Bierhoff: Völler redet Schwachsinn

Bierhoff: Völler redet Schwachsinn

Sichtlich geschockt kontert der Manager der Nationalelf die persönlichen Angriffe.

Frankfurt. Mit Unverständnis, Wut und großer Enttäuschung hat Oliver Bierhoff auf die verbalen Angriffe von Rudi Völler reagiert. "Das ist Stammtischniveau und von der Argumentation her Schwachsinn", antwortete der Manager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft auf Äußerungen des früheren DFB-Teamchefs, die seiner Meinung nach "weit unter der Gürtellinie liegen."

Völler, der als DFB-Verantwortlicher vor der WM 2002 Bierhoff als Kapitän demontiert hatte, hatte zuvor seinen früheren Spieler mit ungewöhnlicher Schärfe attackiert. "Ich möchte Bierhoff zu etwas mehr Demut raten, zu größerer Zurückhaltung. Er sollte sich in den nächsten Tagen bei Dr. Müller-Wohlfahrt untersuchen lassen. Das permanente Sich-selbst-auf-die-Schulter-Klopfen muss doch schmerzhafte Schädigungen nach sich ziehen", meinte der Bayer Leverkusen Sportchef provokant.

"Man weiß ja, dass Rudi zu emotionalen Ausbrüchen neigt. Aber diese Äußerungen sind eine Frechheit", erwiderte Bierhoff, der die Art und Weise von Völler, der im September 2003 durch seinen Wutausbruch nach dem 0:0 der DFB-Auswahl auf Island im TV-Interview mit Waldemar Hartmann ähnliches Aufsehen erregt hatte, heftig kritisierte. Bierhoff hatte in Anbetracht des schwachen Abschneidens der deutschen Vereine im Europapokal einen runden Tisch mit den Klubtrainern angeregt. Bierhoffs Verhalten verschafft Völler nach eigener Aussage "schlimmste Magenkrämpfe", was der DFB-Manager in keinster Form verstehen kann. "Ich habe nie die Arbeit der Klubs kritisiert, weil mir das gar nicht zusteht. Ich habe nur Dinge angesprochen, die die Nationalmannschaft betreffen. Deshalb verstehe ich nicht, dass immer wieder an einem Konflikt gearbeitet wird, den es gar nicht gibt."

Vor allem der öffentlich immer wieder geäußerte Wunsch von Bierhoff und Bundestrainer Joachim Löw nach einer einheitlichen Spielform hatte Völler maßlos aufgeregt. "Die Spielphilosophie von heute ist zuallererst ein Produkt der hervorragenden Jugendarbeit in den Vereinen", so der 47-Jährige. Mit Spielern, die bei den Topklubs in der Bundesliga ausgebildet wurden, könne man eine solche Philosophie umsetzen, so der Weltmeister von 1990, und legte dann noch kräftig nach.

"Mit Spielern, die Klubs wie Köln, München, Stuttgart, Bremen oder Leverkusen ausgebildet haben, kannst du diese Philosophie umsetzen. Die Philosophie für den Spieler Oliver Bierhoff, die musste noch erfunden werden. Brasilianische Spielweise einfordern mit Füßen aus Malta, das geht eben nicht", sagte er und stellte die fußballerischen Qualitäten des EM-Helden von 1996 in Frage. Völler: "Jeder Trainer würde gerne offensiv spielen. Aber wenn du zum Beispiel einen Spielertypen wie Bierhoff im Team hast, kannst du eben auch nicht brasilianisch spielen."

Gut gebrüllt, Rudi! Und jetzt wieder ganz langsam und ganz tief ein- und ausatmen. Ja, die Herren Ex-Nationalspieler haben noch Feuer, sind schlagfertig und scharfzüngig. Jede Pointe ist fast ein Volltreffer - allerdings teilweise unter der Gürtellinie. Im Boxsport wäre Rudi Völler für seine weltmeisterlichen Entgleisungen aus dem Ring genommen worden. Bierhoffs faire Konter sind hingegen aller Ehren wert. Respekt!

Als Sieger geht übrigens keiner der beiden aus dem Wortgefecht hervor. Macht nichts. Denn die Wutrede sorgt für etwas Abwechslung in der fast schon langweiligen Harmonie, die Löws Team umgibt.

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