Düsseldorfer EG: Keine Ideen — keine Punkte

Eishockey - Düsseldorfer EG : Keine Ideen — keine Punkte

Die Fans sorgen im Heimspiel mit einer großen Choreografie für Aufsehen. Doch der Mannschaft fällt Offensiv an dem Null-Punke-Wochenende kaum etwas ein.

Sie hatten sich zum Start wieder etwas Besonderes ausgedacht, die Fans auf der Osttribüne des Rather Domes. Als die Mannschaften am Freitagabend für das erste Saisonspiel der Deutschen Eishockey Liga aufs Eis kamen, stand es in großen Lettern am Plexiglas: „Für uns gibt es nur ein Gebot, wir fahren bis zur Endstation.“ Dahinter waren metergroße Haltestellenschilder mit den erhofften Etappen zu sehen: von der Hauptrunde bis zum Finale. Und ganz außen schwebte der Meisterpokal.

Das bedeutet freilich nicht, dass die Fans der Düsseldorfer EG wirklich davon ausgehen, ihre Mannschaft werde im April zum neunten Mal Deutscher Meister, auch die größten Optimisten wissen um die finanziellen wie sportlichen Realitäten in Mannheim und München. Aber die Choreographie machte eins deutlich: Die Erwartungen an die DEG sind so hoch wie lange nicht.

Das dürfte auch die herben Reaktionen nach den Niederlagen gegen Bremerhaven (0:1) und in München (2:3) erklären: In der Halle waren Pfiffe zu hören, im Internet schien für manche die Saison schon gelaufen zu sein. Das ist nach zwei von mindestens 52 Spielen natürlich aberwitzig. Und dennoch täte die DEG gut daran, das Null-Punkte-Wochenende ernst zu nehmen, die Auftritte boten mehr Anlass zur Sorge, als es die knappen Ergebnisse aussagen.

Defensiv hatten sich die Düsseldorfer nicht viel vorzuwerfen. Auch wenn sie in einige Konter rannten, das passiert nun mal im Eishockey. Und wohl dem, der einen Mathias Niederberger hat. Der 26-Jährige wehrte 58 von 62 Schüssen ab (Fangquote: 93,6 Prozent), gleich 30 davon kamen aus der gefährlichen Zone direkt vor dem Tor. Die DEG wiederum kam kaum kontrolliert in den Bereich, aus dem Tore am wahrscheinlichsten sind. Was die Beteiligten unumwunden zugaben: „Wir hatten keine Großchancen“, sagte Stürmer Chad Nehring am Freitag. „Wir haben kaum Torgefährlichkeit kreiert“, sagte Verteidiger Bernhard Ebner am Sonntag.

Das war nicht bloß ein Gefühl, das belegen die Zahlen. Lediglich 50 Mal schoss die DEG am Wochenende aufs Tor. In der Vorsaison lag der Durchschnitt pro Doppelspieltag bei 63,3. Auch die Qualität ließ zu Wünschen übrig: Im Vorjahr kamen pro Wochenende 23 Schüsse aus der gefährlichen Zone, jetzt waren es 18. Besonders am Freitag tat sich die DEG schwer, strukturiert nach vorne zu kommen, die Bremerhavener machten kaum Fehler und stellten die Mitte so zu, dass der DEG meist nur außen herum spielen konnte. Ohne echte Idee

Das war nach den starken Testspielergebnissen — alleine zwölf Tore während der drei Spiele auf der abschließenden Schweiz-Tour — überraschend. Chad Nehring konnte das aber recht simpel erklären: „In der (Schweizer) Liga wird offener und schneller gespielt, das liegt uns. Hier ist das Spiel enger.“

Das Spiel am Sonntag unterstützte die These. Obwohl die Münchener individuell stärker besetzt sind als die Bremerhavener, kam der DEG mit ihnen besser zurecht. Das offensive Spiel des Vizemeisters sorgte bei Scheibengewinnen für Räume, nicht zufällig fielen beide Düsseldorfer Tore durch Gegenstöße. Doch sobald das Spiel statisch wurde, fiel der DEG auch in München nicht viel ein. Sinnbild dafür war eine vierminütige Überzahl im zweiten Drittel, als es fast keine Abschlüsse gab.

Nervös machen will sich dennoch niemand. Der Kader mit mehr als einem Dutzend neuer Spieler braucht Zeit. Keine einzige Sturmreihe und nur ein Abwehrverbund kennt sich länger als einige Wochen. Verteidiger Marco Nowak bleibt deswegen gelassen: „Wir wissen genau, was wir für ein Potential in der Mannschaft haben. Ich mache mir überhaupt keinen Kopf.“

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