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Eishockey: Die DEL ist eine Zweiklassengesellschaft

Eishockey : Die DEL ist eine Zweiklassengesellschaft

Jahrelang konnte die am Freitag beginnende Deutsche Eishockey-Liga (DEL) behaupten, die ausgeglichenste Liga zu sein. Mittlerweile hat sich die Spitze abgesetzt.

Mannheim. Rick Goldmann hat sich in den vergangenen Jahren zu so etwas wie dem Gesicht einer Sportart gemausert. Egal, welcher TV—Sender ein Eishockeyspiel überträgt, der Bayer ist als Experte dabei. Und als unermüdlicher Kämpfer für seinen Sport.

Als die Deutsche Eishockey Liga (DEL) unter der Woche zur Einstimmung auf die heute beginnenden Saison nach Mannheim geladen hatte, ergriff Goldmann, 41, das Wort. Die Ablösesummen im Fußball seien „dem normalen Fan nicht mehr zu vermitteln“. Darin liege eine große Chance für kleinere Sportarten wie das Eishockey. Man könne sich als Gegenmodell vermarkten.

Nun ist es natürlich nicht so, dass sich in den hiesigen Eisstadien ausschließlich Amateure tummeln, die für ein warmes Abendessen spielen, doch wenn sich Fans und Aktive begegnen, tun sie das fast auf Augenhöhe. Und ohne Berührungsängste. Kein Spiel in der DEL vergeht ohne das obligatorische Gespräch nach dem Spiel am Mannschaftsbus. Da braucht es keine Ordner und erst recht keine Polizisten.

Das größte Plus, das die Liga in den vergangenen Jahren zu bieten hatte, war aber ihre Ausgeglichenheit. Man wisse vorher nie, was an einem Spieltag passiert, heißt es. Im Gegensatz zu Fußball (FC Bayern), Handball (Kiel) oder Basketball (Bamberg) gebe es auch keine Dauermeister mehr. Jeder könne jeden schlagen. Weil die Reichen Fehler machten und die Armen viel richtig. Und in der Tat: Von 2013 bis 2016 gab es vier verschiedene Eishockey-Meister. 2014 holte im ERC Ingolstadt sogar ein Team den Titel, das in der Hauptrunde nur Neunter geworden war.

Doch mittlerweile geht die Angst um. Dass die Teams mit einem zweistelligen Millionen-Etat aus München, Mannheim, Köln, Berlin und Nürnberg in einer eigenen Liga spielen und der Rest dahinter. Lediglich (das ebenfalls nicht ganz arme Teams aus) Wolfsburg hält den Anschluss. Der Rest ist mittlerweile schon froh, wenn er die Play-offs kommt.

Zwar versichert Kölns Kapitän Christian Ehrhoff, dass es „kein Spiel gibt, in dem wir locker auflaufen können“, aber auch Nürnbergs Kapitän Patrick Reimer hat beobachtet, dass „sich im vorderen Bereich ein paar Teams abgesetzt haben“. Es sei allerdings „immer noch möglich, dass die Kleinen die Großen schlagen“. Das mag für einen Spieltag gelten, ein Überraschungsmeister wie Ingolstadt scheint mittlerweile aber ausgeschlossen.

Das gibt es natürlich auch in anderen Ligen. Nirgendwo kann jeder Meister werden. Doch im Gegensatz zu den übrigen Mannschaftssportarten gibt es im Eishockey weder einen Abstiegskampf noch einen Europapokal, der Geld einbringt. Und um deren Startplätze es sich zu kämpfen lohnt. Im Grunde ist es wie in den USA: boom or bust, alles oder nichts. Wer nicht Meister werden kann, spielt um die goldene Ananas. Und selbst wenn er Letzter wird, ist er im Jahr drauf wieder dabei.

Nun gibt es hier aber keine Gehaltsobergrenzen oder ein Draftsystem, Instrumente, die dafür sorgen, dass die Letzten in wenigen Jahren wieder die Ersten sein können.

DEL-Chef Gernot Tripcke weiß um die Gefahren. „Man muss das beobachten“, sagt er . Es dürfe kein „zu großes Ungleichgewicht“ entstehen, „gegebenenfalls müssen wir gegensteuern“. Nur wie? „Wenn wir etwas tun, muss es kontrollierbar und sanktionierbar sein“, sagt er — wohlwissend, dass es daran scheitern könnte. Denn nichts fürchtet der deutsche Sport so sehr wie finanzielle Transparenz. In den USA funktioniert das ja alles so gut, weil sämtliche Etats und Gehälter bis auf den letzten Cent öffentlich einsehbar sind.

Eine weitere Gefahr: Selbst an der Spitze gibt es mittlerweile Unterschiede. München, der von Red Bull alimentierte Club, wurde zwei Mal in Folge Meister. Nun kam in Patrick Hager aus Köln auch noch der „kompletteste Spieler der Liga“ dazu, wie ihn Reimer nennt. Dass es dadurch spannender wird, glaubt niemand,

Aber vielleicht muss es man es auch einfach sehen wie Alfred Prey. Der Teammanager aus Bremerhaven hat im Sommer seine vier besten Spieler verloren, stören kann ich das nicht. „So ist das Spiel“ sagt er regelrecht vergnügt. „Natürlich ist die DEL eine Zweiklassengesellschaft, aber man muss mit dem Jammern aufhören.“So eine Liga sei wie eine Mannschaft. Jeder müsse seine Rolle finden und akzeptieren. „Wir sind ein Underdog, aber ich sage immer: Underdogs können auch beißen.“