Krefeld Pinguine: Arturs Kruminsch spielt nach Krebserkrankung wieder

Über ein Jahr ausgefallen : Pinguine-Stürmer Kruminsch steht nach Krebserkrankung wieder auf dem Eis

Pinguine-Stürmer Arturs Kruminsch steht über ein Jahr nach seiner Krebserkrankung wieder auf dem Eis.

Seinen ersten großen Auftritt hatte Arturs Kruminsch schon bevor er das erste Mal im neuen Pinguine-Trikot das Eis betrat. Bei der Saisoneröffnung stand er mit der Nummer neun auf dem Rücken in vorderster Reihe und wartete darauf, dass sein Name aufgerufen wird. Doch das war nicht der Fall. Spieler um Spieler gingen an dem 30-Jährigen vorbei. Es dauerte ein bisschen, bis er begriff, was Sache ist. Und so stand am Ende nur noch Kruminsch vor dem Pinguin in Übergröße. Er bekam seinen eigenen Einlauf, Standing Ovations und extra Applaus von den Fans in der Halle. Kruminsch: „Da hatte ich Gänsehaut, muss ich ehrlich sagen. Ich hätte nie gedacht, so empfangen zu werden. Das war etwas ganz Besonderes und bleibt im Kopf.“

Ein paar Tage zuvor stand der Angreifer erstmals mit seinen Teamkollegen auf dem Eis, absolvierte die erste Trainingseinheit der neuen Saison. Arturs Kruminsch – der Neuzugang der eigentlich gar keiner ist. Denn schon vor einem Jahr kam der gebürtige Lette in die Seidenstadt, der Stürmer sollte als einer der Top-Spieler aus der DEL2 nun auch im Oberhaus Fuß fassen.

Doch in der Vorbereitung zog sein Körper nicht mit. Kruminsch war schnell müde, konnte sich kaum belasten. Die Diagnose: Lymphdrüsenkrebs. Gut 14 Monate ist das nun her. 14 Monate, in denen sich Kruminsch zurück ins Leben und in den Profisport gekämpft hat. Seit drei Wochen trainiert er nun mit der Mannschaft mit, nebenbei sind Zusatzeinheiten beim U23-Team oder mit dem eigenen Physiotherapeut Pflicht. Kruminsch: „Das Training ist schon sehr hart, aber ich fühle mich gut. Ich bin in einer Situation, in der immer noch etwas nach vorne geht. Es fehlt nicht mehr viel, aber schon noch etwas.“

Vor dem ersten Spiel
„total angespannt“

Sein Weg geht dabei nur über harte Arbeit. Grundlagen wie Kondition, Kraft und Beweglichkeit musste sich Kruminsch wieder neu erarbeiten und auch auf dem Eis dauerte es ein wenig, bis er wieder in die Abläufe kam. „Wenn man lange nicht Schlittschuh gelaufen ist, dann ist es schon ganz komisch. Der Körper muss sich an die ganzen Bewegungsabläufe wieder gewöhnen“, sagt Kruminsch. Umso größer war daher die Freude, beim Testspiel am Sonntag gegen Frankfurt endlich wieder unter Wettkampfbedingungen auf dem Eis zu stehen. „Die ersten zwei Wochen hab ich mich natürlich sehr konzentriert und geguckt wieder hereinzukommen. Aber Training ist die eine Sache, spielen das andere. Ich hab das ganz anders wahrgenommen, als noch früher. Mein letztes Spiel war sehr lange her und ich war total angespannt. Aber dann kommt man mit der Zeit wieder rein und vergisst das.“

Es waren die ersten Schritte für Kruminsch, der nun nach einem Kaderplatz bei den Krefeld Pinguinen greift. Die Trainingseinstellung in der Mannschaft sei „100 Prozent“, meint der Angreifer und sagt: „Es gab schon einige Sachen, die wir gut gemacht haben, darauf müssen wir aufbauen. Wenn alle komplett sind, denke ich, dass die Mannschaft top besetzt ist.“ Doch die Konkurrenz ist gerade in den Angriffsreihen drei und vier groß. Das weiß auch Kruminsch, der darin aber nur Vorteile sieht, sagt: „Ich weiß natürlich, dass ich mich reinspielen muss. Aber der Wettbewerb gehört dazu. Man pusht sich gegenseitig einen Schritt nach vorne und das hilft der ganzen Mannschaft.“

Kruminsch möchte
ein Vorbild sein

Etwas mehr als drei Wochen bleiben Kruminsch und der Mannschaft noch bis zum Start in die neue Spielzeit. In einem Interview auf der Vereinshomepage sagte Kruminsch im März dieses Jahres: „Ich schaue nur nach vorne und möchte mit meiner Geschichte auch ein Vorbild sein für andere, die ebenfalls eine schwere Zeit haben oder hatten. Und irgendwann möchte ich wieder gute Leistungen aufs Eis bringen und Eishockey auf hohem Niveau spielen.“ Heute, knapp sechs Monate später, ist Kruminsch wieder voll dabei. Er ist bereit, erneut von den Fans gefeiert zu werden. Nicht nur wegen seiner Rückkehr, sondern vor allem für seine Leistung.

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