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Peter Liese (CDU) zur Europawahl: „Wir sind sehr verschieden und das ist Europas Reichtum“

Acht Fragen an die NRW-Spitzenkandidaten : Peter Liese (CDU): „Wir sind sehr verschieden und gerade das ist Europas Reichtum“

Wir stellen acht Fragen an die NRW-Spitzenkandidaten zur Europawahl. Heute: Peter Liese (CDU) aus Meschede.

Ihr liebstes EU-Land?

Peter Liese: Deutschland. Ich lebe im Sauerland und lebe gern dort. Außerdem bin ich gerne am Rhein. Wenn die Frage so gemeint war, dass es nur ein anderes EU-Land sein kann, dann:  Italien. Ich liebe die Kultur, die Sprache, obwohl ich sie nicht wirklich gut beherrsche, den Wein und das Essen.

Und welche EU-Länder haben Sie noch nie bereist?

Liese: Zypern, Lettland, Litauen und Bulgarien.

Was regt Sie an Europa auf?

Liese: Aufkeimender Nationalismus. Das wunderschöne Land Italien beispielsweise wird von Antieuropäern von rechts und links gerade zugrunde gerichtet.

Und wofür lieben Sie es?

Liese: Einheit in Vielfalt. Wir sind sehr verschieden und gerade das ist auch Europas Reichtum, aber wir haben gemeinsame Werte und Prinzipien und trotz aller Schwierigkeiten schaffen wir es, im Europäischen Parlament immer Lösungen für gemeinsame Probleme zu finden.

Drei Vorurteile über die EU, die Sie nerven.

Liese: 1. Dass wir angeblich nichts Besseres zu tun haben, als Gurken zu regulieren. Die Regulierung über Gurkenkrümmung ist seit zehn Jahren abgeschafft.
2. Dass alle Abgeordneten faul sind. Für die meisten meiner Kollegen möchte ich in Anspruch nehmen, dass sie hart arbeiten.
3. Dass in Brüssel unendlich viele Beamte arbeiten. Die Europäische Kommission hat weniger Mitarbeiter als die Angestellten zweier deutscher Großstädte wie Köln und Düsseldorf.

Und drei überraschende Wahrheiten zur EU.

Liese: 1. Viele Projekte, auch in Nordrhein-Westfalen, sind nur durch Unterstützung mit europäischen Mitteln möglich. Unter folgendem Link (efre.nrw.de/daten-fakten/liste-der-vorhaben/) kann jeder Bürger bei Eingabe seiner Postleitzahl entdecken, was in seiner Stadt konkret gefördert wurde. Unter „Das tut die EU für mich“ findet man online viele weitere Vorteile.
2. Dass wir unsere selbstgesteckten Klimaziele als EU im Gegensatz zu Deutschland erreichen.
3. Dass der Spruch „Hast du einen Opa, dann schick’ ihn nach Europa“ schon lange nicht mehr gilt. Heute beginnen viele Politiker, die später eine wichtige Aufgabe im Heimatland übernehmen, ihre Karrieren im Europäischen Parlament. So waren zum Beispiel die Ministerpräsidenten von Lettland und Kroatien bis vor Kurzem meine Kollegen in der christdemokratischen Fraktion im Europäischen Parlament und auch unser Ministerpräsident Armin Laschet war einmal Europaabgeordneter.

Was hat die Welt von Europa?

Liese: Für uns in der EU und für die ganze Welt ist das Engagement für den Klimaschutz unverzichtbar. Auch wenn wir noch viel zu tun haben, so sagen doch unabhängige Beobachter von außerhalb, wie zum Beispiel der Klimaberater des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama, Todd Stern, dass es ohne das Engagement der Europäischen Union kein Pariser Klimaschutzabkommen gegeben hätte. Zweitens: Weltweiter Einsatz für Menschenrechte, zum Beispiel auch für verfolgte und bedrohte Christen. Und drittens: Hilfe für Menschen in Not. Die EU ist mit ihren Mitgliedsstaaten der größte Geber von Entwicklungshilfe weltweit.  Und viertens: Frieden. Wir helfen Konflikte zu schlichten, auch wenn wir hier noch besser werden können.

Und was wir?

Liese: Wirtschaftliche Stabilität. Ohne die offenen Grenzen in der Europäischen Union wäre der Wirtschaftsstandort NRW nicht annähernd so erfolgreich, viele praktische Vorteile wie zum Beispiel Abschaffung der Roaming-Gebühren im europäischen Ausland, die einzige Chance, sich in einer komplizierter gewordenen Welt gegenüber China, USA, Russland und anderen durchzusetzen und vor allem Frieden. Kluge Staatsmänner, insbesondere der erste CDU-Vorsitzende und Bundeskanzler Konrad Adenauer, haben nach dem Zweiten Weltkrieg eine Friedensstruktur aufgebaut, von der wir seit mehr als 70 Jahren profitieren. Dass der Frieden nicht selbstverständlich ist, sieht man in vielen anderen Teilen der Welt. Dieses Erbe dürfen wir nicht zerstören.

(er)