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Krefeld Pinguine: Sergei Belov will „einfach nur spielen“

DEL : Krefeld Pinguine: Sergei Belov will „einfach nur spielen“

Mehr als ein Jahr lang hatte Sergei Belov kein Spiel als Eishockeytorwart bestritten. Jetzt geht er als Nummer eins in die Saison bei den Krefeld Pinguinen.

Sergei Belov kennt die Deutsche Eishockey Liga besser als man meinen würde. „Mein Onkel wohnt in der Nähe von Düsseldorf“, verrät der neue Torwart der Krefeld Pinguine im Interview mit unserer Redaktion. Der russische Schlussmann erhält in Krefeld eine neue Chance. Monatelange konnte er aufgrund einer nicht näher definierten Verletzung nicht trainieren. Jetzt heißt sein Motto: „Ich will einfach nur spielen.“

Herr Belov, wie sehr schmerzt der Körper, wenn man über ein Jahr lang nicht auf dem Eis gestanden hat und jetzt wieder als Torwart gefordert ist?

Sergei Belov: Es ist gar nicht so sehr der Körper, der das verarbeiten muss. Es ist viel mehr der Kopf. Nach dem ersten Spiel für die Pinguine gegen Wolfsburg konnte ich bis 4 Uhr morgens nicht schlafen, so froh war ich, endlich wieder Eishockey spielen zu können.

Die Situation zum Einstand war ein bisschen kurios. Der Großteil der Mannschaft wollte wegen internen Streitigkeiten nicht aufs Eis. Sie haben sich aber warmschießen lassen. Wie war das für Sie?

Belov: Solche Sachen kommen vor. Ich als Torwart muss aber warm sein, wenn ich in ein Spiel gehe, denn ich bin der Rückhalt der Mannschaft. Das Team muss sich auf mich verlassen können. Ich war ziemlich nervös vor dem ersten Spiel und musste mich erstmal an das Tempo hier gewöhnen.

Sehen Sie sich als Nummer eins?

Belov: Ich sehe es so, dass jeder von uns Torhütern seine Leistung immer wieder aufs neue im Training und in den Spielen beweisen muss. Marvin Cüpper ist ein guter Torwart. Wir wollen beide für das Team das beste geben. Es wird vor jedem Spiel neu entschieden, wer im Tor stehen wird. Am Ende entscheidet immer das Trainerteam.

Warum haben Sie zuletzt über ein Jahr lang kein Eishockey gespielt?

Belov: Ich war verletzt, die Ärzte haben lange Zeit nicht gewusst, was es sein könnte. Ich habe viele falsche Diagnosen erhalten. Ich will nicht sagen, was ich genau hatte. Als ich wieder spielen konnte, habe ich keinen Platz mehr in einem Team in Russland bekommen. Jetzt ist wieder alles ok.

Kommen Sie aus einer Eishockeyfamilie?

Belov: Nein, meine Eltern haben nichts mit Eishockey zu tun. Ich bin durch meinen Onkel zum Sport gekommen. Er wohnt übrigens rund 20 Minuten von Düsseldorf entfernt. Ich kann ihn jetzt jederzeit besuchen, wenn ich will.

Wie sind Sie zu den Pinguinen gekommen?

Belov: Ich habe bereits vor zwei Jahren versucht, in die DEL zu kommen. Damals hat es aber nicht geklappt. Jetzt habe ich irgendwann im Sommer einen Anruf aus Krefeld bekommen. Ich dachte erst, es sei mein Onkel aus Düsseldorf, aber es waren Verantwortliche der Krefeld Pinguine. Sie wollten dann allerhand Videomaterial von mir haben und haben mich schlussendlich genommen.

Es ist Ihre zweite Auslandsstation. Wie fühlt sich das an, so weit weg von Zuhause zu sein?

Belov: Ein Eishockeyspieler ist ja eigentlich nie Zuhause. Meine Frau ist jetzt auch in Krefeld und unterstützt mich. Meine Eltern fehlen mir ein bisschen, aber daran bin ich gewöhnt. Seitdem ich 16 Jahre alt bin, bin ich von Zuhause weg und immer unterwegs.

Wie wohl fühlen Sie sich in der Kabine?

Belov: Das Team funktioniert gut. Es gibt keine einzelnen Gruppen. Wir verstehen uns untereinander alle gut.

Jetzt sind eine ganze Menge Spieler bei den Krefeld Pinguinen gegangen, Sonntag startet die Liga. Was haben Sie für ein Gefühl?

Belov: Das ist gar nicht ungewöhnlich. Spieler kommen und gehen. Wenn man beim Eishockey am Anfang der Saison Mannschaftsfotos macht, sind am Ende der Saison von dem gleichen Foto vielleicht nur noch eine Handvoll Spieler übrig. Wir wussten ja auch lange Zeit nicht, ob die Liga überhaupt startet.

Jetzt startet sie aber sicher am 20. Dezember für die Krefeld Pinguine in Wolfsburg.

Belov: Ja und ich bin froh. Ich will einfach nur spielen. Seitdem wir wissen, dass die Saison starten wird, haben wir noch fokussierter gearbeitet im Training. Die Anspannung ist deutlich gestiegen.

Wie wichtig ist es Ihnen, mit Ihrem neuen Team Erfolg zu haben?

Belov: Die ganze Mannschaft sitzt in einem Boot. Nur wenn jeder Einzelne seine Leistung bringt, kann man als Team zusammen Erfolg haben. Und natürlich wollen wir alle gemeinsam erfolgreich sein. In der Tabelle wollen wir einfach das bestmögliche Ergebnis erreichen. Wir wollen uns am Ende der Saison in die Augen schauen können.

Hoffen Sie darauf, dass irgendwann in der Saison noch einmal Fans zu den Spielen zugelassen werden?

Belov: Ja, ich habe auf Videos bei Youtube schon gesehen, wie die Stimmung in den deutschen Eishockeystadien sein kann und hoffe natürlich darauf, dass ich das noch erleben kann. Das hofft jeder Spieler.