Ballack und der „Geist von Malmö“

Ballack und der „Geist von Malmö“

Die Struktur im deutschen Team hat sich verändert.

Pretoria. Spätestens nach dem Sieg gegen England im Achtelfinale werden im Lande Stimmen laut, dass eine deutsche Fußball-Nationalmannschaft auf einen Michael Ballack verzichten kann.

Vielleicht sogar freiwillig verzichten sollte. Ballack wird in diesen Tagen der Mannschaft in Südafrika einen Besuch abstatten.

Nicht als Maskottchen auf der Bank, wie es David Beckham bei den Engländern gemacht hat. Sondern als Kapitän im Wartestand, der bald wieder an Bord sein möchte.

Wie das alles ankommt, bleibt abzuwarten, weil sich ein neues Team gefunden hat, das unbeschwert miteinander umgeht. Eine Truppe, die zusammenhält und nicht von einem Leitwolf angeführt werden will. Wo die persönlichen Animositäten ein Fremdwort bleiben, wo es keine Eifersüchteleien mehr gibt.

Wo jeder den Kollegen unterstützt und von diesem unterstützt wird. Gerade den Jungen im Team (Müller und Özil) tut das sichtlich gut. Deutschland erfreut sich am neuen Stil der Nationalmannschaft, selbst die Experten zeigen sich überrascht. Nicht von der "Generation Löw", sondern von der "Generation Malmö".

Unter der Regie von Sami Khedira (23) wurde die U21 mit sechs Spielern aus dem aktuellen WM-Kader vor einem Jahr in Malmö Europameister. Vater des Erfolges war der Trainer: Horst Hrubesch. Der sagt: "Die Jungs wissen, wie man Titel holt und das haben sie mit nach Südafrika genommen."

Seit der unfreiwilligen Ballacks Abstinenz hat sich auch die Mannschafts-Hierarchie verändert. Interims-Kapitän Philipp Lahm ist einer von elf Spielern, auch wenn er die Spielführerbinde trägt. Immer wieder wird betont, dass im Mannschaftsrat die Weichen gestellt werden.

Darin sitzen neben Lahm auch noch Bastian Schweinsteiger, Arne Friedrich, Per Mertesacker und Miroslav Klose. Allesamt waren das Kandidaten für das Kapitänsamt. Daher können sich die Nicht-Berücksichtigten mit ihrer Rolle durchaus identifizieren. Weil sie merken, dass sie wichtig sind. Lahm muss nur nach außen den Boss spielen.

Kehrt Ballack nach der WM ins Team zurück, sollte er das alles registrieren. Dass an Michael Ballack, dem torgefährlichsten Mittelfeldspieler (42 Treffer), der je ein deutsches Nationaltrikot getragen hat, sportlich nicht zu rütteln ist, wissen auch die Spieler.

Aber sein Führungsanspruch ist nicht mehr unangetastet. Wenn Ballack sich darauf einstellen kann, steht seinem Comeback nichts im Wege. Falls nicht, bekäme Löw ein Problem.

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