Fußball: Chaos-Club Schalke 04

Fußball: Chaos-Club Schalke 04

Nach dem 1:2 gegen den HSV erweckt Königsblau nur noch Mitleid. Fred Rutten hat keine Zukunft mehr.

Gelsenkirchen. Den wohl bemerkenswertesten Aspekt bot der Sonntagnachmittag in Gelsenkirchen bereits vor dem Spiel zwischen dem FCSchalke 04 und dem Hamburger SV, das die Hanseaten verdient mit 2:1 gewannen.

Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies kündigte an, dass bereits in der kommenden Woche die Entscheidung über die Besetzung des freien Managerpostens beim Klub verkündet werde. Vier Kandidaten gebe es nach der Absage von Matthias Sammer noch, sagte der Fleischfabrikant.

Oliver Kahn dürfte weiterhin der Favorit auf die Nachfolge von Andreas Müller sein. Aber auch Felix Magath (VfLWolfsburg) und Heribert Bruchhagen (Eintracht Frankfurt) sind noch in der engeren Wahl. Huub Stevens, der ehemalige Trainer der Schalker, könnte zwar auch noch ein Thema sein. "Mit ihm haben wir aber noch nicht gesprochen", erklärte Tönnies.

Rein sportlich hatten die Westfalen alles andere als positive Meldungen zu verbreiten. Es fehlten wie so häufig der Esprit und die nötige Leidenschaft - im Gegensatz zu den Hamburgern, die trotz ihrer hohen Belastung von elf Partien in 33 Tagen frischer und zielstrebiger wirkten. Mit diesem Erfolg bleibt die Mannschaft von Trainer Martin Jol (48 Punkte) einer der ernsthaftesten Verfolger von Tabellenführer Hertha BSC Berlin (49.).

"Ich hätte nicht erwartet, dass wir das so umsetzen können. Aber unsere Spieler strotzen nur so vor Selbstbewusstsein", sagte HSV-Trainer Martin Jol. Selbst der Ausfall von Angreifer Ivica Olic (Grippe) in der ohnehin stark ersatzgeschwächten Mannschaft hatte keine bemerkbaren Spuren hinterlassen.

Die Mannschaft von Schalkes Trainer Fred Rutten dagegen wirkt von Spiel zu Spiel lebloser. Selbst als Jefferson Farfan zehn Minuten vor dem Ende den Anschlusstreffer erzielte, sorgte das nicht für zusätzliche Motivation. Paolo Guerrero hatte den HSV mit zwei Treffern (71., 75.) in Führung gebracht und die leichte Überlegenheit in einer insgesamt durchschnittlichen Partie in harte Fakten verwandelt.

Symptomatisch das zweite Tor der Hanseaten, bei dem der sonst sichere Schalker Torhüter Manuel Neuer ("Ich nehme das Tor auf meine Kappe") mit einem verunglückten Rettungsversuch per Kopf die Vorarbeit leistete.

"Ich mache mir auch meine Gedanken, wie es weitergeht. Ich arbeite nur von Woche zu Woche", sagte Trainer Fred Rutten sichtlich desillusioniert. "Die Mannschaft hatte einfach kein Selbstbewusstsein. Das auf die Gesamtsituation bei Schalke zu schieben, wäre mir aber zu einfach", sagte er.

Ob der Holländer allerdings noch lange Gelegenheit erhält, Verbesserungen vorzunehmen, ist fraglich. Die Zeichen stehen auf Trennung - nicht zuletzt durch das Eingeständnis Ruttens, dass "es sehr schwer wird, den internationalen Wettbewerb noch zu erreichen".

Die 61.000 Zuschauer in der Schalker Arena machten sich nach dieser desolaten Leistung der Schalker nicht einmal mehr die Mühe, ihren Unmut mit Pfiffen kundzutun. "Vielleicht tut es den Spielern ganz gut, bei ihren Nationalmannschaften noch einmal auf andere Gedanken zu kommen", sagte Rutten noch. Ob er deren Wiederkehr allerdings noch als Trainer des FC Schalke 04 erleben wird, bezweifeln viele bereits.

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