Eishockey: DEL diskutiert höheres Ausländer-Kontingent

Eishockey: DEL diskutiert höheres Ausländer-Kontingent

Seit Jahren fordern Spieler, Trainer und Beobachter der Deutschen Eishockey Liga, die Zahl der Ausländer pro Mannschaft zu reduzieren, um die einheimischen Spieler zu fördern. Nun macht die Liga die Rolle rückwärts: Künftig sollen sogar noch mehr Ausländer eingesetzt werden dürfen.

Düsseldorf. Auf Mallorca gilt Eishockey nicht gerade als Volkssport. Das hält die reichen Herren, die die 14 Clubs aus der Deutschen Eishockey Liga (DEL) maßgeblich finanzieren, aber nicht davon ab, sich hin und wieder auf der Mittelmeer-Insel zu treffen und die Zukunft der Liga zu besprechen.

Das taten sie auch dieser Tage — und haben sich auf eine ebenso kontroverse wie weitreichende Entscheidung geeinigt: Nach Informationen der Westdeutschen Zeitung und des WDR haben die Eigentümer beschlossen, künftig sämtliche elf Ausländer in ihren Kadern einsetzen zu dürfen. Bislang sieht die Regelung vor, dass jeder Verein zwar elf so genannte Kontingentspieler verpflichten, aber pro Spiel nur neun einsetzen darf.

Die DEL bestätigte den Vorgang auf WZ-Nachfrage, allerdings habe es „weder eine abschließende Meinungsbildung, noch einen Beschluss der entsprechenden Gremien gegeben“, hieß es aus dem Ligabüro. Machen die Eigentümer der Clubs aber ernst, dürfte der Beschluss nur noch Formsache sein. Schließlich sind die 14 Vereine Gesellschafter der Liga.

Sollte es wirklich so kommen, dürfte das für einigen Ärger sorgen. Seit Jahren mehren sich die Stimmen unter Spielern, Trainern und Beobachtern, dass die Zahl der Ausländer nicht wachsen, sondern vielmehr schrumpfen sollte. Nur wenn mehr deutsche Spieler auf dem Eis stehen, könnten die sich verbessern und das Niveau der Nationalmannschaft steigern, heißt es. Und der Erfolg der Bundesauswahl sei nun mal maßgeblich dafür verantwortlich, wie es generell um das deutsche Eishockey steht — gerade was Fördergelder, Sponsoren- und Zuschauereinnahmen sowie mediale Aufmerksamkeit angeht.

Lange Zeit hatte die Nationalmannschaft den internationalen Anschluss verloren. 2014 war sie bei den Olympischen Spielen im russischen Sotschi sogar nur Zuschauer. Erst seitdem Ex-NHL-Star Marco Sturm das Traineramt übernommen hat, geht es wieder bergauf. Bei der ersten Weltmeisterschaft mit Sturm hinter der Bande im vergangenen Mai in Russland präsentierte sich die Auswahl des Deutschen Eishockey Bundes wieder verbessert und kam bis ins Viertelfinale, zudem qualifizierte sie sich im September für Olympia 2018 im südkoreanischen Pyeongchang.

Das war ganz nach dem Geschmack von Franz Reindl, der seit 2014 neuer DEB-Präsident ist und versucht, das Eishockey wieder nach vorne zu bringen. Dafür hat er das Konzept „Powerplay 26“ auf den Weg gebracht, viel zentralisiert, vereinheitlicht und für neue Standards gesorgt. Besonders am Herzen liegt ihm die Jugendarbeit.

Unterstützung bekommt er von den Spielern. Erst am Wochenende nach dem dritten Platz beim Deutschland-Cup hatte Nationalspieler Felix Schütz gesagt: „Da reden wir schon seit Jahren drüber, dass wir uns wünschen würden, dass wir wie andere Länder 40, 50, 60 Spieler hätten. Die können wir auch nicht aus der Kiste zaubern. Da müssen wir halt mehr Nachwuchsarbeit machen." Doch wenn künftig bis zu 28 Deutsche weniger pro Spieltag in der höchsten Liga auf dem Eis stehen, dürfte es für Talente noch schwieriger sein, sich weiterzuentwickeln.

Die Vereine halten dagegen, dass auch sie international Anschluss haben wollen. Wollen sie in der Champions League mithalten, gehe das nicht mit so vielen Deutschen. Zudem müssten sie ja auch alle elf Ausländer in ihren Kadern bezahlen. Warum sollten sie dann zwei auf die Tribüne setzen, um schlechtere deutsche auf das Eis zu schicken?