Eishockey: Die DEG ist mehr Ausbildungsverein statt Endstation

Düsseldorfer EG : Zwischenstation auf dem Weg nach oben

In den 90ern galt die DEG als Traumverein für Deutschlands Eishockey-Elite. Nun lockt sie Spieler an, die sich für reichere Klubs empfehlen wollen. Für schlechte Laune sorgt das nicht, die DEG ist stolz, sich die Rolle nach mauen Jahren wieder erarbeitet zu haben.

Hin und wieder blitzt sie noch mal auf, die Kreativität, für die die Fans der Düsseldorfer EG einst berühmt waren. Wie am Mittwochabend beim Fantalk im Stahlwerk. Geschäftsführer Stefan Adam, Manager Niki Mondt und Trainer Harold Kreis stellten sich den Fragen des Eishockey-Volks. Da ging es meist um die üblichen Sommerpausenthemen: Ab- und Zugänge, die alte und die neue Saison; zwischendurch beschwerte sich mal einer über den neuen Spielplan der Deutschen Eishockey Liga, der der DEG fünf Auswärtsspiele an den letzten sechs Spieltagen beschert.

Für den größten Lacher sorgte aber ein Anhänger, der seine Frage im Vorfeld per E-Mail gestellt hatte. Wobei das eher Anregungen waren für das kulinarische Angebot bei Heimspielen: außergewöhnliche Biersorten, eine neue Soße für die Currywurst, spezielle Pommes oder vegetarische Alternativen, selbst einzelne Gewürze wurden aufgezählt. Unrecht hatte der Mann freilich nicht, Auswahl und Qualität an den Imbissständen im Dome sind ja seit langem ein Ärgernis. Nun geloben Hallenbetreiber und Verein Besserung.

Ansonsten herrschte vergnügte Einigkeit zwischen Klub und Publikum: Die abgelaufene Saison — Platz sechs nach der Hauptrunde, Viertelfinalaus im siebten Spiel — war erfreulich, die nächste könnte ähnlich verlaufen. Entsprechend viel wurde gelacht und geklatscht bei gefühlten 35 Grad im Obergeschoss des Stahlwerks.

Talente kamen trotz besserer Angebote von reicheren Klubs

Ob das ab September auch für den Dome und die Kommentarspalten im Internet gilt, kann derzeit niemand sagen. Vom erfolgreichen Kader der Vorsaison ist nicht mal mehr die Hälfte da. 14 Spieler verließen die DEG, die sich nicht über jeden Abgang freute. Mal bot ein Mitbewerber mehr Geld, mal bessere sportliche Perspektiven, mal beides. Bange macht sich bei der DEG dennoch niemand, da sie einige neue Spieler verpflichtet hat, die „von Topteams umworben waren und sich dennoch für Düsseldorf entschieden“, wie Geschäftsführer Adam erfreut feststellte.

Wo also steht die DEG im Sommer 2019? Was Geschichte, Renommee und Aufmerksamkeit angeht, ist sie nach wie vor in der Spitzengruppe zu finden. Adam betonte nicht ohne Stolz, dass sie 2018/19 den besten Zuschauerschnitt (8612, Platz vier) „seit Mitte der 90er“ hatte. Doch natürlich gibt es einen Unterschied zu den goldenen Zeiten der Vereinsgeschichte: Damals war die DEG das „Schlaraffenland im deutschen Eishockey“ („Frankfurter Allgemeine Zeitung“), „eine Art FC Bayern auf Kufen“ („Der Spiegel“). Von 1990 bis 1996 wurden an der Brehmstraße fünf Meisterschaften gefeiert. Ehe herauskam, dass auf dem Weg dahin nicht alles mit rechten Dingen zuging: schwarze Kassen, Millionenschulden. Bis heute hat der Verein nicht zu altem Glanz zurückgefunden. Seit 23 Jahren wartet er auf den nächsten Meistertitel.

