Champions League: Bayer Leverkusen: Ganz gut ist nicht gut genug

Champions League : Bayer Leverkusen: Ganz gut ist nicht gut genug

Die beste Nachricht des Abends kam für die Fußball-Profis von Bayer Leverkusen auf dem Rollfeld.

Als die Mannschaft nach dem 0:1 bei Atlético das Gate am Flughafen in Madrid passierte, hatte Juventus Turin gegen Lokomotive Moskau noch mit 0:1 zurückgelegen. Im Bus auf dem Weg zum Flieger kam die Info, dass Italiens Serienmeister das Spiel drehen konnte.

Das 2:1 für Juve war für die meisten bei Bayer eine gute Nachricht. Denn der Gegner heißt inzwischen Moskau und nicht mehr Turin oder Atlético Madrid. Ans Weiterkommen in der Champions League glaubt nach der dritten Niederlage im dritten Spiel trotz einiger Durchhalte-Beteuerungen niemand mehr ernsthaft. Das Ziel ist nun Rang drei und damit ein Weiterspielen 2020 in der Europa League. Und bei einem Sieg von Moskau wäre es selbst damit noch schwieriger geworden.

„Auch wenn es mathematisch noch möglich ist: Man muss realistisch sein“, sagte Rudi Völler schon eine knappe Stunde nach der etwas unglücklichen, letztlich aber doch wieder selbstverschuldeten Niederlage in Madrid. Und er forderte: „Wir müssen alles versuchen, damit wir Dritter werden. Wir wollen auch im neuen Jahr in Europa dabei sein. Die Qualität dafür haben wir.“

Peter Bosz und Fernando Carro beriefen sich derweil auf die theoretische Möglichkeit des Weiterkommens. „Ich bin ein Kämpfer. Es ist noch nicht vorbei“, sagte Trainer Bosz. „Solange es mathematisch noch möglich ist, muss man kämpfen. Aber die Wahrscheinlichkeit ist natürlich extrem gering“, erklärte Clubchef Carro.

Nach drei Niederlagen zum Auftakt hat es in der inzwischen fast 30-jährigen Champions-League-Geschichte aber tatsächlich nur ein Team geschafft, noch weiterzukommen: Newcastle United zog im Herbst 2002 so in die Zwischenrunde ein, wo die Engländer dann gemeinsam mit Leverkusen ausschieden. Was die Hoffnung von Bayer auf eine Wiederholung nicht gerade nährt: In den bisherigen drei Spielen erzielten sie nicht ein Tor selbst. Das einzige resultierte aus einem Eigentor des für Moskau spielenden Ex-Weltmeisters Benedikt Höwedes.

Die nächste Niederlage lag aber nicht an einer Chancenverschwendung, sondern daran, dass Bayer sich zu wenige Gelegenheiten herausspielte. „Unser Spiel war total gut anzusehen“, sagte Völler. „Das einzige Manko ist, dass der letzte Pass nicht gestimmt hat.“ Dieser sei eben der schwerste, ergänzte Bosz.

In der starken letzten Rückrunde haben diesen letzten Ball meist Julian Brandt oder Kai Havertz gespielt. Brandt ist nun in Dortmund. Und Havertz erlebt ohne seinen kongenialen Partner derzeit das erste Leistungstief seiner jungen Karriere. Gerade in den drei Champions-League-Spielen war von dem 20-Jährigen nahezu nichts zu sehen. Havertz ist für das Team aber so wichtig, dass seine Formschwäche schwerwiegende Folgen hat. Vor allem, wenn der für 32 Millionen Euro aus Hoffenheim geholte Kerem Demirbay nicht wie erhofft einspringt, sondern noch mehr untertaucht.

Carro behauptete dennoch, „dass wir keine schlechtere Mannschaft haben als Atlético“. Und er erklärte gar: „Wenn wir so spielen wie heute, sind wir in der Bundesliga ganz oben.“ Freilich merkte auch Carro an: „Wir müssen auch mal wieder ein Tor machen.“

Infos zum Spiel auf uefa.com

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