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Shaquille O'Neal - ein „Diesel“ zum Spottpreis

Shaquille O'Neal - ein „Diesel“ zum Spottpreis

Boston (dpa) - Ein „Diesel“ auf Hochtouren: Shaquille O'Neal dreht im Spätherbst seiner Karriere noch einmal richtig auf. Dabei begeistert der mit 38 Jahren älteste Basketballer der NBA nicht nur als bulliger Center im Trikot von Rekordmeister Boston Celtics, sondern auch als „Shaq-a-Claus“.

Dafür zieht der 2,16 Meter-Hüne als Weihnachtsmann für die Wohltätigkeits-Organisation „Toys for Tots“ (Spielzeug für Kinder) durch die Stadt und lässt Kinderaugen glänzen. „Es macht mir Spaß und ist eine Ehre“, betont O'Neal.

Vor 15 Jahren trat er erstmals als „Shaq-a-Claus“ auf. Seine Mutter leistete freiwillige Arbeit in einer Kinder- und Jugend- Einrichtung. „Dort sah sie 200 bis 300 Kinder, die nichts zu Weihnachten bekamen“, erinnert sich O'Neal, „sie haben ihr eine Weihnachts-Wunschliste gegeben und gefragt, ob sie die an Santa Claus weiterreichen könne. Als ich davon hörte, wusste ich sofort, dass ich etwas machen muss.“ O'Neal fuhr mit zwei Truckladungen voller Spielzeug zum Club und bescherte die Kids.

Ein Geschenk ist der 148 Kilo-Koloss auch für die Celtics, bei denen er im Sommer einen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieb. „In unserer Kabine war's schon immer wild, durch Shaq ist es noch lauter“, sagt Trainer Doc Rivers und lacht. Boston ist die sechste Station in O'Neals Karriere - und sie wird die letzte sein. „Der Verein ist es gewohnt, zu gewinnen. Und ich wollte da hingehen, wo ich was gewinnen kann“, stellt O'Neal klar.

Obwohl „Shaq“ in seiner 19 Jahre langen Laufbahn alle Titel holte - Olympiasieger, Weltmeister und viermal NBA-Meister wurde - ist er noch hungrig. Denn Kobe Bryant, den O'Neal bei den gemeinsamen drei Titeln von 2000 bis 2002 im Trikot der Los Angeles Lakers in den Schatten stellte, hatte im Juni nach dem Lakers-Finalsieg über Boston provozierend verkündet: „Jetzt habe ich fünf Ringe und somit einen mehr als Shaq.“ Als Boston sich 2008 in der Endspielserie gegen LA durchsetzen konnte, hatte O'Neal noch getönt, dass Bryant ohne ihn nie Meister werde.

Die Zeit der großen Sprüche ist für ihn vorbei. O'Neal ist stiller geworden. Dazu passt auch seine zehn Hektar-Farm in Sudbury, 30 Kilometer westlich von Boston. „Es ist ein schöner, ruhiger Platz. Gut für einen alten Mann, um zu entspannen. Ich habe einen gemütlichen Stuhl, von dem aus ich wilde Truthähne, Koyoten und Füchse auf meinen Rasen beobachten kann - das liebe ich“, erzählt „Shaq“. Mit seinen 38 Jahren passt er perfekt ins Altersgefüge der Celtics. Er ist der „Oldie“ der „Rentner-Riege“, deren weitere Stars Kevin Garnett (34 Jahre), Ray Allen (35) und Paul Pierce (33) ebenfalls nicht mehr die Jüngsten, aber erfolgsbesessen sind. Mit einem Gehalt von 1,35 Millionen Dollar pro Saison ist die Nummer fünf der ewigen NBA-Scorerliste sogar ein echtes Schnäppchen.

Nach seiner Karriere will O'Neal sein Magister in Strafrecht ablegen und „irgendwo als Sheriff arbeiten.“ Bereits 2006 hatte er ein Seminar an einer Polizei-Akademie erfolgreich absolviert und anschließend als Gelegenheits-Sheriff im Bedford County/Virginia fungiert. Doch vor der Verbrecher-Verfolgung kommt die Jagd auf den NBA-Titel. Boston gilt neben den Lakers und Miami Heat als Topfavorit. Dass O'Neal einst die Celtics-Tradition als „alt und muffig“ bezeichnet hatte, ringt ihm heute nur sein berühmtes, breites Grinsen ab. „Du weißt doch, irgendwann im Leben bekommst du alles heimgezahlt - jetzt bin ich alt und muffig.“