Europa rechnet mit deutschem Krisenmanagement ab

Die EU will Bauern mit mindestens 150 Millionen entschädigen. Ermittler kommen nicht voran.

Straßburg/ Berlin. Die Ehec-Erkrankungen beschäftigen Deutschland seit mehr als einem Monat — doch die Infektionsquelle ist noch nicht gefunden. Die Folgen sind dramatisch: Behördenwarnungen haben zu Millioneneinbußen bei Europas Landwirten geführt, weil die Verbraucher Gemüse meiden.

Jetzt hat die EU Hilfe angekündigt: Mit mindestens 150 Millionen Euro will sie notleidende Bauern unterstützen. Das genaue Volumen des Fonds will die EU-Kommission kommende Woche festlegen.

Gleichzeitig kritisiert das EU-Parlament das deutsche Krisenmanagement scharf. Es fehle eine klare Kompetenzaufteilung zwischen Bund und Ländern. In den USA gebe es eine zentrale Seuchenbekämpfungsbehörde, sagte die Fraktionschefin der Grünen im EU-Parlament, Rebecca Harms.

In Europa hingegen seien weder Deutschland noch die EU auf die Ehec-Krise vorbereitet. Gesundheitskommissar John Dalli forderte mehr Zurückhaltung: Solange es keine wissenschaftlichen Belege gebe, sollten nationale Behörden keine Infektionsquellen angeben, sagte er. So hatte sich der von deutschen Behörden geäußerte Verdacht, spanische Gurken seien die Infektionsquelle, nicht bestätigt.

In Deutschland kommen die Ermittler im Ehec-Krimi kaum voran. Auf eine Sprossen-Packung eines Patienten hatten Experten große Hoffnungen gesetzt — doch auch diese Spur zerschlug sich.

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