Düsseldorfer EG: Daniel Kreutzer beendet Karriere: Die DEG verliert ihr Gesicht

Düsseldorfer EG: Daniel Kreutzer beendet Karriere: Die DEG verliert ihr Gesicht

Kapitän Daniel Kreutzer beendet seine Karriere nach 20 Profi-Jahren. Seine Schulter lässt kein Eishockey mehr zu.

Düsseldorf. Als ihm bewusst ist, dass es nun ernst wird, atmet Daniel Kreutzer einmal tief durch. Eben, kurz vor der Pressekonferenz im Business-Club des Rather Domes, hat er noch gescherzt und gelacht. Obwohl er wusste, dass er gleich diesen einen Satz sagen muss, vor dem sich jeder Leistungssportler fürchtet.

Foto: Birgit Häfner

Wahrscheinlich wusste er schon vor Monaten, dass es bald so weit kommen würde. Die Schulter tat ja immer mehr weh. Was der Kapitän der Düsseldorfer EG auch versuchte, es wollte sich einfach nicht mehr genug Muskelmasse bilden, die das lädierte Gelenk stabilisiert hätte. Wie will man damit weiter hauptberuflich Sport treiben? Erst recht Eishockey, wo jeder Einsatz dein letzter sein kann, weil dich einer mit Karacho in die Bande checkt oder dir der Puck mit 150 Stundenkilometern ins Gesicht fliegt?

Aber nun, da Pressesprecher Frieder Feldmann ihm offiziell das Wort erteilt hat und ihn mehrere Dutzend Augen und Kamera-Objektive ansehen, muss Daniel Kreutzer doch einmal schlucken, ehe er sagt: „Es ist die Zeit gekommen, dass ich mein Karriereende bekanntgebe.“

Er kann das natürlich ruhigen Gewisses tun. Er ist 37 Jahre alt und muss niemanden mehr etwas beweisen. Weit mehr als 1000 Spiele hat er in der Deutschen Eishockey Liga gemacht. Er hat 796 Scorerpunkte gesammelt, mehr als jeder andere jemals. Seine 268 Tore reichen für Platz drei der ewigen Bestenliste, seine 528 Vorlagen für Platz zwei. Er führt DEG-intern jede der drei Listen mit weitem Abstand an. Dazu hat er zwölf Weltmeisterschaften und zwei Olympische Spiele erlebt. Wer kann das alles schon von sich behaupten?

Entsprechend sind die Lobeshymnen. Er habe „wahnsinnig viel für unseren Verein und für Deutschland in dieser Sportart getan“, sagt Geschäftsführer Stefan Adam. DEL-Chef Gernot Tripcke nennt ihn ein „Aushängeschild der Liga“, einen „überragenden Botschafter für unseren Sport“. „Die Statistiken sagen ja schon alles, er ist nicht nur gefühlt, sondern statistisch belegbar der beste Scorer der DEL, der beste der DEG. Die letzten 20 Jahre war er ein Star der Liga und der Star der DEG. Er ist das Gesicht der DEG“, sagt Niki Mondt.

Mondt muss so etwas natürlich sagen, er ist der Sportliche Leiter des Vereins, der gerade eine seiner größten Legenden verliert. Eine, die fast ihr ganzes Leben in Rot-Gelb verbracht hat. Weil ihre Eltern die Stadion-Gastronomie an der Brehmstraße geführt haben und sie schon als Kleinkind Schlittschuhe trug. Mondt sagt das aber auch als Freund, als einer, der Daniel Kreutzer immer begleitet hat. Erst als Jugendspieler, dann als Profi, jetzt als Funktionär. Das werden die beiden auch künftig tun. Kreutzer soll natürlich in den Verein eingebunden werden. Noch ist die Rolle nicht ganz klar. Aber eben nicht mehr als Aktiver auf dem Eis.

Das wollte auch seine Frau Nadine auch nicht mehr. „Froh“ sei sie, dass er endlich aufhört, sagt sie. Die vielen Reisen, die vielen Verletzungen. 2013 brach er sich den Nackenwirbel. Schon damals hätte sie gern gesehen, dass er es lässt mit dem Eishockey. Aber er wollte nicht, er wollte der damals am Boden liegenden DEG gemeinsam mit seinem Bruder Christof (damals Co-, später Cheftrainer) aufhelfen. Und er wollte Deutscher Meister werden. Geklappt hat das nicht. Deswegen hätte er auch jetzt gern noch weitergemacht, noch „zwei, drei Jahre“. Seine Schulter sieht das anders.

Er werde das Leben als Eishockey-Profi natürlich vermissen, sagt er. „Mit den Jungs in der Kabine zu sein, auf dem Eis zu stehen und vor zigtausend Erfolge zu feiern, Tore zu schießen. Diese Gefühle wird man jetzt nicht mehr so erleben.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung