Christian Ehrhoff im Interview: Mit Pittsburgh zum Meistertitel

Christian Ehrhoff im Interview: Mit Pittsburgh zum Meistertitel

Christian Ehrhoff spricht über seinen neuen Verein, die deutschen Kollegen und den jungen Leon Draisaitl.

Düsseldorf/Pittsburgh. Nur einen Tag nachdem der deutsche Star-Verteidiger vom Tabellenletzten Buffalo Sabres aus seinem laufenden Vertrag herausgekauft wurde und dafür zwölf Millionen Dollar Abfindung kassierte, hat der ehemalige Krefelder beim Spitzenteam der Pittsburgh Penguins unterschrieben. Damit kommt er seinem Traum von der Meisterschaft in der nordamerikanischen Eishockeyliga NHL näher. Im WZ-Interview spricht der 31-Jährige über seinen neuen Verein, die Vorfreude auf Superstar Sidney Crosby und die anderen Deutschen in der besten Liga der Welt.

Herr Ehrhoff, Sie waren Anfang der Woche wahrscheinlich der glücklichste Arbeitslose der Welt. Hatten Sie überhaupt noch damit gerechnet, Schlusslicht Buffalo verlassen zu können?

Christian Ehrhoff: Die Nachricht kam für mich selbst überraschend. Ich war in der vergangenen Zeit sehr frustriert und hatte gehofft, schon in der letzten Saison getraded zu werden. Das hat nicht geklappt. Deswegen war der Buyout (jedes Team durfte mit maximal zwei Spielern den Vertrag auflösen, Anm. d. R.) jetzt natürlich eine Supernachricht für mich. Ich hatte selbst in der Hand, wo ich hingehen konnte.

Jetzt sind Sie in Pittsburgh gelandet. Warum haben Sie sich für die Penguins entschieden?

Ehrhoff: Weil sie die beste Mannschaft sind, die sich für mich interessiert hat. Sie standen schon vorher auf meiner Wunschliste, die ich meinem Agenten gegeben hatte.

Glauben Sie trotzdem, jetzt den Verein gefunden zu haben, mit dem Sie im kommenden Jahr Meister werden können?

Ehrhoff: Ja, auf jeden Fall. Es war mein Hauptaugenmerk, dass ich mir den Traum von Stanley Cup erfüllen kann. Jetzt spiele ich mit Leuten wie Sidney Crosby und Jewgeni Malkin zusammen. Das war ausschlaggebend. Sie sind zwei der weltbesten Spieler.

War es Ihnen deswegen auch egal, dass sie nur für eine Saison über vier Millionen Dollar unterschreiben konnten?

Ehrhoff: Ja, Pittsburgh konnte wegen der Gehaltsobergrenze nicht mehr machen. Ein Jahr ist für mich okay. Wenn es mir gefällt, kann man immer noch nachlegen. Wenn nicht, bin ich wieder flexibel und kann mich nach einem neuen Verein umgucken.

In Pittsburgh werden Sie nicht der einzige Deutsche sein. Marcel Goc hat verlängert, dazu kommt Torwart Thomas Greiss. Freuen Sie sich auf zwei deutsche Mitspieler?

Ehrhoff: Es ist auf jeden Fall schön, zwei Deutsche in der Mannschaft zu haben. Ich habe mit beiden schon in San José zusammengespielt. Mit Marcel sogar über vier Jahre. Ich freue mich sehr auf die beiden. Sie waren aber nicht der Grund, nach Pittsburgh zu wechseln. Das hatte nur sportliche Gründe.

Insgesamt kommen immer mehr Deutsche in die NHL. David Wolf wechselt von Hamburg nach Calgary, Rob Zepp von Berlin nach Philadelphia, dazu gibt es viele Talente in den unteren Ligen, die den Sprung schaffen können. Allen voran Leon Draisiatil.

Ehrhoff: Das freut mich auf jeden Fall. Es ist immer gut, wenn mehr Spieler den Sprung schaffen und sich mit den Besten der Welt messen können. Das ist gut für die Spieler selbst, aber auch für das deutsche Eishockey und die Nationalmannschaft.

Als größtes deutsches Talent aller Zeiten gilt Leon Draisaitl, der von Edmonton an dritter Stelle ausgewählt wurde. Haben Sie schon Kontakt gehabt?

Ehrhoff: Nein, ich habe ihm per Twitter zu seinem hohen Draft gratuliert. Er ist für sein Alter (18 Jahre, Anm. d. R.) schon sehr weit und kann sicherlich ein Superspieler werden.

Sind Vergleiche und Spitznamen wie „German Gretzky“ mit Blick auf die Ausnahmekarriere von Wayne Gretzky nicht trotzdem unangebracht?

Ehrhoff: Den hat er sich ja nicht selbst gegeben. Man muss natürlich schauen, dass der Druck nicht zu hoch wird. Gerade am Anfang. Aber Leon hat alle Chancen, seinen Weg zu gehen und sich zu einem absoluten Topspieler zu entwickeln.

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