1. Sport
  2. Eishockey
  3. Krefeld Pinguine

Pinguine: Pietta will Verantwortung tragen - das Interview in voller Länge

Pinguine: Pietta will Verantwortung tragen - das Interview in voller Länge

Der 26-Jährige möchte als Ersatzkapitän den Vasiljevs-Ausfall vergessen machen.

Krefeld. Seit 2003 steht Daniel Pietta bei den Krefeld Pinguinen unter Vertrag und ist damit neben Boris Blank und Herberts Vasiljevs dienstältester Spieler im Kader. Im WZ-Interview spricht der 26 Jahre alte Nationalspieler über die neue Saison, den Vasiljevs-Ausfall und die neuen Spieler.

Sechs Wochen Vorbereitung liegen hinter Ihnen und der Mannschaft. Wie zufrieden sind Sie mit dem Verlauf?

Daniel Pietta: Die Stimmung in der Mannschaft ist trotz der bis zu neun Ausfälle sehr gut. Wir sind etwas schwer in die Vorbereitung gestartet. Nach den ersten drei nicht so guten Spielen haben wir uns gesteigert, vier Duelle in Folge gewonnen. Am vergangenen Wochenende in Bremerhaven (zwei Niederlagen, d.Red.) waren wir gedanklich beim Spiel gegen Düsseldorf. Insgesamt haben wir eine gute Vorbereitung gespielt, auch ohne die verletzten Spieler. Wir sind gut gerüstet.

Nach den Niederlagen in Bremerhaven haben Sie von fehlender Einstellung gesprochen. Wie wichtig ist Einsatz und Kampf für die Pinguine?

Pietta: Du must in jedem Spiel bereit sein, genauso viel Einsatz zu zeigen wie der Gegner, sonst hat man in jedem Spiel ein Problem. Das betrifft nicht nur uns, sondern jede Mannschaft in der Liga oder einer Weltmeisterschaft. Wenn wir in jedem Spiel bereit sind, 100 Prozent zu geben, hat jeder Gegner es schwer, uns zu schlagen.

Ist Herberts Vasiljevs überhaupt zu ersetzen?

Pietta: Einer alleine wird Herbie nicht ersetzen können. Spielerisch und von den Führungsqualitäten her ist Herbie schwer zu kompensieren, zumindest für einen Verein wie den Pinguinen, der nicht über die finanziellen Mittel verfügt, einen gleichwertigen Ersatz zu holen. Die ganze Mannschaft ist jetzt gefordert. Jeder muss einen Schritt mehr machen, jeder sich die Verantwortung zutraut und auch übernimmt. Ich glaube, wir haben eine gute Mannschaft mit viel Tiefe und Qualität. Über die mannschaftliche Geschlossenheit sollte es für die Zeit, in der er nicht zur Verfügung steht, möglich sein.

Sie sind neben Boris Blank der dienstälteste Spieler im Kader. Wie sehr sind Sie nun selber in der Verantwortung, Führungsaufgaben zu übernehmen?

Pietta: Natürlich will ich meinen Teil dazu beitragen, dass die Mannschaft erfolgreich ist. Wenn mir außerhalb vom Eis Aufgaben zugeteilt werden, werde ich da auch nicht nein sagen. Ich denke, wir haben eine Mannschaft, in der jeder Verantwortung übernehmen kann und auch will. Es wird sich daher nicht auf mich alleine oder die älteren übertragen.

Wer wird Herberts Vasiljevs als Kapitän vertreten?

Pietta: Josh Meyers macht den Kapitän, fünf bis sechs Spieler werden als Assistenten rotieren. Dazu gehören neben mir Boris Blank, Mark Voakes, Mitja Robar und Francois Methot. Aber wir sind keine Mannschaft, in der nur diese Spieler etwas zu sagen hätten. Jeder kann etwas sagen.

Waren Sie überrascht, dass Sie nicht Kapitän werden? Sie haben fast in der gesamten Vorbereitung das C auf der Brust getragen.

