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Stuttgart 2015: Kirchentag: Fünf Tage zum Klugwerden

Stuttgart 2015 : Kirchentag: Fünf Tage zum Klugwerden

Stuttgart. Jetzt also Klugheit. Nachdem ich vor zwei Jahren in Hamburg bekommen habe, "soviel du brauchst", bietet der 35. Deutsche Evangelische Kirchentag ab Mittwoch in Stuttgart 2500 Veranstaltungen, "damit wir klug werden".

Das ist ein sympathisches Vorhaben, dessen erste Herausforderung sich gleich am Auftaktabend der Begegnung stellt. Ob ich am Ende klüger bin, was sich hinter dem abendlichen Motto "Gugg gscheid nâ!" verbirgt? Jedenfalls habe ich schon mal gelernt, dass das Schwäbische offenbar Akzente zulässt, die im Deutschen sonst eher unüblich sind.

Das passt zu der Aufmüpfigkeit des württembergischen Pietismus, die sich zuletzt im Widerstand gegen das Bahnprojekt "Stuttgart 21" Bahn gebrochen hat. Andererseits ist das Arbeitsethos der Pietisten geradezu legendär. Womöglich hat es auch dazu geführt, dass der Kirchentag in Stuttgart aus Gründen der Selbstachtung gar nicht anders konnte, als sich den Großteil seiner Veranstaltungsorte selbst zu bauen - in Form einer eindrucksvollen Zeltstadt im Neckarpark.

Der wiederum befindet sich an der Mercedesstraße, die in die Benzstraße übergeht, was die Frage aufwirft, ob für die gut 100 000 Dauergäste nicht Verwechselungsgefahr besteht, welchem Stern sie nun nachfolgen sollen. Auch das wird sich vermutlich innerhalb der fünf Kirchentags-Tage klären. Dümmer kann ich also kaum werden.

Schön wäre, wenn sich in Stuttgart auch der ein oder andere Hinweis fände, dass Kirche, Glaube, Religion einen guten Beitrag dazu leisten können, "dass wir klug werden". Der Psalm 90, dem das Motto entnommen ist, stellt diese Klugheit in Beziehung zu der Einsicht in unsere Vergänglichkeit.

Das könnte eine Basis sein für Demut, Zurückhaltung und Gelassenheit, aber auch den Willen zur Verständigung. Und den zu schärfen, wäre in diesen nicht zuletzt religiös aufgeladenen Krisen- und Kriegszeiten ein echtes Zeichen von Klugheit. Ich werde suchen und berichten - und hoffentlich klüger aus dem Kirchentag herausgehen, als ich hineingegangen bin.