Ballack, der lädierte Mahner

Ballack, der lädierte Mahner

Der Kapitän träumt vom Titel, verlangt aber zunächst Konzentration gegen Aserbaidschan.

Baku. Schreck vor dem Start in die WM-Saison: Eine Oberschenkel-Blessur zwang Michael Ballack am Dienstagabend zum Abbruch des Abschlusstrainings in Baku und könnte die Pflichtaufgabe gegen den Fußball-Zwerg Aserbaidschan erheblich erschweren. Auch wenn der DFB unverzüglich Entwarnung gab und der Einsatz des Kapitäns nach Auskunft der medizinischen Abteilung "nicht gefährdet" ist, muss sich Bundestrainer Joachim Löw für den Ernstfall in der WM-Qualifikation am Mittwoch (18 Uhr/ARD) trotzdem Sorgen machen.

Ob der gerade erst von einem Zehenbruch genesene Mittelfeldstar mit den muskulären Problemen auf dem holprigen Rasen des betagten Tofik-Bachramow-Stadions wie geplant 90 Minuten voll zur Sache gehen kann, bleibt abzuwarten. Löw testete beim Training umgehend eine Alternativ-Besetzung mit Heiko Westermann neben Thomas Hitzlsperger im Mittelfeld. Auf dem Platz soll am Mittwoch auch der genesene Miroslav Klose stehen. "Wir gehen davon aus, dass Miro voll zur Verfügung steht", berichtete Teammanager Oliver Bierhoff. Im Tor vertraut Löw erneut Robert Enke.

Ballack sagte unterdessen: "Man träumt vom Titel - das ist ganz klar. Aber man muss auf dem Weg dahin immer seine Hausaufgaben machen, das sind drei Punkte. Hier zu stolpern, sollte uns nicht passieren." Auch für Löw geht es in Baku - mit oder ohne seinen Kapitän - im brisanten Vergleich mit Ex-Bundestrainer Berti Vogts nicht um einen Schönheitspreis: "Es geht nicht darum, ob man deutlich gewinnt, sondern, dass man gewinnt."

Vor Leichtsinn gegen den Gegner, der in der Weltrangliste auf Position 137 hinter Äthiopien und vor Neukaledonien rangiert und nach fünf Partien noch sieg- und torlos ist, warnt Löw bereits seit Tagen eindringlich: "Wir sind der Favorit, das weiß jeder. Aber auch solche Mannschaften müssen erstmal niedergekämpft und -gespielt werden. Wir haben nichts zu verschenken und dürfen uns nichts erlauben."

Der hochmotivierte aserbaidschanische Trainer Berti Vogts kündigte an: "Wir spielen nicht nur mit elf Aserbaidschanern - es sind weitere 30 000 im Stadion, die uns unterstützen werden." Vogts hat dem Tabellenvorletzten zumindest das Toreverhindern beigebracht, wie die bisherigen Resultate gegen Wales (zweimal 0:1), Liechtenstein (0:0) sowie in Finnland (0:1) und Russland (0:2) belegen. "Das ist Warnung genug", sagte Abwehrchef Per Mertesacker.

Auf Video konnte Löw seinen Spielern einen "heißblütigen" Gegner vorführen: "In allen Spielen sind sie am Anfang losgegangen wie die Feuerwehr", erläuterte Löw, der eine "richtige Einstellung" verlangt: "Wenn man die gegen solche Mannschaften nicht mitbringt, sind sie fast gleichwertig." Das wäre ein Traum für Vogts, der die DFB-Auswahl zur "besten Mannschaft der Welt" hochstilisierte: "Wenn die Deutschen uns nicht ernst nehmen, könnte es eine Überraschung geben."

Ernsthaft glaubt daran aber nicht einmal Vogts selbst, der schon froh wäre, wenn seinem Team endlich mal ein Treffer gelingen würde: "Vielleicht sind die Deutschen so freundlich und lassen ein Tor zu."