Eishockey: DEG plant größeren Umbruch in der Sommerpause

Eishockey : DEG erneut vor größerem Umbruch

Es gibt wieder Bewegung im Kader des Eishockeyklubs — trotz der sportlich erfolgreichen Saison. Die war auch wirtschaftlich ein Schritt in die richtige Richtung.

Am Sonntag wird gefeiert. Ab 16 Uhr lädt die Düsseldorfer EG zum Saisonabschluss, der dieses Jahr nicht wie üblich im Stahlwerk, sondern im Quartier Bohème in der Altstadt steigt. Dann sehen die Fans noch mal alle Spieler und Trainer. Und es sollte niemanden überraschen, wenn der Applaus für Tobias Abstreiter besonders lang und besonders laut ausfällt.

Der Co-Trainer verlässt die DEG nach fünf Jahren. Dreimal erreichte sie mit ihm die Play-offs der Deutschen Eishockey Liga, auch diese Saison. Doch nun ist Schluss, das verlorene siebte Viertelfinalduell am Sonntag in Augsburg (1:2) war sein letztes Spiel, der 48-Jährige wechselt zum Deutschen Eishockey Bund und wird Chefcoach der U 20-Nationalmannschaft. Für ihn kommt Thomas Dolak aus dem DEG-Stammverein.

Abstreiter ist nicht der einzige, der am Sonntag Lebewohl sagt. Noch hat die DEG nicht kommuniziert, wer das Team alles verlässt, „aber es wird überraschenderweise nach diesem guten Jahr doch ein etwas größerer Umbruch stattfinden“, sagt Niki Mondt am Mittwochnachmittag bei der letzten Pressekonferenz der Saison. Was nicht zwingend etwas mit den eher mauen letzten Monaten zu tun hat, es sind die äußeren Umstände: „Es gibt vier Kriterien, was in der Summe dazu führt, dass doch wieder ein bisschen mehr passiert im Kader.“

U 23-Regel sorgt für veränderte Planung

Da wären zunächst die Spieler, die die DEG gern behalten würde, die aber wohl nicht zu halten sind: die Topstürmer Philip Gogulla und Jaedon Descheneau. Die zweite Gruppe sind Spieler, die ihre Karriere beenden, wie Verteidiger Alexandré Picard. Hinzu kommen Spieler, „die wir nicht halten wollen, weil wir der Meinung sind, dass wir die Stelle besser besetzen können“, und als vierte Gruppe solche, die der U 23-Regel „zum Opfer fallen“, wie es Mondt ausdrückt.

Um den Nachwuchs zu stärken, darf jedes der 14 DEL-Teams nächste Saison nur noch 17 Feldspieler aufstellen, die älter sind als 23. Aktuell bekommen sie ihre sechs Verteidiger und zwölf Stürmer noch ausschließlich mit Älteren zusammen, nächstes Jahr benötigt jedes Team dafür mindestens einen U 23-Spieler. Mehr noch: Weil ja nicht immer alle fit oder in Form sind, geht Mondt davon aus, dass „man eher vier oder fünf junge Spieler braucht“.

Leidtragende sind vor allem ältere deutsche Spieler aus der vierten Reihe. „Für die sind dann 14 oder sogar 28 Plätze in der Liga weg“, sagt Mondt. Zwar nennt er keine Namen, aber Stürmer wie Lukas Laub, Stefan Reiter, Christian Kretschmann und selbst ein beliebter und langjähriger Spieler wie Manuel Strodel dürften es dann schwer haben.

DEG soll jünger und etwas robuster werden

Im Gegenzug kommt eine ganze Reihe neuer Spieler. Die DEG soll nicht so abhängig sein von der ersten Reihe, zudem jünger und etwas robuster. Das wird Trainer Harold Kreis freuen. Er habe sich im Laufe der Saison schon manchmal gewünscht, einen größeren und kräftigen Mann im Kader zu haben, der den Gegnern signalisiert: Bis hier hin und nicht weiter.

Auch Mondt bestätigt, dass das nicht immer knallharte Körperspiel intern „ein Thema“ gewesen sei, sagt der Manager, dennoch wolle er den grundsätzlichen Charakter des Teams nicht ändern. „Wir wollen das Tempo beibehalten, uns aber auch nicht einschüchtern lassen.“

Auch in Sachen Zugänge werden noch keine Namen genannt, trotzdem sind bereits einige durchgesickert. Die DEG soll sich mit dem norwegischen Verteidiger Johannes Johannesen ebenso einig sein wie mit dem dänischen Abwehrspieler Nicholas Jensen und dem jungen deutschen Stürmer Tobias Eder.

Insgesamt könnten es sogar mehr Zu- als Abgänge sein, weil es den Verantwortlichen gar nicht gefallen hat, dass sie während der Verletzungsmisere zum Ende der Hauptrunde nicht personell reagieren konnten. Er werde aber nicht anfangen, für den Notfall mit fünf vollen Sturmreihen zu planen, sagt Mondt. Erstens möchte er nicht, dass schlechte Stimmung entsteht, sollten alle fit und einige dauerhaft auf der Tribüne sitzen. Zweitens fehle dafür das Geld.

Bester Zuschauerschnitt seit 25 Jahren

Das ist im deutschen Eishockey ja stets Thema. Und auch in der Hinsicht blicken sie bei der DEG zufrieden auf die Saison zurück. Der Zuschauerschnitt (8612) ist dank der starken Saison der beste seit 25 Jahren. Zudem kamen neue Sponsoren hinzu, „einige ältere haben bereits teilweise langfristig verlängert“, kann Stefan Adam berichten.

Trotzdem darf der Geschäftsführer künftig nicht mit mehr Geld planen. Die höheren Einnahmen bedeuten lediglich, dass der Anteil, den die Gesellschafter dazuschießen, sinkt. Vergangene Saison schulterten Stephan Hoberg und Peter Völkel knapp ein Drittel des Etats, der zwischen acht bis neun Millionen Euro liegt, nun ist das weniger geworden.

Dennoch seien sie lange nicht am Ziel. Das lautet: wirtschaftliche Unabhängigkeit von den Mäzenen, die sich ursprünglich für drei Jahre bereiterklärt hatten, die DEG wieder nach vorne zu bringen. Die drei Jahre sind nun vorbei, zwar bleiben die Gesellschafter dabei, aber ob sie das im gleichen Umfang tun, wird die Zeit zeigen. Noch kann die DEG nicht ohne sie auf dem aktuellen Niveau Eishockey spielen, aber es entwickelt sich. Die Saison war nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich ein Schritt in die richtige Richtung.

Kreis will den Punkteschnitt erhöhen

„Wir brauchen eine positive Grundstimmung rund um die DEG“, sagt Adam, „dann können wir weiter kommen“ – erst mal, um denselben Etat zu garantieren. Sportlicher Erfolg ist schließlich die Voraussetzung dafür, damit Ticket-, Sponsoren- und Fanartikeleinnahmen weiter steigen. Und geht es nach Trainer Harold Kreis, war die überraschend gute Saison kein positiver Ausrutscher, im Gegenteil: „Dieses Jahr hatten wir einen Punkteschnitt von 1,59 pro Spiel, das ist gut, aber das können wir steigern.“

Zwar ist die DEG als Achter bis Neunter der Etattabelle kein sicherer Top-6-Kandidat, zumal ein Großteil der Spiele so eng war, dass zehn Punkte oder weniger locker drin gewesen wären. Den Anspruch, wieder zur oberen Tabellenhälfte zu gehören und das Viertelfinale zu erreichen, wird das Team dennoch haben. Egal, wie groß der Umbruch ausfallen mag.

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