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Dirk Wellen: So habe ich die Krefeld Pinguine gerettet

Anteile von Ponomarev gekauft : Dirk Wellen: So habe ich die Pinguine gerettet

Der 58-jährige Krefelder hat die Anteile von Mikhail Ponomarev erworben und so den DEL-Club vor der Insolvenz bewahrt. Ohne sein Eingreifen wäre eine Lösung im Gesellschafterstreit kaum möglich gewesen.

Dirk Wellen konnte sich am Montagabend nicht mehr zurückhalten. Mit jubelnden Eishockeyprofis im Trikot der Pittsburgh Penguins machte der Gesellschafter der Krefeld Pinguine in den sozialen Netzwerken deutlich: Wir haben es geschafft. Gemeint ist das Ende der Streitigkeiten rund um Mikhail Ponomarev. Der Präsident des KFC Uerdingen ließ am Montagabend auf seine Ankündigung, seine Anteile an den Pinguinen abzugeben, Taten folgen. Der DEL-Club steht nach Ponomarevs Abschied vor dem Einstieg eines neuen Investors und dürfte die größten Insolvenzsorgen los sein. Verdanken dürfen das die Verantwortlichen des DEL-Gründungsmitgliedes vor allem einem Mann: Dirk Wellen.

Wellen stellt sich öffentlich gegen Energy Consulting

Der Vorsitzende des Crefelder Hockey und Tennis Club (CHTC) und Geschäftsführer des Krefelder Futtermittelherstellers Rondo Food ging in den vergangenen Wochen voran, als die Verhandlungen zwischen den Pinguinen und Energy Consulting bedenklich wackelten und zu scheitern drohten. „Als ich erfahren habe, dass die Energy Consulting ihre Anteile verkaufen will, habe ich nicht lange überlegt“, sagt Wellen. Eine gemeinsame Zukunft mit dem Moskauer Unternehmen als weitere Gesellschafterin? Für Wellen nicht denkbar. Während die weiteren Gesellschafter zu den Streitigkeiten mit Ponomarev zumeist öffentlich schwiegen, stellte sich der Krefelder gegen die Energy Consulting, warnte „vor einer feindlichen Übernahme“ und setzte aus Protest sein Sponosoring beim Eishockeyverein aus. „Die Krefeld Pinguine bedeuten für mich wahnsinnig viel, deswegen bin ich diesen Schritt gegangen und habe dann auch das Angebot zum Kauf der Anteile gemacht“, erzählt Wellen. Ohne dieses Pokerspiel wäre die Situation wohl weiterhin aussichtslos.

Wellen: „Man muss mindestens sechs bis sieben Millionen Euro haben“

Längst war der Gesellschafterstreit auch zur Privatfehde zwischen Matthias Roos, Geschäftsführer der Pinguine, und Ponomarev geworden. Diesen Knoten zu zerschlagen, wurde Wellen zuteil, dessen Herz seit Jahren am Club von der Westparkstraße hängt. „Ich habe meine Frau damals auf der Nordtribüne in der Rheinlandhalle kennengelernt und fühle mich dem Verein sehr verbunden.“ Die Rettung eines Profisportvereins als Akt der Nächstenliebe? „Jeder in Krefeld sollte verstehen, was die Pinguine für diese Stadt bedeuten. In dem ganzen Dilemma der vergangenen Tage wurde mir auch klar, wie viele Menschen hinter diesem Verein stehen.“

Wellen ist jemand, der auch für die Profis der Pinguine nahbar ist. Bei gemeinsamen Einheiten abseits der Eisfläche wird sich ebenso ausgetauscht wie bei Tennisspielen auf der Anlage des CHTC in der Phase der Sommervorbereitung. Eine Rettung aus der Portokasse wurde der Kauf der Anteile für Wellen aber nicht. „Mein Engagement für den CHTC fordert mich eigentlich schon genug.“ Trotzdem habe er sich zum Erwerb der Anteile entschieden, auch gegen den Rat der eigenen Mutter, wie er schmunzelnd verrät.

345 000 Euro beträgt der Nennwert der 69 Anteile, die am Montagabend von der Energy Consulting an Wellen übertragen wurden. Ob es auch die Summe ist, die der 58-Jährige schlussendlich zahlte, will Wellen nicht verraten. „Was zählt ist, dass der Weg jetzt frei ist für einen Neuanfang.“ In den kommenden zwei Wochen soll ein Investor im Rahmen einer Stammkapitalerhöhung 750 000 Euro in die leeren Kassen der Pinguine spülen. Wellen wird also nur rund zwei Wochen einer von zwei Hauptanteilseignern sein. Dann sollen andere übernehmen. „Ich habe jetzt eine bestimmte Rolle in einer speziellen Situation inne und konnte helfen“, so Wellen, der auch seine politischen Kontakte spielen ließ, um eine Einigung zwischen Ponomarev und den Pinguinen zu bewirken.

In Zukunft sollen die Anteile des 58-Jährigen von anderen, größeren Geldgebern übernommen werden. Der Sohn des Krefelder Hockeyspielers Gerd Wellen will sich in Zukunft aber weiter hauptverantwortlich um „seinen“ CHTC kümmern. Ein Projekt, das viel Zeit und Geld kostet. Und eine Aufgabe für die ganze Familie ist. Während die Kinder Niklas und Alina professionell Hockey spielen, kümmert sich Wellens Frau Barbara mit um den Hockey-Nachwuchs an der Hüttenallee, der Heimat des CHTC. Schwester Heike ist gemeinsam mit ihrem Bruder für die Gerd-Wellen-Sportstiftung verantwortlich.