Düsseldorfer EG: Warum die DEG dieses Jahr die Play-offs verpasste

Düsseldorfer EG: Warum die DEG dieses Jahr die Play-offs verpasste

Zum ersten Mal unter dem Trainergespann Christof Kreutzer und Tobias Abstreiter findet die aufregendste Phase der Deutschen Eishockey Liga ohne die Düsseldorfer EG statt. Das hat Gründe.

Formschwäche

Wer keine Form hat, gewinnt seltener. Das klingt banal, ist deswegen aber nicht falsch. Das Potenzial des Teams gab weit mehr her als 63 Punkte. Das haben die Siege gegen Köln sowie die Erfolgsserie am Ende bewiesen. Wer aber monatelang neben sich steht und unerklärliche Aussetzer am Fließband produziert, der hat eben ab Ende Februar frei. Leistungsträger aus den Vorsaisons wie Bernhard Ebner, Stephan Daschner, Manuel Strodel, Drayson Bowman und Norm Milley kamen lange nicht an ihr Potenzial heran. Kein Stürmer hat mehr als 15 Tore oder mehr als 35 Scorerpunkte erzielt.

Von den 15 Stürmern, die mehr oder weniger regelmäßig gespielt haben, waren zehn älter als 30, fünf gar älter als 35. Das Eishockey wird immer schneller, aber der DEG fehlte es an Tempo. Dass sie die wenigsten Powerplays (177) hatte und am zweitmeisten in Unterzahl (246) spielte, überrascht nicht. Wer kaum Laufduelle gewinnt, zwingt den Gegner selten zu Fouls und muss selbst häufig unfair agieren. Rob Collins „gelang“ das immer wieder.

Christof Kreutzer bezeichnete Ken-André Olimb als „Motor unseres Spiels“. Der Norweger, der nach Schweden ging, war der beste Feldspieler der DEG. In den beiden Vorjahren machte er 35 Tore und gab 70 Vorlagen. Diese, sein unermüdlicher Einsatz und seine Fähigkeit, gegnerische Topstürmer auszuschalten, fehlten der DEG nun. Am meisten litten seine Ex-Reihenkollegen. Strodel fiel von 21 (13/8) Punkten auf sieben (3/4), Milley von 45 (10/35) auf zehn (4/6).

Auf dem Transfermarkt hat wenig geklappt. Die größte Enttäuschung ist Alexander Barta, der Olimb nicht ansatzweise ersetzte: zwölf (7/5) Scorerpunkte, Plus-minus -13. Fehlpässe wechselten sich mit verlorenen Zweikämpfen ab. In den letzten Wochen saß er auf der Tribüne. Ähnlich enttäuschend war Adam Courchaine, der ein Schatten seiner selbst ist. Die Verteidiger Henry Haase und Marco Nowak sowie Stürmer Daniel Weiß waren lange nur Mitläufer. Den positivsten Eindruck hinterließ Brandon Yip, der immerhin elf Tore schoss.

Ein Grund für die schlechte Transferbilanz ist das fehlende Geld. Nach dem Sommertheater und dem Abgang von Gesellschafter Mikhail Ponomarev war die DEG trotz einer Finanzspritze der Stadt nicht in der Lage, sich adäquat zu verstärken. Auch während der Saison konnte sie kaum nachlegen. Geld war nur noch für Yip da, Courchaine spielte dem Vernehmen nach für nur knapp 30 000 Euro. Danach war die Kasse auch schon leer.

Die DEG war nicht das einzige gebeutelte Team, litt aber mehr als andere unter den Ausfällen. Nur zwei Spieler bestritten alle 52 Saisonspiele, andere fielen über Wochen oder Monate aus: Daniel Kreutzer, Bernhard Ebner, Stephan Daschner, Tim Conboy. Ebner brauchte weitere Wochen, um sich davon zu erholen, Daschner fand seine Form fast gar nicht mehr.

Zwei Jahre ging es nur bergauf, plötzlich war der Wurm drin. Das machte sich auch in der Stimmung bemerkbar. Die Fans pöbelten vor allem im Internet und buhten das Team bei manchem Spiel aus. Innerhalb des Teams knarzte es, weil manch ein geringer Verdienender nicht nicht mehr gut auf die zu sprechen war, die mehr Geld erhalten, aber kaum Einsatz zeigen. Zudem drohte Trainer Kreutzer den Spielern öffentlich mit dem Rauswurf.

Auch abgesehen von ihrer Transferbilanz machten Kreutzer und Abstreiter nicht immer die beste Figur. Über Wochen schafften sie es nicht, das lethargische Team aufzuwecken. Das Powerplay funktionierte phasenweise nicht. Sie vertrauten zu oft auf Mathias Niederberger, der überspielt wirkte. Und sie setzten Leute wie Norm Milley falsch ein. Zudem hielten sie zu lange an Barta und Courchaine fest, anstatt Kämpfern wie Alexander Preibisch mehr Eiszeit zu gönnen.

Es wäre absurd, die Schuld bei einem 24 Jahre alten Torhüter zu suchen, der zu oft von seinen Vorderleuten im Stich gelassen wurde. Allerdings: In den beiden Vorjahren waren Tyler Beskorowany und Mathias Niederberger überragend und glichen viele Unzulänglichkeiten der Feldspieler aus. Zahlreiche Spiele gewannen sie im Alleingang. Das war in dieser Saison nur selten der Fall. Niederberger leistete sich gar manche Schwäche. Sein Gegentorschnitt (2,94) und seine Fangquote (91,6 Prozent) sind nur Ligadurchschnitt. Trotzdem war er immer noch einer der besseren DEG-Spieler. Aber eben nicht mehr der mit Abstand beste. So einen Torhüter hätte die DEG aber gebraucht, um die Play-offs zu erreichen. Was wiederum zeigt: Niederberger darf die Schuld nicht gegeben werden.