Krefeld Pinguine: So will der Verein die Krise meistern

Eishockey : So wollen die Krefeld Pinguine die Krise meistern

Neue Geldgeber sollen den Streit der Gesellschafter bei dem Eishockey-Klub auflösen.

Die Zukunft der Krefeld Pinguine hängt nach Aussage von Geschäftsführer Matthias Roos weiter am seidenen Faden. Zwar gebe es Interessenten, die die Anteile der derzeitigen Hauptgesellschafter Wolfgang Schulz und Mikhail Ponomarev am Eishockeyclub der DEL übernehmen wollen, jedoch sei man von einer Einigung noch weit entfernt. Spätestens nach dem Deutschland-Cup Anfang November will Roos Ergebnisse präsentieren.

Der DEL-Club ist in finanzielle Schieflage geraten. Nach Aussage von Matthias Roos, weil Ponomarev, vor 14 Monaten als neuer Gesellschafter vorgestellt, seinen Verpflichtungen nicht nachkommt. Der russische Investor weist die Vorwürfe zurück, spricht seinerseits davon, dass die Pinguine ihn und die DEL mit falschen Bilanzzahlen bewusst getäuscht hätten und er deshalb nicht bereit sei, an dem Verein zu partizipieren. Unsere Zeitung erklärt das Gesellschafter-Modell der Pinguine und gibt einen Überblick über mögliche Szenarien für die Zukunft.

Die Krefeld Pinguine GmbH

Die KEV Pinguine Eishockey GmbH entstand 1995 aus dem Krefelder Eislauf Verein (KEV) und umfasst lediglich das Profi-Team samt Geschäftsstelle. Die Jugendabteilung spielt unter dem Namen KEV. Zum Start der GmbH im Jahre 1994 betrug das Stammkapital rund 751 000 DM. Gründungsmitglieder waren unter anderem Wilfried Fabel, Helmut Borgmann, Dieter Berten und Wolfgang Schulz. Letzterer ist seit Jahren der wichtigste Geldgeber der Pinguine. Schulz hatte seinen Ausstieg spätestens zum Ende der Saison 2020/21 angekündigt und will daran auch festhalten. Schulz und Berten stockten ihre Anteile an der GmbH in den vergangenen Jahren deutlich auf und sind Hauptanteilseigner. Nach der Erhöhung im Jahr 2015 beträgt das Kapital aktuell 750 000 Euro.

Die Besitzverhältnisse

Wolfgang Schulz hält 48 Prozent der Anteile an der Krefeld Pinguine GmbH, Dieter Berten 46 Prozent, die seit Januar 2019 im Besitz von Mikhail Ponomarev sind, der eine entsprechende Vereinbarung in Form eines „Letter of Intent“ unterschrieb. Die verbleibenden Anteile sind auf weitere Gesellschafter aufgeteilt (u.a. Helmut Borgmann, Ursula Fabel, Pinguine Supporters). Ein weiterer Verkauf von Anteilen kann nach Aussage von Geschäftsführer Matthias Roos nur mit Zustimmung der weiteren Gesellschafter erfolgen.

Die Schulden

Laut Matthias Roos soll sich das aktuelle Finanzloch der Krefeld Pinguine auf etwa eine Million Euro belaufen. Geld, das laut dem Geschäftsführer für die Spielzeiten 2018/19 und 2019/20 von Mikhail Ponomarev zugesagt war. Hauptanteilseigner Wolfgang Schulz ist nicht bereit, das fehlende Geld zu ersetzen. Laut Ponomarev ist das aktuelle Loch deutlich größer und vom Verein selbst verschuldet. Offiziell sagt der russische Geschäftsmann: „Kein Kommentar zur aktuellen Situation bei den Pinguinen.“ Das Tischtuch ist zerschnitten. Kommuniziert wird zwischen dem Verein und dem russischen Anteilseigner seit Anfang September gar nicht mehr. Damals hatte Ponomarev den Pinguinen nach Informationen unserer Zeitung ein Angebot gemacht, um die aktuellen finanziellen Streitigkeiten beizulegen. Der Verein soll das Angebot abgelehnt haben. Was folgte, war die öffentliche Aufforderung des Clubs an Ponomarev, seinen finanziellen Forderungen nachzukommen. Doch Ponomarev sieht sich im Recht, scheint auch eine gerichtliche Auseinandersetzung nicht zu scheuen.

Wie geht es weiter?

Aktuell verhandeln die Pinguine mit potenziellen Geldgebern, die sowohl die Anteile von Ponomarev als auch von Schulz übernehmen und den DEL-Club in die Zukunft führen könnten. Immer wieder in Verbindung gebracht wird mit dem Verein ein Dreigestirn aus Krefeld. Fressnapf-Chef Torsten Toeller, Unternehmer Gerald Wagener und Ex-Eishockeyprofi Christian Ehrhoff. Ob einer der möglichen Kandidaten derzeit mit den Pinguinen am Verhandlungstisch sitzt? „Die Interessenten haben um absolutes Stillschweigen gebeten“, sagt Roos. In der kommenden Woche will der Geschäftsführer zur Gesellschafterversammlung einladen. Auf der Tagesordnung: die Zukunft der Pinguine.