Pinguine-Macher im Interview: „Wir brauchen 2,5 Millionen zusätzlich“

Krefeld Pinguine : „Pinguine brauchen 2,5 Millionen Euro zusätzlich“

Gesellschafter Wolfgang Schulz und Geschäftsführer Matthias Roos sprechen vor dem DEL-Start im WZ-Interview über Probleme und Ziele der Krefeld Pinguine.

Die neue Spielzeit in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) steht vor der Tür. Nach vier Jahren ohne Play-offs „sind wir einfach mal wieder an der Reihe“ findet Wolfgang Schulz. Gemeinsam mit Geschäftsführer Matthias Roos traf sich der Aufsichtsratsvorsitzende mit unserer Redaktion zum Interview.

Herr Schulz, wenn man sich in diesen Tagen mit Spielern, Trainern und auch dem Geschäftsführer unterhält, hat man den Eindruck, es herrscht ein Stück weit Euphorie an der Westparkstraße. Ist das nur die Vorfreude auf die neue Saison oder steckt da mehr dahinter?

Wolfgang Schulz: Ich denke, dass das nicht bloß die Vorfreude auf den Start ist. Das ist ein Zeichen der guten Arbeit, die hier geleistet worden ist. Ich denke, dass Herr Roos eine Mannschaft zusammengestellt hat, die in diesem Jahr mehr erreichen kann, als in den vergangenen Jahren. Wenn man dieses Gefühl hat, freut man sich natürlich.

Gibt es noch weitere Gründe, warum die Pinguine zuversichtlich in die neue Saison blicken können?

Matthias Roos: Es kommen immer viele Faktoren zusammen. Wir haben einfach Ruhe reingebracht. Das hat mit dem neuen Mietvertrag mit der Seidenweberhaus GmbH angefangen. Unser Trainerteam war in der vergangenen Saison noch neu, ebenso ihre Spielidee. Auch abseits des Eises haben wir uns weiterentwickelt, beispielsweise in Trainingsfragen. Da sind schon viele positive Dinge und deshalb sind wir auch weiter als im vergangenen Jahr.

Was sind die weiteren Faktoren für eine erfolgreiche Saison?

Roos: Wir müssen einfach die kleinen Dinge besser machen als andere. Harte Arbeit steht an erster Stelle.

Ist der Pinguine-Kader der beste seit etlichen Jahren?

Schulz: Ich würde sagen, es ist die beste Krefelder Mannschaft der vergangenen fünf Jahre. Namen, Tiefe – wir haben jetzt bestimmt drei Reihen die punkten können.

Worauf haben Sie bei den Neuen geachtet?

Roos: Wir wollten mehr Führungsqualität dazuholen, zudem wollten wir auf der Mittelstürmerposition mehr Qualität und Quantität. Jetzt haben wir deutlich mehr Möglichkeiten.

Die Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen, hilft vor allem denen, die schon lange vorangehen bei den Pinguinen.

Roos: Ja, es macht es beispielsweise einem Daniel Pietta einfacher, der oft das Gefühl hatte, viel bleibt an ihm hängen. Da sind wir jetzt sicherlich breiter und besser aufgestellt.

Schulz: Was man in diesem Zusammenhang noch sagen muss, ich glaube, wir haben jetzt mit Jussi Rynnäs auf der Torhüterposition wieder Klasse, die ich seit Scott Langkow vermisst habe.

Wie schaffen es die chronisch klammen Pinguine finanziell, Leute wie Laurin Braun oder Kai Hospelt nach Krefeld zu lotsen?

Roos: Positiv ist natürlich die Tatsache, dass wir durch den neuen Mietvertrag eine frühzeitige Perspektive aufzeigen konnten. Dementsprechend früh konnten wir auch an die Spieler herantreten, die wir haben wollten. Laurin Braun haben wir klar gesagt, dass er bei uns nach dem schlechten Jahr in Ingolstadt einen Neustart schaffen kann.

In der Mannschaft jetzt steckt nicht mehr Geld als im Team des Vorjahres?

Schulz: Sagen wir es mal so, die Mannschaft ist nicht signifikant teurer.

Roos: Wir sind in unserem Gehaltsgefüge geblieben. Laurin Braun, Jeremy Welsh, Mark Cundari, Justin Hodgman und Jussi Rynnäs – alle diese Spieler haben vorher mehr Geld verdient.

Glauben Sie, in dieser Saison personell ein Gerüst für die Zukunft bilden zu können?

Roos: Spieler wie Torsten Ankert und Kai Hospelt haben ihren Lebensmittelpunkt weiterhin in Köln, können aber bei uns spielen und bilden sogar eine Fahrgemeinschaft. Dazu kommen unsere jungen Spieler, die wir sukzessive integrieren wollen. Daraus könnte sicherlich etwas entstehen. Für viele Spieler sind die Pinguine eine Saison lang aber auch eine Möglichkeit, sich für höher dotierte Verträge bei anderen Vereinen zu empfehlen. Das gehört auch zur Wahrheit. Dann geht es um Summen, bei denen wir nicht mehr mithalten können.

Wird es finanziell immer schwierig sein bei den Pinguinen?

Schulz: Wir haben in Krefeld weiterhin die Problematik, dass sich die großen Unternehmen, damit meine ich nicht die städtischen Töchter, im Eishockeysport nicht engagieren. In Schwenningen, Straubing, Augsburg sieht das ganz anders aus. Das führt dazu, dass beispielsweise Schwenningen durch die Unterstützung der dortigen Wirtschaft einen deutlich höheren Etat hat als wir.

Roos: Bremerhaven und Krefeld gehören mit Abstand zu den beiden Vereinen mit dem kleinsten Etat. Alle weiteren DEL-Teams haben keinen Etat unter sechs Millionen Euro. Wenn wir mittelfristig eine Chance haben wollen, brauchen wir 2,5 Millionen Euro zusätzlich. Ohne das Geld von Herrn Schulz wären wir aktuell ein DEL 2-Standort.

Kann das Geld von Mikhail Ponomarev helfen?

Roos: Auf Herrn Schulz kann ich mich immer verlassen, da ist das Vertrauen da. Herr Ponomarev ist keine große Hilfe.

Schulz: Meiner Meinung nach hat Herr Ponomarev mit dem KFC genug zu tun. Er ist für mich bei den Pinguinen aber Anteilseigner mit Rechten und Pflichten.

Kommt Herr Ponomarev seinen Pflichten denn nach?

Schulz: Dazu möchte ich mich aktuell nicht äußern.

Wird Herr Ponomarev denn am Sonntag zum Heimspielauftakt gegen Augsburg kommen?

Roos: Das wissen wir nicht.

Herr Schulz, wie lange wird es Eishockey mit Ihnen in Krefeld noch geben?

Schulz: 25 Jahre sind eine verdammt lange Zeit. Ich habe nach der Unterzeichnung des neuen Mietvertrags gesagt, dass ich noch drei Jahre weitermache. Das bedeutet bis Ende der Saison 2020/21. Danach muss etwas passieren.

Zwei Jahre also noch, die trotz der Umstände möglichst erfolgreich verlaufen sollen. Warum klappt es dieses Jahr endlich mit den Play-offs?

Roos: Weil wir hoffentlich vom Verletzungspech verschont bleiben und genügend Qualität im Kader haben, um zwischen Platz acht und zehn mitspielen.

Schulz: Ich stimme dem voll zu. Ich bin aber einfach der Auffassung, dass wir an der Reihe sind. Es wird verdammt noch mal Zeit, dass wir es schaffen. Ich bin überzeugt davon, dass wir es dieses Jahr schaffen werden.

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