Die DEG geht mit einem neuen Selbstverständnis in die neue Saison​

Eishockey : Neue Saison — neues Selbstverständnis

Zuletzt startete die DEG zweimal in die Vorbereitung, um das schwache Vorjahr aus den Köpfen zu bekommen. Nach der starken vergangenen Saison ist die Laune an der Brehmstraße eine andere.

Harold Kreis war nicht wunschlos glücklich, als er am Montagmittag zwischen den beiden Eishallen an der Brehmstraße stand und zu den Reportern sprach. Nicht, dass er etwas an den Bedingungen beim ersten offiziellen Eistraining der Saisonvorbereitung auszusetzen hatte oder gar am Engagement seiner Spieler — es ging um ihn selbst. „Ich war mit meiner Auswahl (der Übungen) nicht so zufrieden, das war zu einfach für die Truppe“, sagte der Trainer der Düsseldorfer EG. „Ich hatte nicht den Eindruck, dass heute jemand zum ersten Mal auf dem Eis war.“

Nun ist es keine neue Erkenntnis, dass die Zeiten vorbei sind, in denen Eishockeyprofi ein Neun-Monats-Job war. Niemand nutzt die Vorbereitung noch dazu, überschüssige Pfunde abzutrainieren und in Form zu kommen. Nach einigen Wochen Urlaub wird gleich wieder trainiert, gern in privat organisierten Gruppen mit Spielern anderer Vereine. Mathias Niederberger fliegt dafür gar nach Nordamerika zu speziellen Torhüter-Camps — auf eigene Kosten.

Wie fit und motiviert sich seine Mannschaft bei der ersten richtigen Eis-Einheit präsentierte, war für Trainer Kreis aber doch überraschend. Ein Spieler war sogar zu ihm gekommen und hatte um eine Tempoverschärfung gebeten, er würde zwischen den Übungen zu lange tatenlos herumstehen. Für Kreis stand deswegen fest: „Morgen sieht das anders aus.“

Es herrscht ein anderer Geist bei der DEG als in den Vorjahren. 2017 und 2018 war das Team jeweils mit dem Ziel in die Vorbereitung gestartet, die schlechte Vorsaison aus den Köpfen zu bekommen, weil die mal wieder viel zu früh geendet war. Das tut sie ja immer, wenn am Ende eine andere Mannschaft den Meisterpokal in die Luft recken darf, aber ganz ohne Play-offs sieht das noch mal anders aus.

Der große Umbruch soll für mehr Tiefe im Kader sorgen

Vergangene Saison war es vom Start weg besser gelaufen: sieben Siege in Folge, Tabellenführung. Auch danach gehörte die DEG lange zur Spitzengruppe der Deutschen Eishockey Liga, erst Mitte Januar ging es bergab, als sich Formkrisen und Verletzungen häuften. Bis auf die erste Sturmreihe und Torhüter Niederberger kamen nicht mehr viele an ihre Topform heran. Trotzdem durften sie an der Brehmstraße mit Platz sechs und dem knappen Viertelfinal-Aus gegen Augsburg zufrieden sein. Danach ging es endlich mal wieder mit guter Laune in den Sommer.

 Die ist auch jetzt noch zu spüren. Vor allem bei Alexander Barta, der nicht nur auf dem Eis spielfreudig wirkte, auch danach lachte und lächelte er: „Es ist immer schön, eine gute Saison gehabt zu haben“, sagte der Kapitän, der das nicht nur bei denen merkt, die bereits länger in Düsseldorf spielen, sondern auch an den vielen Zugängen. Nach düsteren Jahren treten die ja manchmal so auf, als wüssten sie alles besser, dieses Mal ist das anders: „Man merkt an den Neuen, dass sie zuhören.“

Zu denen gehört auch Max Kammerer, der aber kein wirklich Neuer ist. Nach einem enttäuschenden Jahr in Nordamerika ist der Flügelstürmer zurück bei der DEG und hat ein neues Selbstverständnis ausgemacht. „Man merkt, dass wir ein gutes letztes Jahr hatten. Die Erwartungen sind andere“, sagt Kammerer und weiß auch warum: „Es macht mehr Spaß, eine starke Saison zu bestätigen, als erst mal eine starke zu spielen.“ Auch Kreis hat ein Umdenken festgestellt: „Die Latte liegt höher, aber sie lag letzte Saison auch zu tief.“

Davon ist nun nicht auszugehen. Natürlich rechnet niemand mit der Meisterschaft, dafür ist der finanzielle und sportliche Rückstand auf Topteams wie Mannheim und München zu groß, aber eine Bestätigung des Vorjahres sei durchaus drin, sagt Kreis, der in seine zweite Saison geht. Auch das war 2017 und 2018 anders, da kam jeweils ein neuer Übungsleiter. Nun gibt es auf der Cheftrainerposition Konstanz, doch um ihn herum hat sich einiges getan: neuer Co-Trainer (Thomas Dolak), neuer Torwarttrainer (Magnus Helin, siehe Kasten) und vor allem: viele neue Spieler. Das traditionelle Gruppenbild der Zugänge sah fast aus wie ein Mannschaftsfoto.

Das war nötig, weil sich Topspieler wie Philip Gogulla, Jaedon Descheneau und Ryan McKiernan verabschiedeten, weil Gehalt und Perspektive woanders verlockender waren. Hinzu kamen mehrere Spieler, die ihre Karrieren beendeten. Mit wieder anderen war DEG-Manager Niki Mondt nicht zufrieden, es habe dem Kader an Tiefe gefehlt. Deshalb fiel der Umbruch deutlich größer aus als zunächst gedacht.

 Nun liegt es an Kreis und seinem Trainerteam, aus den 26 Spielern wieder eine Mannschaft zu formen. Bis 13. September muss das passieren, dann startet die DEG daheim gegen Bremerhaven in die Saison — mit neuem Kader und mit neuem Selbstverständnis.

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