Passiert nichts Außergewöhnliches, wird der auch nicht so schnell kommen. Dafür fehlt es an Geld. Zwar ist die DEG in der Lage, einzelne Topspieler zu verpflichten, doch das liegt nicht wie früher an Mäzenen wie Josef Klüh, sondern an günstigen Fügungen. Wenn jemand wie Philip Gogulla noch teilweise vom alten Klub bezahlt wird und in Düsseldorf lebt. Oder wenn die sportliche Leitung um Niki Mondt und Daniel Kreutzer gut scoutet wie bei Ryan McKiernan (kam aus Österreich) oder Jaedon Descheneau (kam aus der zweiten Schweizer Liga), der mit 64 Scorerpunkten in 59 Spielen zu der Entdeckung der Saison wurde. Doch lange währte die Freude nicht, alle drei verließen den Klub diesen Sommer.

Geht es nach Trainer Harold Kreis, am Mittwoch wieder ein Freund des offenen Wortes, bleiben das keine bedauerlichen Einzelfälle: „Wir werden auch künftig wieder Spieler haben, die wir dann nicht halten können.“ Früher war die DEG für Deutschlands Eishockey-Elite das Ziel der Träume, der Klub, bei dem sie reich wurden und Titel gewannen. Heute ist sie keine End-, sondern eine Zwischenstation. Hoffnungsvolle Spieler wollen sich bei ihr für große Gehälter bei anderen Vereinen empfehlen.

Das muss man nicht mal negativ sehen. Und tun sie bei der DEG auch nicht. Sie freuen sich vielmehr, diesen Status nach finanziell wie sportliche mageren Jahren überhaupt wieder erreicht zu haben. „Ein Tobi Eder muss nicht nach Düsseldorf kommen, aber er sieht, dass junge Spieler bei uns Eiszeit bekommen. Die DEG hat ein Umfeld geschaffen, dass Spieler nach Düsseldorf kommen wollen“, sagt Kreis.

Spielerberater „überschütten“ Manager Mondt mit E-Mails

Das gilt nicht nur für ein Talent wie Eder (21, München) oder einen ehemaligen NHL-Spieler wie Luke Adam (29, Mannheim), die andere Optionen als die DEG hatten. Er werde „überschüttet mit E-Mails von Beratern“, hat Niki Mondt am Mittwoch erzählt. Da sei es schwer, eine Auswahl zu treffen, „aber zum Glück ist die Eishockeywelt klein, ich mache viel über mein Netzwerk“. Mondt, 40, kommt entgegen, dass er seit mehr als 20 Jahren im Geschäft ist. Manch ein ehemaliger Mitspieler ist nun Trainer oder Manager, andere sind Berater oder Scout. Meist findet sich einer, den er kennt und etwas über den und den Spieler sagen kann. Zudem schaut er viel Video oder fliegt umher, zuletzt war er in Norwegen und Schweden unterwegs. In der Freizeit sehe er „kein Tageslicht“.

Am Ende dieser langen Tage konnte er dennoch meist zufrieden ins Bett gehen. Jeden, den er haben wollte, habe er bekommen. Nur einen nicht, dessen Name er nicht nannte. Das war wohl Lean Bergmann, 20, bereits Nationalspieler und in der Vorsaison 20-facher Torschütze für Iserlohn. Bergmann ging zu Meister Mannheim, der ganz andere Gehälter zahlen kann. Dennoch zog Bergmann gleich weiter nach San José in die USA, wo er seinen ersten NHL-Vertrag unterschrieb.

Mondt dürfte es gleich sein, er hat wieder einen schlagkräftigen Kader um Kapitän Alexander Barta und Torhüter Mathias Niederberger zusammengestellt. Einen, der es durchaus wieder in die Top-Sechs schaffen könnte. Und einen, der vielleicht wieder den einen oder anderen Spieler hervorbringt, um den sich nach der Saison die halbe Liga streitet. Er wird dann wohl auch gehen. Und Mondt macht sich auf die Suche nach dem nächsten.

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