1. Sport
  2. Eishockey
  3. Krefeld Pinguine

Analyse: Krefeld Pinguine sind auf dem richtigen Weg

Eishockey : Analyse: Krefeld Pinguine sind auf dem richtigen Weg

Trotz der Niederlage gegen die Eisbären Berlin scheinen die Pinguine nach dem Rauswurf von Clark Donatelli besser in Fahrt zu kommen

Es wird Zeit brauchen, sich das Vertrauen der Fans zurückzuerobern. Nach Jahren des sportlichen Misserfolgs und teils desaströsen Vorstellungen in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) müssen die Verantwortlichen, Trainer und Spieler der Krefeld Pinguine hart arbeiten, um die Yayla-Arena wieder zu einer Festung zu machen. Nur 2377 Zuschauer wollten den Heimauftritt der Pinguine gegen die Eisbären aus Berlin sehen am vergangenen Sonntag. Die, die gekommen waren, sahen einen Trend, der sich zu verfestigen scheint. Die Pinguine sind nach dem Rauswurf von Clark Donatelli auf dem richtigen Weg. Eine Analyse.

Die neue Taktik passt zum Team

Nach der schlimmen 0:6-Pleite gegen die Kölner Haie wechselte das Trainerteam in Abwesenheit von Cheftrainer Clark Donatelli auf eine defensivere Spielweise. Mit Erfolg. In Mannheim führten die Pinguine bereits mit 2:0, ehe die Adler kurz vor Schluss zum Anschlusstreffer kamen. Gegen Iserlohn wurde die disziplinierte Leistung der Krefelder mit dem ersten Sieg der Saison belohnt. Auch gegen die Eisbären, immerhin amtierender Meister der DEL, ging der Defensivplan 40 Minuten lang auf. Am Ende führten zwei, drei kleine Unaufmerksamkeiten zur Niederlage. Und dennoch: Bei konsequenter Chancenverwertung hätten die Pinguine auch gegen Berlin punkten können. Die schnellen Stürmer Lucas Lessio, Jeremy Bracco und Leon Niederberger machen es möglich. Immer setzen die Pinguine gefährliche Nadelstiche in ihrem Spiel. Hinten verteidigt das Team beinhart und wirft sich in jeden Schuss.

Oleg Shilin ist ein Rückhalt

Ausgerechnet der Torwart, über den im Vorfeld der neuen Saison mit Abstand am wenigsten gesprochen worden ist, scheint ein großer Rückhalt in dieser Saison sein zu können. Gegen die Haie beim Stand von 0:6 ins kalte Wasser geworfen, machte Shilin seine Sache gegen Mannheim, Iserlohn und Berlin gut. Auch wenn der Deutsch-Russe gegen die Roosters bei zwei Toren nicht gut aussah, überwog beim ersten Saisonsieg ganz klar seine Ruhe im Tor. Gegen Berlin war Shilin kaum zu bezwungen, kassierte dann zwei unglückliche Gegentore, an denen er nichts machen konnte. Der Eindruck verfestigt sich, dass der 30-Jährige der so dringend benötigte Rückhalt im Tor sein kann. Sergei Belov und Nikita Quapp werden um ihre Chance hinter Shilin kämpfen müssen.

Die Mentalität im Team stimmt

Lucas Lessio steht nach sechs Spielen bereits bei sieben Scorerpunkten, Jeremy Bracco hat bereits sechs gesammelt. Funktionieren die beiden Topscorer der Pinguine mal nicht, rücken wie in Mannheim andere in die Lücke. Alexander Weiss kann bereits nach wenigen Spielen als echte Verstärkung betitelt werden. Die Rückkehr von Laurin Braun hat die Offensive der Pinguine zudem stabilisiert. Es scheint, als füge sich die Mannschaft gerade. Junge Spieler wie Alexander Blank (drei Vorlagen, 14:54 Minuten Eiszeit im Schnitt), Justin Volek (ein Tor, 7:36 Eiszeit) oder Maximilian Gläßl (sechs Spiele, 16:16 Eiszeit) haben einen Schritt nach vorne gemacht in ihrer Entwicklung. Die Chemie im Team stimmt. Trotz des schweren Saisonstarts ist die Ausrichtung in der Kabine positiv. Ein gutes Beispiel: Trainer Igor Zakharkin eckte mit Kritik an der Mannschaft nach der Niederlage gegen Berlin durchaus an. Positiv daran ist hingegen, dass die Pinguine qualitativ endlich wieder auf Augenhöhe mit den anderen Teams agieren, selbst mit Spitzenmannschaften wie Mannheim oder Berlin. Vielleicht können die Pinguine endlich ihre Verlierermentalität ablegen.

Das Entwicklungspotential ist da

Noch gar kein Faktor in dieser Saison war Alexander Bergström. Der schwedische Linksschütze laboriert seit Wochen an einer hartnäckigen Unterkörperverletzung, soll aber möglichst schnell in der DEL sein Debüt für die Pinguine feiern. Mit Martin Schymainski steht der Kapitän zudem vor der Rückkehr in den Kader. Mit Schymainski und Bergström werden die Pinguine offensiv noch mehr Variationsmöglichkeiten bekommen. Greift das neue System, dürfte spielerisch auch noch mehr zu erwarten sein von den Schwarz-Gelben.