Eishockey: Starke DEG fährt zum kriselnden ERC Ingolstadt

Vor dem Spiel in Ingolstadt : Starke DEG, kriselnde Topteams

Der Höhenflug der Düsseldorfer Eishockey-Profis liegt nicht nur an ihnen selbst, sondern auch an den vielen Schwergewichten der DEL, die nicht in Schwung kommen. Auf ein solches trifft die DEG am Freitag in Ingolstadt.

Nach dem mühsamen 3:2-Erfolg am Mittwochnachmittag gegen die Iserlohn Roosters hat Alexander Barta ein Wortpaar verwendet, das im hiesigen Sport stets für erhöhte Aufmerksamkeit sorgt: Deutscher Meister. Der komplette Satz lautete: „Natürlich wäre es ein Traum, Deutscher Meister mit der Düsseldorfer EG zu werden.“

Doch bevor bei Mitspielern und Vorgesetzten, bei Fans und Reportern nun die Schnappatmung einsetzt, sei gesagt, dass das nicht der einzige Satz des DEG-Kapitäns blieb: „Ob das umsetzbar ist? Da gehören so viele Faktoren zu“, ergänzte Barta und gab zu bedenken, dass ein Verein wie die DEG nicht selbstständig entscheidet, wo sie in der Tabelle zu finden ist.

Wer aus dem finanziellen Mittelfeld der Deutschen Eishockey Liga kommt und etwas erreichen will, braucht immer auch kriselnde Schwergewichte: „Wir haben dieses Jahr ein paar Topmannschaften hinter uns gelassen, was natürlich nicht nur an uns liegt, sondern auch an denen. Das ist als Düsseldorfer EG so, und das wird auch erst mal so bleiben. Deswegen muss schon Vieles passen, dass du da oben mitspielen kannst.“

Ingolstadt hinkt den Erwartungen hinterher

Das war nicht nur ein angemessenes Zwischenfazit nach 32 von 52 Spieltagen, das war gleichzeitig auch ein Vorgriff auf das nächste Spiel der DEG. Das steigt — der enge Dezember-Spielplan der DEL sei Dank — bereits diesen Freitagabend (19.30 Uhr/Liveticker auf wz.de/deg) in Ingolstadt, wo die überraschend guten Düsseldorfer (Tabellenplatz zwei) auf einen überraschend schwachen ERC (Tabellenplatz neun) treffen. Natürlich gelten die Teams aus Nürnberg und Wolfsburg, phasenweise auch die aus Berlin und Köln als die Enttäuschungen der Saison, aber auch in Ingolstadt hinken sie den Erwartungen hinterher.

Vor der Saison waren die Oberbayern bei vielen Beobachtern mindestens als Geheimfavorit gehandelt worden, ein Platz unter den Top-Vier der Tabelle sei sicher drin. Doch nach einem ordentlichen Start lief zuletzt nicht mehr viel. Das 2:4 am Mittwoch im Derby gegen Meister München war die vierte Niederlage in den vergangenen fünf Spielen. Davor hatte es zwar vier Siege in Folge gegeben, aber nur einer davon gelang ohne den Umweg über Verlängerung oder Penaltyschießen: ein 4:3 beim Schlusslicht Schwenningen. Übrigens der einzige glatte Drei-Punkte-Sieg der Ingolstädter in den 16 Spielen seit Anfang November. Im selben Zeitraum gewann die ursprünglich deutlich schwächer eingeschätzte DEG neun Mal nach 60 Minuten und holte 19 Punkte mehr als der ERC. Was nichts daran ändert, dass die Ingolstädter die beiden direkten Duelle mit der DEG jeweils nach Verlängerung für sich entschieden.

Für die DEG geht es nur noch darum, wie sie in die Play-offs kommt

Dennoch beträgt der Vorsprung der DEG auf Platz elf mittlerweile 28 Zähler. Deswegen dürfen sie sich in Düsseldorf schon mal langsam auf die Play-offs freuen. Die Frage scheint nur noch zu sein, ob die DEG direkt ins Viertelfinale einzieht (dafür muss sie unter die ersten Sechs kommen) oder dort sogar Heimrecht hat (dafür muss sie unter die ersten Vier kommen).

Ein Selbstläufer wird der Endspurt bis zu den Play-offs aber keineswegs. Das weiß Barta („Es wird immer enger, wenn es zum Ende geht, gibt keiner mehr sorglos die Punkte ab“), das weiß auch Harold Kreis. Er habe festgestellt, sagte der DEG-Trainer während der Pressekonferenz nach dem Iserlohn-Spiel, dass es „immer schwieriger wird, Punkte zu erkämpfen“. Einfach sei es nie gewesen, „aber im Moment merkt man, dass einige Mannschaften wie Krefeld oder Iserlohn sehr, sehr hart und unnachgiebig um Punkte kämpfen“. Zudem habe sein eigenes Team am Mittwoch irgendwann zu oft „eine kompliziertere Lösung gesucht, hier noch ein Pässchen, da noch eine Drehung in der Defensivzone“.

Es war nicht das erste Mal in den vergangenen Tagen und Wochen, dass sie bei der DEG trotz immer neuer Siege unzufrieden mit der eigenen Spielweise waren. Und wenn es eines letzten Beweises bedurft hatte, dass sich die Ansprüche geändert haben, dann ist es vielleicht das. Von Platz zehn als Saisonziel redet längst keiner mehr. Bis jemand von der Meisterschaft spricht, ohne danach mehrere relativierende Sätze folgen zu lassen, dauert es allerdings auch noch.

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