DEL: Tim Stützle ist der Senkrechtstarter bei den Adlern Mannheim

Ehemaliger KEV-Spieler : Vorster Tim Stützle ist der Senkrechtstarter in der DEL

Das Vorster Eishockey-Talent spielt sich in Mannheim auf den Radar der NHL.

Tim Stützle verließ am 6. Oktober als letzter Spieler das Eis der Yayla-Arena. Der 17-Jährige hatte beim 4:1-Sieg seiner Adler Mannheim in Krefeld den entscheidenden zweiten Treffer erzielt, wurde zum besten Spieler der Begegnung gewählt und gab im Anschluss noch ein Fernsehinterview. Als er sich gerade in Richtung Kabine aufmachen wollte, kamen die Sprechchöre aus der Mannheimer Kurve – ohne Sonderapplaus wollten sie sich vom großen Talent nicht verabschieden.

Für Stützle war das neunte Spiel in seiner Profi-Karriere ein ganz besonderes. Denn für ihn war es ein Heimspiel. Auf der Tribüne saßen viele Familienmitglieder und Freunde, der Nachwuchsstürmer wurde in Viersen geboren und ist in Vorst aufgewachsen. Bis zum Sommer 2017 spielte er für den KEV 81, ehe er in die Kurpfalz wechselte. Stützle bekommt das Vertrauen von Adler-Trainer Pavel Gross, der ihn an der Seite von Topscorer Ben Smith einsetzt und auch in Überzahl regelmäßig auf das Eis schickt. „Tim ist ein absolutes Ausnahmetalent. Gerade in der Offensive hat er schon ein sehr gutes Gespür für die Situationen und spielt auf hohem Niveau. Deswegen spielt er im Powerplay und in einer Reihe mit zwei Topspielern. Es würde überhaupt keinen Sinn machen, ihn in der vierten Reihe spielen zu lassen, nur weil wir einen deutschen U23-Spieler aufstellen müssen.“

In mittlerweile zwölf DEL-Spielen kommt Stützle auf 13 Scorerpunkte (drei Tore, zehn Vorlagen) und ist damit der beste deutsche Scorer der Liga. In der Champions Hockey League (CHL), in der sich die Mannheimer für das Achtelfinale qualifiziert haben, läuft es ähnlich gut. Mit zwei Treffern und drei Vorlagen in sechs Begegnungen ist Stützle drittbester Scorer seiner Mannschaft.

Für die Entwicklung des 17-jährigen ist der sportliche Wettbewerb gegen Profis mit Einsätzen in den beiden ersten Reihen förderlich. Auch für den großen Traum, einmal in der National Hockey League (NHL) in den USA zu spielen, ist es heutzutage nicht mehr notwendig, in eine amerikanische Jugendliga zu wechseln. In Europa gibt es immer mehr Spielbeobachter der NHL, immer mehr europäische Jungtalente bleiben bis zum Draft, in dem sich die NHL-Vereine die Rechte an Spielern sichern dürfen, bei ihrem Verein. So war es auch bei Moritz Seider, der im vergangenen Jahr für die Adler in der DEL auflief und im diesjährigen Draft von den Detroit Red Wings an sechster Stelle verpflichtet worden ist.

So könnte es auch bei Stützle kommen, denn auf der kanadischen Internetseite „futureconsiderations.ca“, die in jedem Jahr eine Rangliste aller Spieler erstellt, die für den Draft zugelassen werden, belegt Stützle den sechsten Platz. Sicher dürfte sein, dass sich ein NHL-Team nach Seider 2019 und Dominik Bokk 2018 im dritten Jahr in Folge schon in der ersten Runde die Rechte eines deutschen Eishockeytalents sichert.

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