesorgt. Gerade mal zwölf Monate ist es her, da stand RWE vor einem Scherbenhaufen. Der Plan des bereits im September 2009 entlassenen Ex-Nationalspielers Thomas Strunz, den deutschen Meister von 1955 als Manager binnen fünf Jahren zurück in die Zweite Liga zu führen, war grandios gescheitert.

Es fehlte an Sponsoren, um den für Regionalliga-Verhältnisse unverantwortlichen Saison-Etat von 6,8 Millionen zu decken. Der Schuldenberg wuchs auf 19 Millionen Euro, woraufhin der Deutsche Fußball-Bund die Lizenz für die vierte Liga verweigerte. Und als auch die Stadt nicht mehr bereit war, ein weiteres Mal in die Bresche zu springen, war der Absturz in die Fünftklassigkeit unvermeidbar.

Der Verein musste radikal umdenken. Das Duo Waldemar Wrobel (Trainer) und Damian Jamro (Team-Manager) erhielt das Vertrauen. „Wir haben den Etat für die erste Mannschaft auf 640.000 Euro reduziert und den Kader nur mit jungen Talenten besetzt“, sagt Jamro. Nur zwei Spieler blieben aus der Saison 2009/ 2010. Hinzu kamen elf Akteure aus der eigenen U23, zwei aus der U19 und zehn externe Zugänge.

Das Team sorgte für eine Euphorie, die man in Essen nicht mehr für möglich gehalten hatte. Bis sechs Uhr Samstagmorgen wurde an der Hafenstraße gefeiert. „Auferstanden in Ruinen“ stand auf den eilig bedruckten Shirts, womit die Situation im Frühjahr 2011 und das marode Georg-Melches-Stadion gemeint sind.

Beides soll der Vergangenheit angehören, das eine sofort und das andere im nächsten Jahr. „Wir werden den Kader nicht groß verändern. Wir verfügen nicht nicht über das Geld, um Top-Leute zu holen“, sagt Damian Jamro, „einen Rückfall in alte Zeiten darf und wird es nicht mehr geben.

Wenn unser Insolvenzplan im Mai grünes Licht erhält, dann sind wir schuldenfrei und wieder attraktiv für Sponsoren, die dann ab 2012 im neuen Stadion auch die entsprechende Atmosphäre vorfinden, um Geschäftspartner zu begrüßen.“ Zunächst aber begrüßt die Regionalliga zur neuen Saison RWE.

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