Düsseldorfer EG: Die DEG trifft das Tor zu selten

Düsseldorfer EG: Die DEG trifft das Tor zu selten

Die DEG hat den zweitschlechtesten Sturm der Liga, das bereitet aktuellen und ehemaligen Spielern Sorge. Jetzt geht es nach Iserlohn.

Düsseldorf. Die Tribünen des Rather Domes waren längst geleert, auch in den Katakomben war fast niemand mehr zu sehen, da kam Walter Köberle im Presseraum vorbei. Der Mann, der die amtliche Bezeichnung „DEG-Legende“ im Namen führt, wollte anscheinend noch nicht nach Hause. Dabei steuerte der Mittwochabend auf sein Ende zu. Doch Köberle hatte Redebedarf. Dieses 2:3 nach Verlängerung seiner Düsseldorfer EG gegen die Schwenninger Wild Wings, die dritte Niederlage in Serie, wollte ihm nicht aus dem Kopf gehen. Vor allem die Offensive beschäftigte den ehemaligen Topstürmer.

Trainer Mike Pellegrims, fand Köberle, habe recht, wenn er sage, dass man sich auf die Schussstatistik (38:20) nichts einbilden brauche, wenn seine Mannen zu selten dahingehen, wo es im Wortsinn wehtut: Direkt vor das Tor, wo einen die gegnerischen Verteidiger mit ihren Ellbogen und Schlägern bearbeiten. Oder wo einen der Puck treffen kann. „Wenn du da nicht hingehst, hat der Torhüter freie Sicht“, sagte Köberle. Nur außen herumfahren, bringe doch nichts.

Es waren recht einfache Wahrheiten, die Köberle da unters wenige Volk brachte. Aber dadurch waren sie ja nicht falsch. Das Eishockey mag sich seit seinen aktiven Zeiten — Ende 60er bis Anfang 80er — fundamental verändert haben, aber wie man Tore schießt, das weiß der Walter bis heute. In seiner Karrierestatistik gibt es ja weit mehr als 400 davon.

Also stand er nun da vor dem Podium des Presseraums und machte noch mal vor, wie das geht mit dem Toreschießen. Wie man sich vor dem Tor zu verhalten habe. Oder wie man aus der Bedrängnis schießt. Und es beschlich einen das Gefühl, dass Köberle, der am Samstag 69 Jahre alt wird, am liebsten selbst noch mal die Schlittschuhe schnüren würde, um es allen zu zeigen. Und er würde treffen, ganz sicher.

Die fehlenden Torausbeute hatte eine halbe Stunde zuvor auch aktuelle DEG-Spieler beschäftigt. Verteidiger Marco Nowak zum Beispiel, der sein Team sogar schlechter machte, als es eigentlich ist. „Wir haben die wenigsten Tore der ganzen Liga“, sagte Nowak. Was nicht stimmt, Schlusslicht Straubing (95 Tore) ist noch schlechter als die DEG (99). Was allerdings stimmt, war Nowaks zweite Aussage: „Man muss mehr als ein, zwei Tore pro Spiel schießen.“ Zumindest, wenn man in der Deutschen Eishockey Liga regelmäßig gewinnen will.

In der Theorie sieht das mit den beiden Topreihen Dmitriev-Barta-Kammerer und Welsh-Bordson-Henrion eigentlich nicht schlecht aus. In der Praxis hat dieses Sextett seit dem 1:3 gegen München Anfang Dezember — dem Beginn der Torflaute — aber nur 13 Tore geschossen. In 14 Spielen. Die Schuld bei den Topstürmern abzuladen, kam Nowak allerdings nicht in den Sinn: „Wir haben auch genug andere gute Stürmer und Verteidiger, die Tore schießen können, und das müssen sie jetzt auch.“ Aktuell tun sie das aber nicht. In nur drei der vergangenen 14 Spiele schoss die DEG mehr als zwei Tore. Prompt verlor sie zehn davon.

Nun hat die DEG allerdings Glück, dass es der Spieltag gut mit ihr meint. Bereits am Freitag (19.30 Uhr/WZ-Liveticker) geht es zu den Iserlohn Roosters. In den vergangenen Jahren waren die Spiele gegen die Sauerländer eher kein Vergnügen für alle, die es mit den Rot-Gelben halten. Vor allem nicht, wenn sie in der für Gegner ungemütlichen Halle am Seilersee stattfanden. In dieser Spielzeit ist das anders. Obwohl die Iserlohner beste Chancen haben, sich direkt fürs Viertelfinale zu qualifizieren, hat die DEG eine beeindruckende Bilanz gegen sie: drei Spiele, drei Siege, 14 Tore.

Geht es nach Nowak, muss am Freitag der vierte folgen. Danach kommen ja nur noch zehn Spiele, in denen es für den Tabellenachten darum geht, nicht mehr als zwei Plätze abzurutschen. „Wir müssen jetzt einfach jedes Spiel gewinnen. Wir wollen in die Play-offs, wir wollen nicht noch mal so eine Scheiße erleben wir letzte Saison.“

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