Dirk Nowitzki zu seinem Fast-Food-Konsum: Zuerst war es hässlich

Heimatbesuch : Dirk Nowitzki zu seinem Fast-Food-Konsum: „Zuerst war es hässlich“

Bei einem Besuch in Leverkusen verrät der abgetretene Basketball-Weltstar, wie sein neues Leben aussieht. Der deutsche Basketball wird von ihm nicht mehr profitieren können.

Im Verpflegungsraum der Leverkusener Arena stehen Croissants und Nutella, Marmelade und Frischkäse bereit für Dirk Nowitzki. Sportlernahrung ist offenbar nicht mehr vonnöten, seit der Basketball-Weltstar mit Karriereende im April dieses Jahres verkündet hatte, von nun an gegen jahrzehntelange Gewohnheiten jeden Tag Pizza essen zu wollen. Man hat also adäquat serviert.

Und als Nowitzki am Mittwochmorgen mehr als eine halbe Stunde zu spät in die Leverkusener Arena einläuft, um für ein Benefiz-Fußballspiel an gleicher Stelle am 21. Juli zu werben, weil ihn auf der Autobahn A3 eine Vollsperrung aufgehalten hat, sieht man ihm von all der Fast-Food-Esserei rein gar nichts an. „Der erste Monat war schon hässlich. Da ist alles rein über Burger, Milchshakes und Eis. Aber jetzt hat es sich langsam wieder eingependelt“, erzählt der 2,13-Meter-Mann lachend. Einige geschneiderte Anzüge passen dann aber „doch nicht mehr“, sagt er. Immerhin: „Der erste Heißhunger ist wieder weg.“

„Ich habe seit zwei Monaten kein Workout mehr gemacht“

Tatsächlich ist Nowitzki so, wie hundertfach dargestellt. Immer nett und geerdet, stets höflich. Und offen. Für die Verspätung entschuldigt er sich natürlich („Vollsperrung bei Bad Camberg – oder wie das heißt“), dann spricht er über sein neues Leben. „Es ist eine wirklich schöne Zeit. Der Druck, immer fit zu sein, ist weg. Ich habe seit meinem letzten Spiel, also seit zwei Monaten kein Workout mehr gemacht“, sagt er, und man sieht es ihm nicht an, wie er so dasitzt im orangenen Trikot einer Bank, die ihm viel Geld für dieses Outfit zahlt, dazu eine graue kurze Trainingshose und übergroße Turnschuhe, angeblich Größe 54. Bereut, die Karriere mit 40 Jahren beendet zu haben, hat er es nicht. „Natürlich wird nochmal das Kribbeln kommen, wenn die NBA wieder loslegt. Aber im Moment geht es mir sehr, sehr gut damit.“

Im Gespräch mit Leverkusens Ex-Stürmer Stefan Kießling, der Basketball liebt, seit er in der Basketball-Hochburg Bamberg geboren wurde, verrät Nowitzki seine neuen Pläne: Ein, zwei Jahre werde er noch machen, was er nie machen konnte: Ski fahren, Snowboarden, Tennis spielen oder mit den Kindern ins Disneyland in Orlando fahren, dort sei die Familie gerade erst gewesen. Der 41-Jährige ist mit Jessica Olsson (38) verheiratet, zusammen haben sie drei Kinder, Tochter Malaika und die Söhne Max und Morris. Sie ist halb Schwedin, halb Kenianerin. „Wir haben inzwischen Verwandtschaft auf der ganzen Welt. Und wir versuchen gerade, alle zu besuchen und reisen viel“, sagt er. Weihnachten gehe es wieder nach Europa. „Wir erleben mal weiße Weihnacht“, sagt er und dürfte sich wundern, wenn es so weiß dann doch nicht wird. Und sogar ein Besuch auf dem Oktoberfest in München peilt er an. „Da bin ich noch nie gewesen. Es könnte sein, dass ich mir das mal gönne.“ Klingt nach einer Bucket-List mit Dingen, die man im Leben mal getan haben sollte, wenn einem nichts im Wege steht. Nur die Organisation mit den Kindern müsse natürlich stimmen, findet der Deutsche. „An Schule und Vorkindergarten sind wir natürlich durchaus gebunden.“ Natürlich.

Vor der Mavericks-Arena soll bald eine Statue stehen

Heimat bleibt Dallas. Und auch die berufliche Zukunft des Sport-Multimillionärs liegt bei den Dallas Mavericks. Bei seinem Verein, für den er 20 Jahre auf die Körbe warf und meistens traf. Eine Aussage ist das, die fast immer galt im Leben Nowitzkis, aber auch nach seiner sensationellen aktiven Karriere will der Würzburger den Mavericks treu sein. „Ich habe ihnen mein halbes Leben gegeben. Und ich werde auch weiter dabei bleiben. Wir werden irgendwann in ein, zwei Jahren überlegen, welche Rolle ich dort künftig spielen kann.“ In Dallas ist Nowitzki ein Heiliger. Dass vor dem American Airlines Center bald eine Nowitzki-Statue stehen soll, wie Mavericks-Besitzer Mark Cuban das verkündete, und die Straße davor seinen Namen tragen soll, das sei „eine wunderbare Ehre. Aber ich werde mich da nicht zu sehr involvieren. Das überlasse ich ganz sicher anderen“.

Der deutsche Basketball darf hingegen zukünftig kaum auf Nowitzkis Unterstützung hoffen. Immer wieder hatte er in der Sommerpause der NBA-Saison seine Koffer gepackt und war für die deutsche Nationalmannschaft bei EM, WM oder Olympia aufgelaufen. Jetzt sieht Nowitzki aber kaum Chancen, dem Deutschen Basketball Bund helfen zu können. „Ich weiß nicht, ob das wirklich Sinn macht, mit dem DBB zusammenzuarbeiten, wenn ich nur ein, zwei Wochen im Sommer hier bin“, sagt er. „Die Sache ist ja, wenn ich hier nicht vor Ort bin und wohne und lebe, dann wird es für mich schwer, Einfluss zu nehmen. Ich möchte nicht irgendeinen Job annehmen, den ich dann nur halbherzig machen kann.“ Aber, so ist er: „Man kann über alles reden. Ich will da jetzt nicht zu früh eine Tür zuschlagen. Wer weiß, was wird.“

Dirk Nowitzki hält in der BayArena einen Ball hoch. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Spricht es und hält einen Fußball hoch, ein, zwei Mal, alles für die Fotografen, eben das, was die nicht vorhandene Technik so hergibt. Immerhin soll er am 21. Juli kicken in Leverkusen, womöglich dann im Sturm mit Stefan Kießling. „Ich laufe für Dirk mit“, sagt der und Nowitzki scheint das gar nicht zu missfallen, das neue Leben sollte, bitteschön, wirklich nicht zu anstrengend sein. Noch nicht. Nicht mehr.

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