Finanzpsychologie: Die Freude am Geldausgeben

Finanzpsychologie: Die Freude am Geldausgeben

Mit welchen Tricks wir zum Kaufen verführt werden. Finanzpsychologin Monika Müller gibt Antworten.

Düsseldorf. Wir kaufen Dinge, die wir nicht brauchen, mit Geld, das wir nicht haben. Kurzfristig scheint das viele Menschen zu befriedigen. Warum ist das so? Finanzpyschologin Monika Müller weiß Antworten.

Frau Müller, warum empfinden wir Freude beim Einkaufen?

Monika Müller: Es geht da vielmehr um das, was ich beim Einkaufen bekomme, und dass ich mir vorstelle, dass ich mir damit etwas Gutes tue. Vielleicht will ich mich für eine Leistung, für zu viel Stress oder eine anstrengende Woche belohnen. Oder ich möchte Ärger vergessen. Wenn wir mit diesem Vorsatz Geld ausgeben, löst das durch Botenstoffe ein positives Erleben im Gehirn aus und wir empfinden ein Glücksgefühl.

Und das wird dann beim Schnäppchenkauf noch verstärkt?

Müller: Da geht es eher darum, sich intelligent und clever zu fühlen: Ich spare das meiste Geld beim Einkaufen. Man empfindet ein Erfolgserlebnis.

Verführt nicht auch der Rotstift zusätzlich zum Kauf?

Müller: Natürlich. Es wird uns suggeriert: Wenn du das kaufst, kannst du sparen! Ob es sich wirklich um ein Schnäppchen handelt, überprüfen wir nicht. Und ob ich das Produkt wirklich brauche, ebenfalls nicht. Wir halten uns dann nicht an die Fakten, sondern lassen uns von unseren Gefühlen leiten.

Ist das der Grund dafür, dass wir nach einem Einkauf zu Hause schon kein Glück mehr empfinden?

Müller: Der eigentliche Grund ist, dass das Glücksempfinden sehr flüchtig ist und schnell wieder vergeht. Unser Gehirn ist sehr flexibel. Das kann man gut an kleinen Kindern beobachten: In einem Moment stoßen sie sich und weinen, im nächsten drehen sie sich um und lachen.

Wie werden wir noch beim Einkaufen manipuliert?

Müller: Da gibt es viele Dinge. Zum Beispiel die Kundenkarte, die mir am Ende des Jahres fünf Prozent auf meine Einkäufe bietet. Dann gibt es Online-Kaufhäuser, die Internetdaten auswerten und Kaufanregungen verschicken, die nah an meinen Bedürfnissen sind. Oder in Supermärkten stehen die Produkte, die teurer sind in Augenhöhe, die preiswerteren, aber gleichwertigen, stehen etwas tiefer.

Wie wird der Einkauf stressfrei?

Müller: Um Zeit und Nerven zu sparen, kann ich nur raten, sich zwei bis drei Lebensmittelmärkte zu suchen, in denen man sich beim Einkaufen wohlfühlt. Nicht mit großen Hunger einkaufen gehen, denn dann gibt man meist mehr Geld aus als nötig. Wenn ich gestresst bin, treffe ich auch günstigere Kaufentscheidungen. Und wenn ich mich für Stammgeschäfte entschieden habe, bekomme ich auch ein Gefühl für Preise und falle nicht auf vermeintliche Schnäppchen herein.

Und ihr Rat für größere Anschaffungen?

Müller: Da haben wir heute den großen Vorteil, dass man sich in Ruhe vorab im Internet informieren kann. Ich gehe keinem spontanen Impuls nach. Im Geschäft in der Region kann ich dann nachfragen und mich beraten lassen. Wenn die Beratung und der Service stimmen, ist man gerne bereit, etwas mehr zu bezahlen. Und bei technischen Produkten sollte man sich vorher gut überlegen, ob wirklich alle Funktionen benötigt werden oder ob nicht ein Gerät sinnvoller ist, das weniger kann, preiswerter und womöglich auch noch leichter zu bedienen ist.

Wie kann man sich gegen Frustkäufe wappnen?

Müller: Muss man sich immer durch Kaufen belohnen? Es gibt da sicherlich noch andere Dinge, die einem Freude machen. Die sollte man dauerhaft in seinen Alltag integrieren. Anderen Menschen zum Beispiel zu helfen, sich ehrenamtlich zu engagieren, bringt die Freude gratis.

Mehr von Westdeutsche Zeitung