Die Schmach von Berlin

Die Schmach von Berlin

Deutschland verspielt 4:0 gegen Schweden — am Ende steht es 4:4.

Berlin. Es war die erste Herausforderung in der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Und die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat sie beim 4:4 (3:0) gegen Schweden in Berlin am Dienstagabend trotz starkem Beginn am Ende nicht bestanden. Unter den Augen von Bundeskanzlerin Angela Merkel erzielte Miroslav Klose seine Länderspieltore Nummer 66 und 67, noch eines fehlt zu Gerd Müllers Rekord.

Per Mertesacker traf mit seinem zweiten Länderspieltreffer zum 3:0 (39.), Mesut Özil zum 4:0 (56.). Aber dann schlugen die Schweden engagiert zurück: Zlatan Ibrahimovic (62.), Mikael Lustig (67.) und Johan Elmander (76.) und Rasmus Elm (90.+3) sorgten für die Gegentreffer. Und für grenzenlose Ernüchterung um die Nationalmannschaft.

Die Schweden hatten bisher in vier Vergleichen im Olympiastadion immer mindestens einen Punkt mitgenommen, so auch am Dienstag. Und ihr Trainer Erik Hamrén klammerte sich daran: „Solange die Statistik positiv für uns ist, glaube ich an sie.“ Hamrén behielt Recht. Die Zeiten sind andere geworden, es war in der ersten Halbzeit ein Klassenunterschied. Aber nur in der ersten.

In Berlin hat die deutsche Mannschaft zuletzt in der Qualifikation zur EM mit einem 3:0 gegen die Türkei eine glänzende Vorstellung abgeliefert. „An diese Leistung wollen wir anknüpfen, aber wir sind gewarnt“, hatte der Bundestrainer vorher gesagt, der am Vortag etwas getan hatte, was er bisher noch nie getan hatte. Er entschuldigte sich für seine öffentliche Kritik an Marcel Schmelzer.

Aber ausgerechnet Schmelzer spielte nicht, eine Knochenstauchung im Fuß hatte sich über Nacht dramatisch verschlimmert. Lahm spielte links, Jerome Boateng auf rechts, die Innenverteidigung bildeten Per Mertesacker und Holger Badstuber. Im Mittelfeld spielte Toni Kroos für den verletzten Sami Khedira.

Die Offensive blieb gegenüber dem 6:1 in Dublin ohne Änderung. Und sie machte Druck. Nur acht Minuten hielt die umformierte Abwehr Schwedens. Dann ließ Marco Reus seinen Gegenspieler Mikael Lustig stehen, flankte präzise, Klose vollendete wie selbstverständlich.

Den weiteren Treffern gingen traumhafte Doppelpässe voraus, Kombinationen wie aus dem Lehrbuch. Erst nach dem 0:2 versuchten die Schweden, mitzuspielen. Chancen ergaben sich aber erst im zweiten Durchgang, die Mannschaft von Löw verlor dann völlig ihre Linie.

Von Superstar Zlatan Ibrahimovic war zunächst wenig zu sehen. Der 31 Jahre alte Multimillionär traf nur einmal, aber es war der Auftakt zur energischen und letztlich erfolgreichen Gegenwehr Schwedens.

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