Düsseldorfer EG: Wer nicht in der Halle ist, hat Pech gehabt

Düsseldorfer EG: Wer nicht in der Halle ist, hat Pech gehabt

Am Wochenende spielt die DEG zweimal gegen den Tabellenführer aus Berlin. Live ist davon nichts zu sehen. Die DEL tut sich schwer mit Bewegtbildern.

Düsseldorf. Für Christof Kreutzer war die Düsseldorfer EG schon immer mehr als ein gewöhnlicher Arbeitgeber. Entsprechend groß sind die Worte, die der Sohn der ehemaligen Stadiongastronomen, der fünffache Meisterspieler und heutige Chefcoach wählt, wenn er über seinen Verein spricht: „Die DEG ist mein Leben“ ist einer dieser Sätze, die Kreutzer immer wieder sagt. Was kann es da für ihn Schöneres geben als das kommende Wochenende, wenn das Topspiel der Deutschen Eishockey Liga gleich zwei Mal ansteht? Am Freitag (19.30 Uhr) spielt die DEG in Berlin, am Sonntag (14.30 Uhr) kommen die Eisbären zur direkten Revanche in den Dome.

„Ein Hauch von Play-offs“ habe das, sagt Kreutzer und freut sich diebisch auf die Duelle zwischen dem Ligadritten aus Düsseldorf (69 Punkte) und dem Tabellenführer aus Berlin (71). Das tun auch die Fans. Mehr als 20 000 werden die Spiele in den Hallen erleben. Doch das war es schon mit denen, die die krachenden Checks und den mehr als 150 Stundenkilometer schnellen Puck live sehen können. Im Fernsehen spielen die DEL-Topspiele keine Rolle. Obwohl zwei der berühmtesten Vereine des Landes aufeinandertreffen.

Am Freitag zeigt das Internetportal „Laola1.tv“ Straubing (12.) gegen Augsburg (8.), am Sonntag sind die Augsburger auch beim Fernsehsender „Servus TV“ dran, mit ihrem Heimspiel gegen München (4.). Mehr gibt es nicht. Lediglich Ausschnitte des Spiels in Düsseldorf sind am Sonntag in der „ZDF Sportreportage“ zu sehen, die restlichen Höhepunkte der DEL-Spieltage 39 und 40 gibt es im Internet auf der Seite der Liga (del.org).

Das ist kein neues Phänomen. Seit Jahren tut sich die erste Eishockey-Liga schwer damit, ihren Platz im Fernsehen zu finden. Olympia und Weltmeisterschaften sind immer zu sehen, nicht nur die Spiele der deutschen Mannschaft, die heimischen Vereine tauchen aber nur alle paar Wochen mal mit Bewegtbildern auf. Früher gar hinter der Bezahlschranke von „Sky“, nun in der dritten Saison beim österreichischen Spartensender „Servus TV“. Und dann auch nur eine ausgewählte Partie.

Wer alle Spiele seiner Lieblingsmannschaft sehen will, muss oft und weit reisen — oder hat Pech gehabt. Das liegt zum einen an der immer weiter wachsenden Vormachtstellung des Fußballs. „Am Montag zeigt ,Sport 1’ das Testspiel Schalke gegen Bielefeld. Heutzutage ist nur noch Fußball im Fernsehen. Die Sportschau könnte auch Fußballschau heißen. Das kann doch nicht sein“, sagt Kreutzer, der die fehlende Präsenz nicht nur für seinen Sport beklagt. Auch Hand- und Basketball-Bundesliga würden vernachlässigt. Nun hat es aber zumindest der Basketball geschafft, neben den TV-Spielen auch Livestreams aller anderen Begegnungen im Internet anzubieten. Wer bezahlt, kann jedes Spiel jeder Mannschaft live sehen. Obwohl die Basketball-Bundesliga (4328) mehr als 2000 Fans pro Spiel weniger in ihre Hallen lockt als die DEL (6473). Doch ein ähnliches Konzept ist beim Eishockey nicht in Planung, obwohl es das gar für die DEL 2 längst gibt.

„Wir wollen nicht, dass sich die Spiele gegenseitig kanibalisieren“, sagt DEL-Chef Gernot Tripcke. Was wohl heißen soll: Es gibt nicht genug Fans, damit sich zeitgleiche Übertragungen aller Spiele rechnen. Allerdings: Gucken sich die DEG-Fans am Freitag wirklich Straubing gegen Augsburg an? Eher nicht. Sie werden dem DEG-Fanradio lauschen und den WZ-Liveticker lesen. Was anderes bleibt ihnen auch nicht übrig, wenn sie wissen wollen, wie das Topspiel gerade so läuft.

Mehr von Westdeutsche Zeitung