Krefeld Pinguine: Pinguine-Chef Schulz: „Wir haben zu wenig Nein gesagt!“

Krefeld Pinguine : Pinguine-Chef Schulz: „Wir haben zu wenig Nein gesagt!“

Der Krefeld-Pinguine-Chef spricht im WZ-Interview über eigene Fehler, charakterschwache Spieler, den gescheiterten Ex-Trainer Franz Fritzmeier und die Aufkündigung der Kooperation mit der eigenen Jugendabteilung.

Krefeld. Vor einem Monat titelte die WZ „Die letzte Saison der Pinguine“, berichtete über auslaufende Verträge, das drohende Aus nach der kommenden Spielzeit, verzweifelte Fans, die das Sponsoring selbst in die Hand nehmen wollten, Fehler der Clubführung und deren ehernes Bekenntnis zur Zukunft. Vier Wochen später gibt es immer noch keine Garantie für Krefelder Profi-Eishockey. Aber einen Club-Patriarchen Wolfgang Schulz, der sich leidenschaftlich wehrt.

Herr Schulz, jetzt mal Tacheles: Ist in Krefeld nach der nächsten Saison Schluss?

Wolfgang Schulz: Nein.

Also haben sie endlich einen neuen Sponsor gefunden oder sich selbst entschlossen, weiterzumachen.

Schulz: Natürlich würde ich lieber einen anderen Sponsor finden und ich warte auch drauf, bislang tut sich nichts. Aber ich werde den Club nicht im Stich lassen und mache weiter, wenn wir jetzt die passenden Rahmenbedingungen hinbekommen.

Die da wären?

Schulz: Wir verhandeln mit der Seidenweberhaus GmbH über eine Verlängerung im Köpa über 2018 hinaus. Die Konditionen müssen für uns deutlich besser werden, sonst funktioniert das nicht. Und unser Geschäftsführer muss jetzt massiv neue Sponsoren finden, die den Eishockeystandort Krefeld auf ein breiteres Fundament stellen. Außerdem muss es Rick Adduono und Matthias Roos gelingen, die Stecknadel im Heuhaufen zu finden. Spieler, mit denen wir die Play-offs erreichen können.

Jetzt legen Sie den Puck ausschließlich in die Spielfelder von anderen.

Schulz: Das sind für mich die Bedingungen.

Hilft es, den Druck auf Karsten Krippner derart zu erhöhen?

Schulz: Es ist sein Job. Dabei helfen könnte ja nicht zuletzt Telekom-TV. Da unsere Spiele jetzt im Fernsehen zu sehen sind, könnte das die Attraktivität für Geldgeber deutlich steigern. Es gibt ja auch einige Neuansiedlungen, etwa in Fichtenhain. Das Potenzial ist da.

Also doch aktiv suchen und nicht warten, bis ein Sponsor auf die Pinguine zukommt?

Schulz: Ich weiß nicht, wie Sie darauf kommen, das haben wir ohnehin nie gemacht.

Zurück nach Krefeld. Die WZ hat Ihnen Fehler vorgeworfen, etwa bei der Demission von Trainer Fritzmeier. Ist Adduono nicht eine Rückwärtsentwicklung?

Schulz: Wir haben den Fehler gemacht, zu wenig ,Nein’ zu sagen, als hier der teuerste Kader seit vielen Jahren zusammengestellt wurde. Einer, der dann charakterlich und sportlich nicht funktionierte. Das grenzte am Ende an Arbeitsverweigerung und Fritzmeier ist mit dem Team nicht klar gekommen und gescheitert. Wir haben uns da von einer Messias-Stimmung blenden lassen Ende der Vorsaison. Adduono ist einer der besten Trainer der DEL, und er steht noch unter Vertrag.

Und er soll unter diesen Bedingungen ein Team zusammenstellen, das die Play-offs erreicht. Geht’s nicht erstmal ums Überleben?

Schulz: Wir brauchen vor allem eines, das sich zerreißt. Das wollen die großartigen Fans sehen, die wir zu oft enttäuscht haben zuletzt. Und dann ist die Bude auch wieder voll bei Heimspielen.

Ein anderer Vertrag ist aufgekündigt, nämlich die Kooperation mit der Jugendabteilung KEV `81. Wenn der bis Ende Mai nicht aufgelegt ist, gibt’s schon jetzt keine Lizenz mehr. Es soll um 80 000 Euro gehen, die Sie nicht mehr überwiesen haben.

Schulz: Der KEV `81 hat gekündigt, und das ist gut so, sonst hätten wir es gemacht. Dieser Vertrag ist sieben Jahre alt und nicht mehr zeitgemäß, auch da werden zeitnah Gespräche laufen. Der KEV `81 bekommt von uns jährlich 60 000 Euro plus 46 000 für den Trainer. Die Liga zahlte zudem 80 000, das Geld kann nicht auch noch dorthin fließen.

Ihre Firma ist seit dem 15. Februar verkauft an den Investmentriesen PCC. Wäre auch ein schöner Schriftzug auf einem Pinguin-Trikot, oder?

Schulz: Sicher wäre dies ein schöner Schriftzug, steht aber nicht zur Debatte.