Düsseldorfer EG: Mike Pellegrims: Kumpeltyp und Schleifer

Düsseldorfer EG: Mike Pellegrims: Kumpeltyp und Schleifer

Mike Pellegrims wird neuer Trainer bei der Düsseldorfer EG. Der 49-Jährige war von 2001 bis 2006 bereits als Spieler beim Club aus der Deutschen Eishockey Liga aktiv.

Düsseldorf. Auf eines steht Mike Pellegrims anscheinend gar nicht: distanzierte Höflichkeit. Bevor er die erste Frage auf seiner ersten Pressekonferenz als neuer Trainer der Düsseldorfer EG beantwortete, musste er also gleich etwas klarstellen: „Ich bin der Mike oder Pelle, wir duzen uns hier“, rief der Belgier in den Raum eines Düsseldorfer Hotels und setzte ein freundliches Lächeln auf. Was wohl so viel heißen sollte wie: Seht her, der alte Pelle ist wieder da. Der ehrliche Malocher, der von 2001 bis 2006 selbst das DEG-Trikot trug, eigentlich nie weg war und noch immer für jeden Spaß zu haben ist.

Seine neuen Spieler dürften in den nächsten Monaten weniger zu lachen haben. Sie werden eher Pelle, den Schleifer, kennenlernen. Dieser Ruf eilt dem 49-Jährigen zumindest voraus. Ein Fitness-Fanatiker sei der ehemalige Verteidiger, heißt es. Einer, der ein kampfbetontes und laufintensives Eishockey spielen und entsprechend trainieren lässt. Und vor allem: Einer, der seinen Mannen keine Nachlässigkeiten verzeiht.

Als Spieler habe er sich einmal als „diszipliniert, zielstrebig und dickköpfig“ beschrieben, erzählte DEG-Pressesprecher Frieder Feldmann, der vor der Pressekonferenz extra in alten Interviews gekramt hatte. Pellegrims gefiel das. Das seien Eigenschaften, die man eben benötige, um es aus einem unbedeutenden Eishockey-Land wie Belgien nach Deutschland zu schaffen. All das zeichne ihn noch heute aus, sagte er: „Man muss sich hochkämfen, Talent alleine reicht nicht.“

Geschäftsführer Stefan Adam saß daneben und sah ganz beseelt aus. Genauso einen hatten sie ja in Düsseldorf gesucht. Denn auch wenn sie Vorgänger und Vereinslegende Christof Kreutzer an der Brehmstraße nichts weniger als die Auferstehung des alten Serienmeisters zu verdanken haben, das schwache Abschneiden in der Vorsaison — Platz elf, verpasste Play-offs — lasten sie zu einem großen Teil dem Trainer an. Der habe das Team nicht mehr weiterentwickeln können und sei zu locker mit seinem alternden Kader umgegangen, hieß es hinter vorgehaltener Hand.

Bei Pellegrims ist das nicht zu erwarten. Der könne den Jungs so richtig Beine machen, sagen sie. Das habe er schon bewiesen: Sechs Jahre lang war er Co-Trainer in Wolfsburg, das zuletzt immer ins Halbfinale oder gar ins Endspiel der Deutschen Eishockey Liga kam. Und erst vor wenigen Tagen führte er den als Außenseiter gestarteten Klagenfurter AC als Chefcoach zur österreichischen Vizemeisterschaft.

Das dürfte mit den Düsseldorfern nicht so leicht zu wiederholen sein, finanziell gehört der Dauermeister der 90er längst nicht mehr zu den Schwergewichten des hiesiges Eishockeys, die Besten des Landes spielen in München, Köln, Nürnberg, Wolfsburg, Berlin oder Mannheim. Aber zumindest außerhalb des Eises wollen es bei der DEG nun wieder wissen. Pellegrims ist nicht der einzige Neue. Daneben gibt es es auch einen neuen Sportdirektor (Niki Mondt) und zwei neue Scouts (Daniel Kreutzer und Thomas Dolak). Nicht ganz zufällig hat das neue Quartett allesamt DEG-Vergangenheit.

„Mehr Identifikation geht nicht“, sagte Geschäftsführer Adam, der den Umbau zu verantworten hat. Und der weiß, dass es nicht wenige Kritiker der Maßnahme gibt, eine rot-gelbe Legende wie Kreutzer wegen einer schlechten Saison abzusägen. Also musste er einen passenden Nachfolger zu präsentieren. Einen, der den Spielern Beine macht und für den Rest als Kumpeltyp daherkommt.

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