Loveparade: Duisburg - Trennung vom Medienberater

Loveparade: Duisburg - Trennung vom Medienberater

Der Journalist sollte das Image von Oberbürgermeister Sauerland aufbessern. Jetzt ist die Zusammenarbeit beendet.

Duisburg. Lange hat er geschwiegen. Vergangene Woche dann redete er doch. Aber das, was Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) sagte, war nicht das, was sich viele Menschen erhofft hatten. Klare Antworten konnte oder wollte der Verwaltungschef nicht geben.

Dabei hatte die Stadt Duisburg viel Geld in die Hand genommen, um das angeschlagene Image des Verwaltungschefs noch einmal aufzupolieren. Der frühere "Focus"-Korrespondent Karl-Heinz Steinkühler, beauftragt von einer Düsseldorfer Anwaltskanzlei, sollte den Oberbürgermeister "in dieser außergewöhnlichen Krisensituation" beratend unterstützen, wie es in einer Stellungnahme der Anwälte heißt.

Dass aber die Beratungen im Fall Sauerland ein schwieriges Geschäft zu sein scheinen, ist wohl auch dem Medienexperten klar geworden: Die Zusammenarbeit ist beendet, teilte die Kanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek am Donnerstag mit.

Zu den Gründen heißt es offiziell, beide Seiten hätten nur ein kurzfristiges Engagement vereinbart. Gerüchten zufolge soll aber mangelnde Offenheit der Stadtspitze gegenüber der Beratungsagentur der Grund sein.

Bei der Stadt will man dazu nichts sagen. Nur so viel: "Die Kosten der Beratungen trägt die Kanzlei." Eine Rechnung wird die hochverschuldete Ruhrgebietsstadt allerdings dennoch erhalten. Die umfasst nicht nur die Beratertätigkeit, sondern vor allem das umfangreiche Gutachten, das die Anwälte im Auftrag der Stadt erstellen lassen. Und das die Verwaltung einem ersten Zwischenbericht zufolge in großen Teilen entlastet.

Bei der Staatsanwaltschaft Duisburg sieht man die Bemühungen der Stadt um Aufklärung eher kritisch. Oberstaatsanwalt Rolf Haverkamp: "Wir führen unsere eigenen Ermittlungen durch."

Das Gutachten der Stadt habe für das Ermittlungsverfahren keinerlei Relevanz. Die Behörde hat auch ganz andere Probleme: Sie muss mehr als 900 Stunden Videomaterial auswerten, hunderte Zeugen befragen und mehr als 80 sichergestellte Aktenordner mit städtischen Planungs- und Genehmigungsunterlagen sichten. "Das wird noch einige Zeit dauern. Wie lange, da will ich mich nicht festlegen", sagt Haverkamp.

Knapp vier Wochen nach der Katastrophe, die 21 junge Menschen das Leben gekostet hat, sind somit weiterhin viele Fragen offen. Es wird zu klären sein, was genau am 24. Juli auf dem Veranstaltungsgelände und der Zugangsrampe geschah und wer wann für was verantwortlich war. Das braucht Zeit. Auch wenn dies für die Hinterbliebenen der Opfer schwer erträglich ist.

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