Eishockey: Warum gewinnt die DEG keine Spiele mehr?

DEG gewinnt nicht mehr : Mehr Schüsse — weniger Ertrag

Statistisch gesehen spielen die Düsseldorfer Eishockeyprofis nicht schlechter als zuvor, verloren zuletzt aber vier Mal. Ob die DEG bloß Pech oder ein strukturelles Problem hat, könnte sich schon Freitag in Wolfsburg zeigen.

Die Möglichkeiten eines Trainers, auf Niederlagen zu reagieren, sind relativ begrenzt. Er kann die Schuld außen oder innen suchen. Guckt er vor die Tür, bieten sich übermächtige Gegner, parteiische Schiedsrichter oder das unnachgiebige Schicksal als Gründe an. Guckt er – wie es die meisten tun – auf die eigene Mannschaft, kann der Coach meckern oder sich vor sie stellen.

Harold Kreis hat nach dem 1:3 am Mittwoch gegen Nürnberg Letzteres getan. Mehr noch: Der DEG-Trainer hat seine Mannen von jeglicher Schuld freigesprochen. Exemplarisch nannte er den auffälligsten Moment des 41. Saisonspiels in der Deutschen Eishockey Liga: Der klägliche Versuch, bei einer Fünf-gegen-Drei-Überzahl im zweiten Drittel den Ausgleich zu erzielen, gehe auf seine Kappe. Die Mannschaft habe „hart gearbeitet“, sie habe „das, was wir umsetzen wollten, gut umgesetzt“.

Frust sitzt tief nach vier Niederlagen

Das war ehrenwert, aber entsprach nicht ganz der Wahrheit. Denn natürlich wird Kreis seiner Überzahlformation nicht gesagt haben, sich mit zweieinhalb Mann mehr (ein Nürnberger spielte ohne Schläger) so wenig zu bewegen, so ungenau und langsam zu passen und kaum zu schießen. Zudem war die Überzahl nicht allein entscheidend für die Niederlage. Trotz der vielen Düsseldorfer Schüsse hätten die Ice Tigers deutlich früher deutlich höher führen müssen. Selten wurde eine Gastmannschaft im Rather Dome zuletzt zu so vielen Konterchancen eingeladen.

Weil die am Mittwoch bereits die vierte Niederlage in Folge war, ist die Laue nun im Keller. „Der Frust sitzt tief“, sagt Kreis. „Wir haben die Leichtigkeit vom Anfang der Saison verloren“, hat Verteidiger Patrick Köppchen festgestellt. Vorsicht ist also geboten, nicht nur in Sachen Stimmung, sondern vor allem in Sachen Tabelle.

Vorsprung auf Rang sieben ist geschmolzen

In der steht die DEG elf Spieltage vor Schluss immer noch auf Rang drei, aber hinter den enteilten Spitzenteams aus Mannheim und München wird es immer enger. Am zweiten Weihnachtstag betrug der Vorsprung der DEG auf Rang sieben noch 13 Punkte, davon sind noch sechs übrig. Und nach dem aktuellen Wochenende mit Spielen in Wolfsburg (Freitag, 19.30 Uhr) und am Sonntag gegen Augsburg (19 Uhr/jeweils WZ-Liveticker) geht es gegen Mannheim und München. Findet die DEG nicht schnellstmöglich zurück in die Spur, könnte sie ihren sicher geglaubten Viertelfinalplatz verspielen.

Wer sich durch die sozialen Netzwerken wühlt, was man ja nie machen sollte, könnte denken, die Saison sei bereits verloren. Wo nach dem Winter Game Hochstimmung herrschte, sind Optimisten gerade rar. Wer allerdings mit den Beteiligten spricht, die ihr Innerstes auch nicht immer wahrheitsgemäß nach außen kehren, hört Zuversicht.

„Nicht in Panik oder Chaos verfallen“

Die Situation werde zwar „ein bisschen zur Kopfgeschichte“, sagt Köppchen, „aber ich denke, dass das Team mental stark aufgestellt ist, physisch sowieso. Das haben wir schon oft bewiesen, wenn wir zurückgekommen sind.“ Man dürfe jetzt nicht „in Panik und Chaos verfallen“, stattdessen müsse man daran denken, was einen über Monate stark gemacht habe: „Schnelligkeit, Einsatzwille und nicht zu viel wollen.“

Auch Kreis ist weit davon entfernt, alles in Frage zu stellen. Bis auf das Fünf-gegen-Drei soll alles beim Alten bleiben: personell, taktisch. „Wir hatten unsere Chancen“, sagt der Trainer, dem die Zahlen recht geben. Teilweise sind die während der vier Heimniederlagen sogar besser geworden: Hatte die DEG während der ersten 37 Saisonspiele einen Schussanteil von 50,7 Prozent, betrug der nun 54,8 Prozent.

Das mag daran liegen, dass die Düsseldorfer vermehrt zurücklagen und die Gegner nicht nach vorne spielen mussten, allerdings hat sich auch die Gesamtzahl der DEG-Schüsse verbessert: von 31 pro Spiel auf 35. Und sie haben nicht weniger Qualität, der Anteil der Versuche aus der Zone direkt vor dem Tor hat sich kaum verändert: vorher 37,9 Prozent, jetzt 35,7.

Schuss- plus Fangquote: Von 102,5 Prozent auf 91,1

Das große Problem ist allerdings: Die Erfolgsquoten sind deutlich geringer – auf beiden Seiten. Bislang traf die DEG mit etwa jedem zehnten Schuss (10,3 Prozent), ihre Torhüter hielten 92,2 Prozent der gegnerischen Schüsse. Das machte einen Gesamtwert von 102,5. Die DEG brauchte also weniger Versuche als ihre Gegner, um ein Tor zu erzielen. Zuletzt fanden aber nur noch 5,7 Prozent der eigenen Schüsse das Ziel, während die Fangquote der Torhüter auf 85,4 Prozent sank. Macht nur noch 91,1 insgesamt, also 10,4 Prozentpunkte schlechter als zuvor. Ob das bloß temporäres fehlendes Glück oder ein dauerhaftes Qualitätsproblem (der hinteren Sturmreihen) ist, werden die nächsten Wochen zeigen. Viel Zeit bis zu den Play-offs gibt es nicht mehr.

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