Pietta: Ich hätte es gerne übernommen. Aber es ist auch egal, ob ich es bin oder jemand anderes. Ich versuche, trotzdem meinen Job zu machen. Ob ich jetzt das C auf der Brust habe, das A (für Assistant, also Vertreter, d. Red.) oder gar nichts. Fest steht, dass Herbie wieder Kapitän wird, wenn er zurückkehrt.

Mit Scott Langkow, Richard Pavlikovsky und Dusan Milo haben drei ältere Spieler den Verein verlassen, die Zugänge Lukas Lang, Istvan Sofron, David Fischer, Nick St. Pierre und Oliver Mebus sind alle unter 30. Ist dieser Umbruch nicht zu gewagt?

Pietta: Es tut immer gut, wenn man eine gezielten Umbruch hat, frische Leute dazu bekommt, die neuen Wind in die Mannschaft bringen und den Konkurrenzkampf fördern. Es ist gut, dass der Altersschnitt gesenkt wurde. Auch wenn die drei Abgänge über Jahre ihre Leistung gebracht haben und verdiente Spieler waren, muss man irgendwann einen Cut machen und versuchen, die Mannschaft neu auszurichten und zu verändern. Das haben wir, glaube ich, in diesem Jahr gut hinbekommen.

Können Sie einige Sätze zu jedem neuen Spieler sagen?

Pietta: Von Lukas Lang werden die Fans erwarten, dass er genauso spektakulär und gut hält wie sein Vater Karel. Man muss abwarten, wie er diesen Druck aushält. Er ist ein guter Torwart, der seine Einsatzzeiten bekommen wird und sich mit Tomas Duba zu Höchstleistungen pushen wird. Auch wenn Tomas wohl erst einmal die Nummer 1 sein wird, es kann viel passieren im Laufe einer Saison, zum Beispiel Verletzung oder Formtief.
David Fischer ist aus der 2. Liga (Heilbronn, d. Red.) gekommen. Er hat in der Vorbereitung richtig gut gespielt, das hat nicht jeder so erwartet. Alles, was er gemacht hat, hatte Hand und Fuß. In der DEL herrscht ein anderes Tempo als in der Vorbereitung. Ich bin guter Dinge, dass er damit zurecht kommt.
Nick St. Pierre ist ein eher ruhigerer Verteidiger, der einen guten ersten Pass hat, Offensivspieler füttern kann und defensiv solide ist. Er wird uns viel Spaß bereiten und die Lücken, die durch den Abgang Richard Pavlikovsky und Dusan Milo entstanden sind, füllen kann.
Oliver Mebus fällt alleine durch seine Größe von 2,06 Meter auf. Man sollte ihm Zeit geben, sich an das Niveau zu gewönnen. Er hat in der vergangenen Saison überwiegend in Duisburg gespielt. Er muss noch spielerisch Erfahrung sammeln. Istvan Sofron ist ein schneller Schlittschuhläufer mit gutem Schuss, spielt aggressiv und hat Zug zum Tor, was uns in der vergangenen Saison ein wenig gefehlt hat. Er kommt aus der österreichischen Liga, dürfte wenig Probleme haben, sich in der DEL einzugewöhnen.

Ist die Mannschaft stärker besetzt als zu Beginn der vergangenen Saison?

Pietta: Ja, das glaube ich. Die Tiefe im Kader ist auf jeden Fall größer als vor einem Jahr. Damals hatten wir neun gestandene Stürmer plus drei Nachwuchsspieler. Diesmal haben wir 13, 14 davon. Dazu acht Verteidiger. Auch Qualitativ dürfte der Kader besser sein als 2012. Wenn alle fit sind, haben wir drei Reihen, in der jeder Tore erzielen kann. Die vierte fällt auch nicht sehr stark ab. Wir sind gut gerüstet, auch um die Verletzungen aufzufangen.

Trainer Rick Adduono geht in sein fünftes Jahr in Krefeld. Nutzen sich einige Dinge in so einer Zeit nicht ab?

