Krefeld Pinguine: Die Tor-Armut des Paradesturms

Eishockey: Die Tor-Krise des Paradesturms

Chad Costello und Jacob Berglund sind weniger effektiv – das hat einen Grund: Jordan Caron ist weg.

Ein Schritt nach vorne, ein Schritt zurück. So lief das Wochenende bei den Krefeld Pinguinen. 2:0-Sieg, 0:4-Pleite. Und es kennzeichnet das aktuelle Problem: Die Mannschaft schießt zu wenig Tore. In sieben Spielen nach dem Deutschland-Cup waren es elf Treffer. Eine deutlich zu geringe Quote, um zu siegen. So gelangen dem Team von Brandon Reid nur zwei Siege aus sieben Spielen. Sportdirektor Matthias Roos konstatiert: „Normalerweise brauchst Du drei Treffer pro Spiel, um vernünftig zu punkten.“

Greger Hanson über Tim Miller:
„Er ist wie ein zweiter Torwart“

Beim 2:0 gegen Nürnberg machten die Schwarz-Gelben zumindest in der Defensive fast alles richtig. Sie verteidigten als Einheit, blockten Schüsse, ließen fast nur Torschüsse aus der Distanz zu. Das machte es Ilya Proskuryakov leichter, alle Pucks zu halten. Ein Sonderlob erhielt Tim Miller von Brandon Reid. „Gerade in Unterzahl ist er ungemein wichtig. Er blockt sehr viele Schüsse und ist dort ein Anführer.“ Als Miller sich in der letzten Minute des zweiten Drittels wieder in einen Schuss geworfen und die Scheibe über das Tor ins Fangnetz abgefälscht hatte, lief Garrett Noonan auf Miller zu, klatschte ihn ab. Auch sein Reihenpartner Greger Hanson hat größten Respekt vor der Arbeit Millers. „Er ist wie ein zweiter Torhüter“ sagt der Schwede.

Die verbesserte Verteidigung findet sich auch in den Zahlen wieder. In den ersten 18 Spielen kassierten die Krefelder durchschnittlich 3,4 Gegentore. In den vergangenen sechs sind es nur 2,2 Gegentreffer pro Begegnung. Dazu hat auch das Unterzahlspiel beigetragen. Lag die Erfolgsquote zunächst nur bei 79 Prozent, sieht auch hier die Entwicklung positiv aus: 88 Prozent Erfolgsquote in den vergangenen sechs Spielen.

Roos: „Wussten, dass es nach dem Deutschland-Cup schwierig wird“

Die solide Defensive reichte gegen die krisengeschüttelten Nürnberger zu drei Punkten. Anders sah es in Augsburg aus. Eine durchschnittliche Abwehr-Leistung aber vor allem eine völlig harmlose Offensive waren Wegbereiter der dritten Auswärtspleite ohne eigenen Treffer in Folge. Die Gegner waren dabei zwar hochkarätig – mit Mannheim, München und Augsburg die ersten drei der Tabelle, trotzdem sind die Probleme im Angriff offensichtlich.

Mitverantwortlich dafür ist die Personalie Jordan Caron. Der Kanadier war ein Ausnahmespieler in der DEL, der seine Mitspieler besser gemacht hat. Das ist an den Quoten von Chad Costello und Jacob Berglund abzulesen. Zwölf Spiele hat das Duo mit Caron gespielt, zwölf ohne ihn. Sowohl bei Costello als auch bei Berglund sind die Torbeteiligungen seltener geworden. Berglund hat in den vergangenen sechs Spielen weder einen Treffer erzielt noch vorbereitet.

Von den Zahlen verwundert zeigt sich Sportdirektor Roos nicht: „Dass Jordan nicht zu ersetzen ist, war uns klar. Aber die Zahlen sind nur die halbe Wahrheit. Wir wussten, dass es nach der Pause nach dem Deutschland-Cup schwer sein würde, zumal mit den Auswärtsspielen in Berlin, München und Mannheim. Da müssen wir nicht punkten.“ Jetzt kämen die Spiele, in denen Zählbares eingesammelt werden müsse – Wolfsburg, Köln, Ingolstadt, Bremerhaven und Schwenningen.

Caron ist schon lange und auch weit weg. Seit Freitag ist Samson Mahbod da. Auch wenn der Nordamerikaner mit iranischen Wurzeln Caron nicht ersetzen kann, so hat Reid wieder eine Alternative mehr im Angriff. Für den Trainer heißt es für die Begegnung am Freitag in Wolfsburg, die richtige Kombination der Sturmreihen zu finden, um die Torkrise zumindest auf fremdem Eis zu beenden. Dabei muss dann auch Mahbod, der in Augsburg vielversprechende Ansätze zeigte (drei Torschüsse, zwei von drei Bullys gewonnen), mithelfen.

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