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Digitaler Wettkampf: E-Sport in Bayern: Fehlt die Strategie?

Digitaler Wettkampf : E-Sport in Bayern: Fehlt die Strategie?

Wer an E-Sport in Deutschland denkt, hat vermutlich nicht als erstes Bayern im Sinn. Vor allem Berlin und Köln gelten als die großen Standorte für den digitalen Wettkampf an PC und Konsole hierzulande.

Doch nach dem Willen der Staatsregierung soll sich das ändern.

„Der E-Sport bietet enorme Chancen“, sagt Digitalministerin Judith Gerlach (CSU) auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Er wird oft als professionelle und kommerzielle Aktivität wahrgenommen, hat darüber hinaus aber auch eine stark zunehmende Bedeutung für unsere gesamte Gesellschaft. Wir wollen den E-Sport in Bayern sowohl in den großen Städten als auch in der Region stärken und bekanntmachen.“

Ein Fokus dessen: eine große E-Sport-Veranstaltung nach Bayern holen. „Das Ziel hier ist, durch die Strahlkraft einer solchen großen Veranstaltung die gesellschaftliche Akzeptanz für den E-Sport in Bayern und in Deutschland zu steigern“, sagt Gerlach.

Doch mit einem ersten Anlauf ist das Ministerium gescheitert. Das Saisonfinale 2021 von einer der weltweit wichtigsten E-Sport-Ligen sollte nach München geholt werden. Die League-of-Legends-Liga LEC wird während der Saison in Berlin ausgespielt, jede Woche werden die Spiele von Hunderttausenden Fans online verfolgt.

Für die Finalspiele geht es immer wieder in Arenen europäischer Großstädte, zuletzt etwa Rotterdam und Athen. Die Bewerbung scheiterte jedoch am Münchner Stadtrat. Grund: zu hohe Kosten. Veranstalter Riot Games erwarte mindestens 400 000 Euro Finanzierung aus Steuergeldern, hieß es im Stadtrat. Unter anderem die Miete für die Olympiahalle hätte übernommen werden sollen.

Dem gegenüber stünden 2,4 Millionen Euro indirekte Erlöse als fiskalischer Effekt für die Landeshauptstadt. Basis dessen ist eine Studie von Riot Games über das LEC-Finale in Rotterdam 2019.

Bayern sucht nun nach einem anderen Großevent. „Wir gehen davon aus, unsere Planungen in den nächsten Monaten abschließen zu können“, sagt Gerlach.

Doch E-Sport besteht nicht nur als Arenen voller Fans - und hier gibt es in Bayern durchaus wichtige Projekte. Etwa die 2019 gegründete „Forschungsstelle eSport-Recht“ an der Universität Augsburg. „Unser Ziel ist es, eine unabhängige Forschungseinrichtung zu sein“, sagt der dort arbeitende Jurist Nepomuk Nothelfer. In Europa sei es das einzige Projekt seiner Art. Themen der Arbeiten sind beispielsweise die „Grenzen der Vertragsgestaltung im eSport“ oder „Die Anwendbarkeit des technischen Arbeitsschutzrechts bei spielbezogenen eSport-Tätigkeiten“.

„Wir führen wissenschaftliche Forschung im Bereich E-Sport durch“, sagt Nothelfer. Auch beratend werde die Forschungsstelle tätig. Hier begreife sie sich als neutraler Berater beispielsweise der Politik, im Gegensatz zu Lobby-Verbänden wie dem eSport-Bund Deutschland (ESBD) oder dem game - Verband für die deutsche Games-Branche.

Eine gewisse Aufmerksamkeit zieht auch das E-Sport-Engagement der bayerischen Fußball-Clubs auf sich. Doch auch hier läuft nicht alles rund: Bei den Fußballclubs setzt derzeit eine gewisse Ernüchterung über das Potenzial von Fußballsimulationen als E-Sport ein - beschleunigt durch finanzielle Ausfälle in der Corona-Krise. So beendete etwa Greuther Fürth sein Engagement an den Konsolen, trotz eines beachtlichen zweiten Platzes in der diesjährigen Saison der Virtual Bundesliga Club Championship.

Der FC Augsburg und der 1. FC Nürnberg wollen weiter an ihrem Engagement festhalten. Und sogar die sich lange sträubende Fußballabteilung des FC Bayern München ist mittlerweile im E-Sport aktiv, mit einer lukrativen Partnerschaft mit dem Spielehersteller Konami, im Spiel eFootball PES 2020.

Eine Strategie fernab von Fußballsimulationen fährt 1860 München. In einer Kooperation mit der Berliner E-Sport-Organisation Penta betreibt es die Mannschaft Penta 1860, die in League of Legends antritt. Dort spielt sie in der Prime League, auf der zweithöchsten Ebene für den deutschsprachigen Raum.

Nothelfer wünscht sich eine klarere Strategie vom Freistaat. „Ein bisschen wie Schleswig-Holstein, die einer Strategie - vergleichbar zu der des Nachbarns Dänemark - am nächsten sind und Geld in ein Landeszentrum investiert haben“, sagt er. Im „Landeszentrum für eSport und Digitalisierung Schleswig-Holstein“ in Kiel sollen Infrastruktur, Förderung und Orientierung zusammengeführt werden.

Ein Projekt für die gesamte Games-Branche in Bayern gibt es immerhin - die Schnittstelle „Games Bavaria“. Hier könne der Bereich E-Sport integriert werden, heißt es vom Ministerium. Allerdings gebe es in Bayern Unternehmen, die ähnliche Leistungen wie ein Landeszentrum anböten - diesen wolle der Staat nicht das Wasser abgraben.

Und auch im Bereich der Strategie solle es weitergehen, sagt Ressortchefin Gerlach. Für den Herbst sei ein runder Tisch mit wichtigen Akteuren aus dem E-Sport geplant, mit dem weitere strategische Ziele und Maßnahmen besprochen werden sollen.

© dpa-infocom, dpa:200731-99-00356/3

Games Bavaria

Forschungsstelle für eSport-Recht