Pietta: Bis jetzt hat sich noch kaum etwas abgenutzt, sonst wären wir in der vergangenen Saison auch nicht ins Halbfinale gekommen. Weil immer neue Spieler hinzu kommen, glaube ich auch nicht, dass sich seine Art so abnutzt, dass der Trainer Schuld wäre, wenn wir verlieren. Er spricht im Training und bei den Spielen die richtigen Sachen an.

Auf eine guten Saison folgte in den vergangenen Jahren oft eine schlechtere. Droht demnach wieder wieder eine weniger erfolgreiche Saison?

Pietta: Wir gucken weder auf den Halbfinaleinzug im vergangenen Jahr noch auf Platz 12 vor zwei Jahren. Es hatte immer Gründe, warum wir es nicht in die Play-offs geschafft haben. Ich glaube, wir haben eine gute Chance, diesen Zwei-Jahres-Rhythmus zu durchbrechen. Die Qualität in der Mannschaft ist da.

Wie wichtig sind für Sie die Auftritte mit der Nationalmannschaft?

Pietta: Die Nationalmannschaft ist auf jeden Fall wichtig. Aber Einsätze wiederholen sich nur, wenn die Leistung im Verein stimmt. Ich habe zwei WM gespielt. Jeder Einsatz bringt Erfahrung.

Sie sind seit 2003 im Verein. Warum haben Sie sich entschieden, andere Angebote auszuschlagen?

Pietta: Krefeld ist einfach familiär. Es gibt viele Beispiele von Spieler, die viele Jahre dem Verein die Treue gehalten haben. Pavlikovsky, Milo, Langkow, Vasiljevs, Blank. Sie schätzen das familiäre Umfeld, in dem jeder jeden kennt. So viele Probleme, von denen man oft liest, gibt es gar nicht. Sonst wären die genannten Spieler nicht so lange hier geblieben. Natürlich verfügen große Vereine wie München, Berlin, Mannheim oder Hamburg über Geschäftsstellen mit zehn oder mehr Festangestellten, hier sind es fünf. Aber das ist nunmal eine Geldfrage. Dafür ist das Vertrauen hier groß, daher ist das für mich nicht schlechter. Zudem gilt für mich persönlich: Meine Eltern und Freunde kommen aus Krefeld. Ich war immer zufrieden hier. Ich habe meistens viel gespielt.

Was erwarten Sie von den ersten beiden Gegnern Düsseldorfer EG und Schwenningen?

Pietta: Beide Gegner werden uns jedenfalls alles abverlangen. Beide kommen über das geradlinige Spiel, fahren zum Beispiel Checks zuende. Wir müssen bereit sein gegenzuhalten. Dann haben wir eine super Chance die drei Punkte zu bekommen. Die Halle wird voll sein, wir sollten alles daran setzen, die Fans glücklich zu machen — und uns Spieler selber auch. In Schwenningen wird nicht weniger schwer. Es ist das erste Heimspiel nach zehn Jahren DEL-Abstinenz. Uns erwartet ein Hexenkessel, ähnlich wie jedes Jahr in Straubing oder Augsburg, wo wir uns immer schwer getan haben. Auch Schwenningen werden wir "nicht mal eben" schlagen.

Was ist Ihr Saisonziel?

Pietta: Die Play-offs, egal über welchen Platz. Dann fängt quasi eine neue Saison an, vor allem in diesem Jahr mit den Best-of-Seven-Serien auch im Halbfinale und Finale (bisher Best-of-Five, d. Red.). Denn jetzt setzt sich auf jeden Fall auch die bessere Mannschaft durch, es ist kein Zufallsprodukt mehr, eine Runde weiterzukommen. Wir haben eine sehr gute Chance, in die Play-offs zu kommen, egal wie viele Verletzte wir haben werden.

Wer ist für Sie Meisterschaftsfavorit?

Pietta: Die Kölner Haie. Sie haben nahezu die gesamte Mannschaft gehalten und sich punktuell sehr gut verstärkt.