Sport-Magazin kürt Sportler: 100 größten Sportler: Ist „the Greatest“ gar nicht der Größte?

Sport-Magazin kürt Sportler: 100 größten Sportler: Ist „the Greatest“ gar nicht der Größte?

Das Magazin „No Sports“ kürt mit einer Jury die 100 größten Sportler aller Zeiten. Der Sieger hat die Macher überrascht — und ein Windhund ist auch dabei.

Düsseldorf. Im Vorwort haben die Macher des Magazins einer möglichen Empörung schon einigen Wind aus den Segeln genommen. Man suche auf der Liste zahllose Sportler, die „zwingend auch noch hätten gewürdigt werden müssen“, heißt es dort. Vielleicht blieb wilder Protest auch deshalb bislang aus. „Oder er kommt noch“, sagt Tim Jürgens, der mit Philipp Köster die Redaktionsleitung inne hat. Schließlich liegt die neueste Ausgabe des Magazins erst wenigen Tagen aus. Auf dem Titelbild: Ali, wie er 1965 noch als Cassius Clay seinen Vorgänger als Weltmeister, Sonny Liston, niederstreckt.

Nein, es stand nicht schon vor Ausgang der Wahl fest. „Wir hatten verschiedene Motive zur Auswahl“, erklärt Jürgens. Gewonnen hat ein Basketballer: Michael „Air“ Jordan — der Mann, der die Zeit stehen ließ, wenn er zum Flug ansetzte. Der sechs NBA-Titel mit den Chicago Bulls holte und irgendwann nicht mehr nur Sportler war, sondern „Marke“. Auf Platz drei ist die 1994 verstorbene Rennfahrer-Legende Ayrton Senna. Bester Fußballer ist der Brasilianer Pelé auf Rang sieben.

60 Personen haben entschieden, ein Mix aus Ex-Sportlern, Funktionären, Journalisten und an Sport interessierten Personen. Können die falsch liegen? Aber sicher! Doch darum geht es nicht. Die Liste gibt einen wunderbaren Anlass zum Nachdenken und zur Diskussion. Ist es okay, dass Deutschlands bester Basketballer Dirk Nowitzki nur auf Rang 80 gelandet ist? Wieso fehlt der Ausnahmeschwimmer Ian Thorpe auf der Liste? Und wieso steht ein Windhund drauf?

Ja, ein Windhund. Kein Sportler, der in seiner Karriere mal über die Stränge schlug. Ein echter. „Mick the Miller“ gewann 1929 und 1930 beim English Derby und 19 Rennen in Folge. Er stellte vier Weltrekorde auf, ehe eine Verletzung ihn stoppte. Auch bei seinem Comeback 1931 gewann er, doch das Rennen wurde annulliert. „Ermüdet“, wie die „No Sports“ schreibt, verlor er die Wiederholung und wurde zur Legende. Später startete er eine zweite Karriere beim Film. „Mick the Miller“, landet auf Platz 74 und lässt damit das zweite Tier, das es auf die Liste schafft, neun Ränge hinter sich, den Galopper „Secratariat“, der 1973 die Triple Crown holte. Das Herz des Vollblütlers soll angeblich dreimal so groß gewesen sein, wie das eines normalen Hengstes.

Die interessanten Geschichten sind vor allem auf den hinteren Plätzen zu finden. Wie die von Jacko Robinson (91.), der als erster Schwarzer in der amerikanischen Baseball-Liga die so genannte „color barrier“ durchbrach. Oder die von Jim Thorpe (62.). Der Sohn eines irischstämmigen Vaters und einer französischstämmigen Mutter, die beide Elternteile eines Indianerstamms hatten, reiste durch die Disziplinen, wie wenige vor und nach ihm. Er gewann 1912 olympisches Gold im Fünf- und Zehnkampf und spielte zugleich Baseball als auch Football in den höchsten Profiligen seiner Zeit. Nebenbei gründete er ein Basketballteam und war Statist in so manchem Hollywood-Western.

Fast schon unglamourös wirkt dagegen die beste Deutsche auf Platz fünf: Steffi Graf. „Vielleicht liegt es an ihrer bescheiden Art, die sie neben ihren Erfolgen so weit vorne landen ließ“, vermutet Jürgens, der betont: „Das Auftreten spielte neben den Erfolgen eine wichtige Rolle bei der Wahl. Meistens ist eine Mischung aus Erfolgen, Entertainment-Faktor und sozialem Engagement vorhanden. Oft haben sie kollektive Erlebnisse generiert.“

Kaum einem gelang es so wie Ali. Wieso er es nicht auf Platz eins geschafft hat? „Vielleicht sahen ihn zu viele aus der Jury ohnehin als Sieger und gaben ihre Stimme lieber an einen „Außenseiter“, sagt Jürgens. Am Ende ist es egal. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf absolute Gültigkeit. Sie ist nur ein Anlass zum Schwelgen in vielen schönen Geschichten.