Krefeld Pinguine: Warum die Fans bei den Krefeld Pinguinen wegbleiben

Krefeld Pinguine: Warum die Fans bei den Krefeld Pinguinen wegbleiben

Die Pinguine sind das schlechteste Heimteam der Liga in den vergangenen drei Jahren — eine Bilanz des Misserfolges.

Matthias Roos schaut ernsten Blickes auf die Grafik, dann sagt er: „Das überrascht mich nicht.“ Die Krefeld Pinguine sind Tabellenletzter. Es ist die Aufstellung der Heimtabelle aller DEL-Clubs seit der Saison 2015/16 — also seit gut zweieinhalb Jahre. Und viel lässt sich an diesem Umstand auch nicht mehr reparieren — wie auch, bei mit dem heutigen Spiel im Kellerduell gegen den Tabellenletzten aus Straubing nur noch weiteren sechs Heimspielen. Roos sagt ohne Umschweife: „Die Tabelle lügt jetzt nicht mehr.“ Und meint damit die der aktuellen Spielzeit nach 38 Spielen für die Pinguine und eben jene, die er gerade zum ersten Mal gesehen hat. Als er dann auch die Tabelle über die Zuschauerzahlen sieht, liegt der Zusammenhang, den jeder erahnt und mutmaßlich weiß, jetzt angefüttert mit harten Zahlen und Fakten wie ein offenes Buch vor dem Sportdirektor — Erfolg lockt Zuschauer, Misserfolg kostet Zuschauer.

Foto: Archiv Dirk Jochmann

Die Abwärtsentwicklung lässt sich mit der Heimtabelle der letzten Jahre belegen. Spielen die Pinguine um die Play-offs mit, können sie einen Zuschauerschnitt von 5 000 plus erreichen. Erfolg macht eben sexy. An solchen Zahlen wieder einmal zu schnuppern, würde angesichts des verspielten Kredits bei Fans und Sponsoren mindestens zwei Jahre benötigen. Man darf das auch so ausdrücken — den Fans wurde und wird mehr zugemutet, als es für ein gutes Miteinander verträglich ist. Der ein oder andere wird aus Selbstschutz kaum mehr ins Stadion gehen, der Kern der ewig Treuen hat sich bei rund 2 500 eingependelt. Die Frustration ist spürbar, Anteil daran haben auch solche Spiele wie das am Tag vor Silvester gegen Iserlohn.

Foto: Archiv Dirk Jochmann

6 345 Zuschauer waren gekommen. Saisonrekord gegen Iserlohn. Das sagt eigentlich schon alles, auch wenn die mitgereisten rund 900 Sauerländer dafür gesorgt haben. Denn gegen Köln waren nur knapp über 6000 im Stadion. Selbst die Derbys sind kein Magnet mehr. Gegen Düsseldorf war das zweite Spiel an einem Dienstag, gegen Köln das zweite Spiel am Freitag der gleichen Woche wie das DEG-Spiel.

Foto: Archiv Dirk Jochmann

Weniger Zuschauer heißt aber vor allem auch weniger Geld in der Kasse. Vergleicht man den Zuschauerschnitt aus der Saison 2013/14 mit dem aus der aktuellen Spielzeit, kommen rund 1 500 Zuschauer pro Spiel weniger. Das macht hochgerechnet auf 26 Heimspiele rund 40 000 Zuschauer in dieser Spielzeit weniger. Dieser Wert multipliziert mit einem Durchschnittspreis von rund 20 Euro pro Zuschauer macht eine Differenz von etwa 800 000 Euro über fünf Spielzeit. Aktuell liegen die Pinguine auch rund 180 000 Euro unter der Marke, die sie glaubten, an Gelder über Zuschauereinnahmen in die Kasse zu bekommen.

Foto: Archiv Dirk Jochmann

Ein Grund für den sportlichen Misserfolg ist vor allem die verfehlte Kaderplanung — und das seit rund vier Spielzeiten. Aus unterschiedlichsten Gründen. Der Fehlgriff bei den Lizenzspieler ist augenfällig und eklatant. Manavian, Vainonen, Kristiansen und Trettenes sind die aktuellen Beispiele. Interessanterweise sind die beiden Nachverpflichtungen Nordlund und Caron Volltreffer. Das Argument, sie im Sommer nicht zu den später verpflichteten Preisen zu bekommen, ist fragwürdig. Denn permanentes Nachrüsten macht das Ganze nicht besser. Auch wenn in dieser Spielzeit aufgrund der Verletzungsmisere eine besondere Situation zugrunde zu legen ist. Aber — das war eben auch nur in dieser Spielzeit der Fall.