Nürnberg-Spiel wird für DEG zum doppelten Gradmesser

DEG : Das Nürnberg-Spiel wird für DEG zum doppelten Gradmesser

Was steckt hinter dem Höhenflug? Das Heimspiel am Sonntag wird es sportlich und wirtschaftlich zeigen.

Stefan Adam war die Erleichterung anzumerken, als er dieser Tage im Presseraum des Rather Domes vorbeischaute. Natürlich, schränkte der Geschäftsführer der Düsseldorfer EG sogleich ein, sei noch nichts erreicht. Insgesamt stapeln sie bei der DEG auffallend tief. Bloß nicht das Klischee des arroganten Düsseldorfers bedienen, der nach vier Siegen den Rathausbalkon mietet. Und dennoch, der Sprung an die Tabellenspitze der Deutschen Eishockey Liga hätte allen mal gutgetan, sagte Adam. Zuletzt hatte es bei der DEG ja nicht viel zu lachen gegeben. Darüber hinaus liefern zwei Saisons ohne Play-offs auch nicht gerade die überzeugendsten Argumente in Gesprächen mit potenziellen Sponsoren.

Das einzige Problem: Die DEG konnte aus ihrer Frühform noch nicht viel Kapital schlagen. Die Partie am Freitagabend in Augsburg (beim Druck dieser Ausgabe noch nicht beendet), war das vierte Auswärtsspiel an den ersten fünf Spieltagen. Erst morgen spielt die DEG wieder zu Hause — und hofft, dass die Fans die jüngsten Siege mit ihrem Erscheinen belohnen. Der Ticketverkauf ist in einer Liga, die ihren Klubs lediglich einen mittleren sechsstelligen Betrag Fernsehgeld auszahlt, eine der wichtigsten Einnahmequellen.

Nürnberg hat bereits
seinen Trainer entlassen

Aber nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht ist das Spiel am Sonntag (17 Uhr/WZ-Liveticker) ein Gradmesser, ob mehr hinter dem Höhenflug steckt. Auch sportlich wird es ein Härtetest. In den Nürnberg Ice Tigers kommt ein Topteam in den Dome. Abgesehen vom Auftakt in Mannheim, den die DEG glücklich 2:1 nach Verlängerung gewann, gehörten die ersten Gegner nicht wirklich Oberschicht der Liga an.

Aktuell machen die Nürnberger allerdings nicht den Eindruck, nächstes Frühjahr wieder ins Halbfinale zu kommen. Da waren sie zuletzt Dauergast. Doch nach vier Spielen gab es nur einen Sieg. Dass es nach den Abgängen von Leistungsträgern wie Steven Reinprecht, David Steckel und Yasin Ehliz schwer werden würde, war allen bewusst, aber wie schwach die Nürnberger spielten, war doch überraschend. Prompt musste Trainer Kevin Gaudet, erst im Sommer für den nach Kanada zurückgekehrten Rob Wilson verpflichtet, gehen.

Dabei war der Start in die Chamipons League mit Siegen über Teams aus Finnland und Tschechien geglückt. Doch die waren eher glücklich. Zudem lag atmonphärisch und taktisch einiges im Argen. Sportdirektor Martin Jiranek und Co-Trainer Mike Flanagan hatten schon früh versucht, Gaudet von der Idee abzubringen, nur mit drei Reihen zu spielen. Vergeblich. Gaudet verlor den Machtkampf.

In Nürnberg erhoffen sie sich nun neuen Schwung. Auch für die vielen Zugänge. Will Acton, jahrelang der Topstürmer in Schwenningen, hat noch nicht viel gezeigt. Auch Brandon Buck war bis auf das Spiel gegen Ex-Klub Ingolstadt noch keine Verstärkung. Lediglich Scharfschütze Shawn Lalonde und Chris Brown sind voll da. Doch das reichte bislang nicht. Die Ice Tigers laufen ihrer Form hinterher. Geht es nach der DEG, darf das erst mal so weitergehen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung