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Düsseldorfer Eishockey-Torwart Hendrik Hane: Von der Tribüne aufs Eis

Junger DEG-Torwart : Von der Tribüne aufs Eis — Hane gibt sein Heimdebüt

Vor 13 Jahren saß Hendrik Hane erstmals mit seiner Familie als Fan im Rather Dome, am Sonntag gegen Straubing steht der 19-jährige Düsseldorfer dort für die DEG in der Deutschen Eishockey Liga im Tor.

Es ist gut 13 Jahre her, da wollte die Familie Hane diese große neue Multifunktionshalle in Rath besuchen. Eine besondere Beziehung zum Eishockey hatte sie nicht, aber man kann sich die DEG ja mal im Dome ansehen. Gesagt, getan — und es brauchte nicht mal das ganze Spiel, ehe sich der damals sechsjährige Hendrik verliebt hatte. In die DEG ebenso wie ins Eishockey. Also ging er kurze Zeit später erstmals zum Training an der Brehmstraße und fand gleich seine Lieblingsposition: „Ich habe zwei Monate draußen Schlittschuhlaufen gelernt, dann bin ich direkt ins Tor gegangen. Ich fand die Masken ganz cool“, erinnert er sich.

An diesem Sonntag schließt sich der Kreis für Hendrik Hane. Dann gibt der mittlerweile 19-Jährige sein Profidebüt im Dome, wenn die DEG ab 16.30 Uhr gegen den überraschend starken Tabellendritten aus Straubing spielt. Zwar kann Hane, der seit dieser Saison fest zum Profikader gehört, mittlerweile auf vier Einsätze in der Deutschen Eishockey Liga zurückblicken, aber die fanden allesamt auswärts statt. Nun darf er endlich zu Hause ran, und natürlich wird die Familie wieder auf der Tribüne sitzen.

Um nicht völlig ohne Spielpraxis auflaufen zu müssen, stand er am Freitagabend noch beim Kooperationspartner in Essen in der dritten Liga auf dem Eis. Wie die eigentlichen Kollegen daheim in Düsseldorf gegen Nürnberg (2:3 nach Penaltyschießen) verlor er: Am Ende hatte er beim 3:5 gegen die Tilburg Trappers vier Treffer kassiert, der letzte fiel ins leere Tor. Da hatte sich das bewahrheitet, was sich Harold Kreis unter der Woche von Hanes Ausflug ins Ruhrgebiet versprochen hatte: „Da bekommt er gut zu tun“, sagte der DEG-Trainer, der bewusst gewartet hatte, ehe er seinem zweiten Torwart ein Heimspiel gibt. Auswärts stünde Hane nicht so im Fokus, da könne er ihn behutsamer an die DEL heranführen. Zur Wahrheit gehört aber natürlich auch, dass die Tabelle so eng ist, dass Kreis so oft wie möglich auf den überragenden Mathias Niederberger setzt.

Gute Auftritte für die U 20-Nationalmannschaft

Nun braucht Niederberger aber eine Pause. 33 der 37 Saisonspiele hat der Nationaltorwart bestritten, zuletzt 16 in Folge, teilweise im Drei-Tage-Rhythmus. Es sei natürlich „nicht das Schönste“, oft draußen zu sitzen, „ich würde gerne mehr spielen“, sagt Hane. Aber erstens „habe ich in Mathias eine Hausnummer vor mir“, zweitens „war ich in der Phase, in der ich mehr gespielt hätte, bei der U 20-WM“.

Hane ist Teil der „goldenen Generation“ des Deutschen Eishockey-Bundes um Tim Stützle (Mannheim) oder Moritz Seider (USA). Vergangene Saison sorgte er mit sensationellen Leistungen für den Aufstieg der U 20-Nationalmannschaft in die A-WM, um den Jahreswechsel half er nun dabei, gegen die besten Junioren der Welt den Abstieg zu vermeiden.

Dass beim Turnier in Tschechien Dutzende Talentspäher auf den Tribünen saßen, ist Hane natürlich nicht entgangen. Und auch wenn er nicht davon ausgeht, dass sich eins der 31 NHL-Teams beim kommenden Draft seine Transferrechte sichert, hat er den Traum Nordamerika nicht aufgegeben: „Klar wäre es mein Ziel, es nach drüben zu schaffen. Aber jetzt befasse ich mich mit Düsseldorf, ich muss erst mal hier meine Leistung bringen.“

Der 19-Jährige überzeugt vor allem durch mentale Stärke

Das tat er bislang. Was ihm durchaus bewusst ist: „Ich habe schon im Training gemerkt, dass ich mithalten kann.“ Während seiner bislang vier DEL-Einsätze sah das nicht anders aus. Insgesamt wehrte er 91,4 Prozent der Schüsse ab und kassierte nur einmal mehr als zwei Gegentore. In Schwenningen Mitte Oktober waren es seine Paraden, die der DEG einen glücklichen 3:2-Sieg nach Penaltyschießen bescherten. In Nürnberg Ende November wurde er trotz der 0:3-Niederlage zum Spieler des Spiels ernannt. Das gelang ihm nun auch bei der U 20-WM gegen die Supertalente aus Russland.

Das liegt vor allem an Hanes mentaler Stärke. An der fehlt es jungen Torleuten ja meist noch, weil schon ein kleiner Fehler fatale Folgen haben kann. Doch Hane scheint das alles nicht zu kümmern. „Den bringt nichts aus der Ruhe“, sagt DEG-Assistenztrainer Thomas Dolak. Das passt zu seinem Charakter. „Ich bin generell ein ruhiger Typ“, sagt Hane selbst. Trotzdem habe er sich erst daran gewöhnen müssen, mit Rückschlägen umzugehen. „Meistens lernt man es auf die harte Tour, aber man darf nicht über den Fehler oder sich selbst nachdenken. Wenn einer drin ist, denke ich: Den nächsten halte ich.“ Denn der kommt bestimmt. Gern mit 150 Stundenkilometern.

Hilfe bekommt er dabei auch von Mathias Niederberger — auf und vor allem neben dem Eis. Es könnte schlechtere Ratgeber geben als den aktuellen Nationaltorwart. Vor allem, wenn es auffallende Parallelen gibt: Beide sind etwas kleiner als andere moderne Torhüter. Beide sind schnell auf den Beinen und machen viel durch ihr gutes Stellungsspiel. Beide sind gebürtige Düsseldorfer. Beide haben sämtliche Jugendteams an der Brehmstraße durchlaufen. Bis Hane ähnlich populär bei den DEG-Fans ist, wird es aber dauern. Das Spiel am Sonntag soll ein Anfang sein.