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Das Selbstvertrauen ist zurück bei der DEG

Das Selbstvertrauen ist zurück bei der DEG

Nach den zuletzt emotionslosen Auftritten gab’s in Wolfsburg eine kämpferisch überragende Leistung. Am Freitag geht’s weiter.

Düsseldorf. Die Nacht war kurz für die Eishockey-Profis der Düsseldorfer EG. Erst gegen 3:30 Uhr war der Bus gestern Morgen aus Wolfsburg zurück. Für Christof Kreutzer trotzdem kein Grund, das Training nach hinten zu verschieben oder gar ausfallen zu lassen. Um 11.30 Uhr bat der Coach bereits wieder aufs Eis. Meckern wollte keiner. Die Play-offs, die am Freitag. (19.30 Uhr/ Dome) mit Spiel zwei weitergehen, machen es möglich.

Die heiße Phase einer jeden Eishockey-Saison lässt die Spieler seit Urzeiten alles um sie herum vergessen. Kleinere Wehwehchen ebenso wie den Alltag. Alles wird dem großen Ziel — dem Titelgewinn —untergeordnet.

Dem ist die DEG am Mittwoch auf beeindruckende Weise nähergekommen. Zwar bemühten sich nach 4:1 zum Auftakt der Viertelfinalserie alle Beteiligten darauf hinzuweisen, dass lange nichts erreicht sei. Was nach dem ersten von erforderlichen zwölf Siegen zum Titel auch mehr Realismus als Tiefstapelei war. Aber wer nach dem Spiel die Stimmung rund um die Gästekabine erlebte, der sah, dass die wichtigste Gefühlsregung wieder da ist: das Selbstvertrauen.

Daran hatte es zuletzt gemangelt. Weil der DEG die Teilnahme am Viertelfinale über Wochen nur noch rechnerisch zu nehmen war, ließ sie die DEL-Hauptrunde etwas austrudeln. Ganze zwei Siege holten sie aus den letzten acht Spielen. Schon ging die Angst unter den Fans um, ihr Team sei in ein so tiefes Loch gefallen, dass es fast unmöglich sei, dort wieder herauszuklettern.

Doch weit gefehlt: Der Auftaktsieg in Wolfsburg war nicht das Ergebnis einer spielerischen Glanzleistung, es waren die längst zur Phrase verkommenen Tugenden wie Kampf und Leidenschaft, die den Unterschied ausmachten. Ob in den Ecken oder vor den Toren, ob der eher kleine Marcel Brandt oder der gerade erst genesene Stephan Daschner — sie alle wirkten wie losgelassene Kampfhunde. Auch die Stürmer — wie der endlich fitte und ganz starke David Van der Gulik oder eigentliche Ästheten wie Norm Milley oder Rob Collins — schmissen sich in die Zweikämpfe.

„Nur so geht es“, lobte Abwehrchef Tim Conboy, der selbstredend wieder der größte aller Kämpfer war. „Natürlich sagt vor den Play-offs jedes Team, dass es so starten will, und natürlich klappt es nicht immer. Aber heute hat jeder von der ersten bis zur letzten Reihe seine Aufgaben erfüllt.“

Das galt selbst für die Unterbrechungen. Stand ein Wolfsburger zu nah am überragenden Goalie Mathias Niederberger, wurde er gleich abgeräumt. Auch Trainer Kreutzer freute sich über die „körperliche Präsenz“, warnte aber zugleich, keine „dumme Strafzeiten“ zu ziehen. „Wir müssen es clever machen.“

Das gelang am Anfang nicht immer. Allein im ersten Drittel gaben die zunächst kleinlichen Schiedsrichter den Gästen acht Strafminuten. Danach jedoch keine einzige mehr. Die Referees bräuchten „wie die Spieler Zeit, um in die Play-offs reinzukommen“, sagte Conboy, „sie haben das gut gemacht“.

Auf eine ähnlich souveräne Leistung hoffen sie Düsseldorfer auch am Freitag. Wolfsburg wird definitiv anders auftreten, das war am Gesicht des enttäuschten Trainers Pavel Gross abzulesen. Und dass die DEG auch nur einen Zentimeter von ihrer Spielweise abrückt, ist nicht zu erwarten. Es sind schließlich Play-offs.