Geheimdienste und Armee sichern Olympia

Geheimdienste und Armee sichern Olympia

Sotschi (dpa) - Auf Heerscharen an Sicherheitskräften müssen sich Sportler und Gäste bei den Olympischen Winterspielen in der Schwarzmeerstadt Sotschi einstellen.

Nicht erst seit der Drohung des islamistischen Terroristenführers Doku Umarow, Olympia mit „allen Mitteln, die Allah erlaubt“ zu verhindern, herrscht in dem russischen Kurort Alarmstimmung. Weit mehr als 60 000 Uniformierte sind in Stellung für die Verteidigung. Kremlchef Wladimir Putin, der selbst einst den Inlandsgeheimdienst FSB führte, will in Sachen Sicherheit nichts dem Zufall überlassen.

Sotschi stelle alle bisherigen Olympischen Spiele in puncto Sicherheit in den Schatten, meint der Geheimdienstexperte Andrej Soldatow. Dabei gilt das Prestigeprojekt von Putin schon wegen der Kosten von mehr als 37,5 Milliarden Euro als die bislang teuersten Winterspiele.

Die beiden Anschläge zuletzt in Wolgograd mit mehr als 30 Toten sieht Soldatow als mögliches Ablenkungsmanöver von Terroristen. Damit hätten die Islamisten wohl erneut beweisen wollen, dass sie auch außerhalb des Nordkaukasus' Blutbäder anrichten könnten. „Ich befürchte sehr, dass sie die Sicherheitskräfte von den nahenden Olympischen Spielen ablenken wollten“, sagt Soldatow. Neue Anschläge seien möglich.

Die russische Führung allerdings garantiert weiter sichere Spiele. Mit seinem technischen System SORM will der FSB Experten zufolge nicht nur Mobilfunktelefonate und E-Mails überwachen, sondern auch Messengerdienste und Chats im Internet. Zudem sollen allein 5500 Kameras zur Videoüberwachung dienen. Sicherheitsdienste planen Medien zufolge den Einsatz von Drohnen sowie Ortungssystemen, die fremde U-Boote lokalisieren und so Angriffe vom Meer verhindern könnten. Kommentatoren sprechen von der „Festung Sotschi“.

Sotschi werde auch zu einem „Olympia der Silowiki“, meinte die russische Zeitung „Wedomosti“ unlängst. Silowiki sind die mächtigen Vertreter der Sicherheitsstrukturen in Russland. Sie stehen seit langem im Ruf, unter dem Deckmantel des Anti-Terror-Kampfes die Freiheiten russischer Bürger immer weiter einzuschränken. In vielen Gesetzen ließ Putin die Vollmachten der Geheimdienstler stärken.

„Die Machthaber wollen das Gelände in und um Sotschi von allen Unzufriedenen säubern, die das Image des Gastgeber-Landes beschädigen könnten“, schrieb „Wedomosti“. So sehen sich vor allem Umweltschützer, die eine Zerstörung der einzigartigen Natur beklagen, mit Strafverfahren konfrontiert. Menschenrechtler kritisieren zunehmende Eingriffe bei der Internetnutzung. Viele Webseiten sind im größten Land der Erde heute blockiert.

Unter Strafe stehen jetzt auch Aufrufe von Separatisten, einzelne Teile des riesigen Reiches mit den neun Zeitzonen zwischen Ostsee und Pazifik abzutrennen. Der tschetschenische Terrorchef Umarow kämpft seit Jahren für ein Kaukasus-Emirat, einen von Moskau unabhängigen islamischen Gottesstaat. Die von großer Armut geprägte konfliktreiche Vielvölkerregion Nordkaukasus liegt nicht weit von den Olympia-Stätten entfernt.

Dass Putin mit dem subtropischen Sotschi nicht nur den wärmsten, sondern den wegen der Konflikte nicht gerade sichersten Ort für Olympia ausgesucht hat, sorgte bei vielen Experten von Anfang an für Kopfschütteln. Die Olympia-Anlagen grenzen zudem direkt an das von Georgien abtrünnige Konfliktgebiet Abchasien, das Russland als unabhängigen Staat anerkennt. Georgien hatte die Kontrolle über Abchasien 2008 in einem Krieg gegen Russland komplett verloren. Die Abchasen müssen wegen der Grenzschließung während Olympia auf ihre einzige Verbindung zur Außenwelt vorübergehend verzichten.

FSB-Chef Alexander Bortnikow hatte erklärt, dass Grenzkontrollen insgesamt verschärft würden, um den Einzug von Terroristen zu verhindern. Er befürchtet, dass Islamisten die internationale Aufmerksamkeit für das Weltsportereignis nutzen wollen.

So stört sich etwa die kaukasische Volksgruppe der Tscherkessen daran, dass Olympia-Anlagen auf Gräbern ihrer von den Russen getöteten Vorfahren errichtet worden seien. Im Dezember befanden sich elf Aktivisten der tscherkessischen nationalen Bewegung zeitweilig in Haft. Sie hatten die Achtung des Andenkens der im Kaukasuskrieg (1817-1864) Gefallenen gefordert.

Die Organisatoren wollen vor aller Welt glänzen mit der Modellregion Sotschi, die zukunftsweisend sein soll für ein neues Russland. „Die Stadt wird auf keinen Fall aussehen wie ein Konzentrationslager“, betonte der leitende FSB-Mitarbeiter Alexej Lawrischtschew. Es gehe hier um „die Sicherheit und den Komfort der Teilnehmer“ und darum, die Spiele auf einem anständigen Niveau zu organisieren.